KUNO kann und will nicht nur Internet

Begeisternde Nähe beim Wohnzimmerkonzert

Die Band Skupa in der Besetzung Birgit Hoffmann (Violine), Hendrik Jörg (Gitarre), Jan-Willem Overweg (Tuba) sowie Gert Woyczechowski (Percussions) präsentierten mitreißende und manchmal besinnliche Balkan-Folklore, die sie experimentell mit verwandten Stilelementen bereicherten. - Foto: Schmidt

Etelsen - Von Ingo Schmidt. Musik hautnah und unverfälscht miterleben und dabei Musikfreunde in privater Atmosphäre kennenlernen – Wohnzimmerkonzerte bieten Interaktion sowie puren Musikgenuss stehend, auf dem Klappstuhl sitzend oder auf dem Sofa liegend. Zu solch einem ganz besonderen Ereignis hatte am Sonntagnachmittag der Verein Kultur im Norden (KUNO) eingeladen.

An der Etelser Straße in Etelsen erklang vor etwa 30 interessierten Zuhörern ab 16.30 Uhr ein originärer Gipsy-Sound. Für die Bremer Band Skupa (kroatisch = beisammen) war es der erste Auftritt in einem fremden Wohnzimmer und ganz unkonventionell stellten die erfahrenen Musiker vor dem Auftritt im Foyer ihre „Playlist“ zusammen.

„Inzwischen haben wir mehr Material beisammen, als wir in dieser kurzen Zeit spielen können“, erklärt Gitarrist Hendrik Jörg, „und deshalb passen wir die Stücke den jeweiligen Gegebenheiten und der Lust und Laune an.“

Ihr Publikum dankte ihnen mit begeisterndem Beifall für beispielsweise Rumba mit Flamencoeinflüssen und mit imposanten Tuba-Soli. Oder für kompositorisch frei veränderte rumänische Folklore mit ihrer charakteristischen, lebendigen Rhythmik.

Kernstücke bildeten aber ein jiddischer Tanz, sowie der armenische Hochzeitstanz „Momba“, der traditionell die mehrtägige Feier beendet, wie Jan-Willem Overweg zu berichten wusste.

Die Nähe des Wohnzimmers bietet Raum für Erläuterungen und Fragen seitens des Publikums und umgekehrt und so traten während der Stücke überraschende Fachinformationen zutage.

Die Gastgeber Antje Grundmann und Paul Kroker hatten zu Beginn des Jahres in Hamburg selbst ein vergleichbares Ereignis miterlebt und im Mai erstmals ein Jazz-Konzert im eigenen Wohnzimmer veranstaltet. Die Resonanz war allerseits hervorragend und deshalb folgte nun ein zweites Aufspielen.

Auf Skupa war Paul Kroker durch Zufall im World Wide Web gestoßen und hatte anschließend die Combo spontan eingeladen. „Wir möchten mit unseren Veranstaltungen Nischen besetzen, jungen Bands eine Bühne bieten und unseren Gästen außergewöhnliche Genres präsentieren“, erklärt der musikbegeisterte Wahl-Etelser. Außerdem sollen die Wohnzimmerkonzerte einen analogen Gegenpol zu den digitalen Aktivitäten des Vereins im Internet bieten.

Mit der Web-Präsenz www.kuno-web.de möchten die Vereinsaktiven solchen Personen Kultur zugänglich machen, die nicht mobil sind und zum Beispiel Ausstellungen besuchen können. „Einmal im Jahr werden wir auf jeden Fall weiterhin Konzerte anbieten“, versichert Paul Kroker.

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