Info-Veranstaltung in Neddenaverbergen: Politiker auf dem Podium präsentieren sich sachorientiert

Wahlkampf mal ganz unverkrampft

Die Kandidaten (von links) Frank-Peter Seemann (Grüne), Arne Jacobs (CDU) und Richard Eckermann (SPD) wirkten auf dem Podium entspannt und gut vorbereitet.

Neddenaverbergen - Gut gelaunt und ganz entspannt präsentierten sich die Kandidaten für die Kommunalwahl am 11. September am Freitagabend in Neddenaverbergen. Sie waren gekommen, um sich bei einer Inforveranstaltung interessierten Bürgern vorzustellen und deren Fragen zu beantworten an diesem lauen Sommerabend auf dem idyllischen Dorfplatz, an liebevoll hergerichteten Infoständen. „Ungezwungen“ war die Atmosphäre, genau so hatte sich Veranstalter Holger Müller das gewünscht.

Höhepunkt der Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion im Bierzelt, moderiert von Holger Müller, der im Vorfeld angekündigt hatte, dass dieser Teil des Abends nur eine Stunde dauern sollte. Das ist natürlich sehr optimistisch, wenn man drei rhetorisch gewandten Politikern mitten im Wahlkampf Mikrophone in die Hand gibt.

Aber abgesehen von den zum Teil überlangen Antworten geriet die Diskussion doch sehr informativ, zumal sich die Politiker sachorientiert präsentierten.

Arne Jacobs (CDU), Richard Eckermann (SPD) und Frank-Peter Seemann (Grüne) nutzten die Chance, die Profile ihrer Parteien herauszuarbeiten und ihre Standpunkte zu den wichtigsten Wahlkampfthemen in der Gemeinde darzustellen.

Von Herzenssachen bis Haltepunkten

Bei der CDU Kirchlinteln heißen diese Themen „Herzenssachen“, passend dazu hatte jeder CDU-Kandidat an diesem Abend ein Namensschild in Herzform an der Brust. So auch Arne Jacobs, dessen Herzenswunsch es ist, „dass die Gemeinde die Einwohnermarke von 10 000 wieder überschreitet, besser noch, 11 000 Einwohner erreicht.“ Die Gemeinde hätte das Potenzial zu wachsen, sofern die Rahmenbedingungen stimmten. Um die Attraktivität der Gemeinde zu steigern, habe die CDU sich „schnelles Internet“ als Standortfaktor auf die Wahlkampffahnen geschrieben sowie die Ausweisung von Baugebieten und das Aufspüren von Baulücken in den Dörfern. Im Bereich Kinderbetreuung setze die CDU auf „ein vielseitiges Angebot“, Jacobs wies auf den Mangel an Tagesmüttern hin. Auch neue Konzepte im Bereich Arbeit und Ausbildung seien wichtig, „damit junge Menschen hier bleiben.“

Richard Eckermann (SPD) erklärte die Themen „Bahnhalt“ und „Betreuung“ zu den zwei wichtigsten Entwicklungschancen für die Gemeinde. „Der Bahnhalt wird uns für Familien sehr viel attraktiver machen“, stellte er fest. „Aber unsere Kinderkrippen sind schon jetzt voll belegt.“ Seine Fraktion habe hart um einen Krippenneubau gekämpft, sich aber seinerzeit nicht gegen die absolute CDU-Mehrheit durchsetzen können. Weiter sei die Einrichtung von Ganztagsgrundschulen ein wichtiges Thema für seine SPD. „Andere Gemeinden in der Nachbarschaft haben solche Angebote bereits.“ Hortplätze seien teuer. „Einfach nur neue Baugebiete ausweisen, reicht nicht.“ Man müsse potenziellen Neubürgern mehr bieten, zeigte sich der Sozialdemokrat überzeugt.

Ein großer Fan des geplanten Bahnhaltes in Kirchlinteln ist auch Frank-Peter Seemann (Grüne). Er forderte, dass sich die Gemeinde damit aber nicht zufrieden geben solle. „Die Verdener bringen jetzt sogar Walle als möglichen Haltepunkt ins Spiel – dann wäre das auch für Bendingbostel und Holtum (Geest) denkbar.“ Er plädierte außerdem dafür, flexiblere Wohnnutzungsmöglichkeiten auf ehemaligen Hofstellen zu schaffen, und so möglicherweise eine besondere Klientel anzulocken, Stichwort: „Wohnen mit Pferd“. In Sachen Kinderbetreuung machte Seemann deutlich, dass eine weitere Erhöhung der Kita-Gebühren für seine Fraktion nicht denkbar wäre. „Wir sind schon viel teurer als zum Beispiel Verden.“

Moderator Holger Müller hatte viele Fragen an die Politiker im Gepäck, von der Zukunft der Feuerwehren bis hin zur Haushaltssituation war die Themenvielfalt groß. Auch der Ausbau der Amerikalinie im Rahmen der Alpha-E-Variante kam zur Sprache – und damit auch die Umsetzung der geforderten Lärmschutzmaßnahmen. „Von dem zusätzlichen Güterverkehr auf der Amerikalinie hat die Gemeinde null Vorteil“, sagte Seemann. Deshalb müssten „Bahn, Bund, Land und die anderen Profiteure den erforderlichen finanziellen Ausgleich schaffen.“

Arne Jacobs warb dafür, „beim aktuellen Ausbau der Strecke Verden-Rotenburg ganz genau hinzuschauen.“ Es sei wichtig zu sehen, wie sich die Bahn da jetzt verhalte, welches Entgegenkommen es gebe.

Richard Eckermann forderte seine Politikerkollegen dazu auf, „zusammenzustehen. Wir haben die Chance, mitzuwirken und uns einzubringen. Aber wir müssen auf unsere Forderungen pochen. Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen“. Alle Politiker müssten bei diesem Thema, unabhängig von der Partei, an einem Strang ziehen.

Nach der Diskussion blieben viele Bürger und Kandidaten noch eine Weile auf dem Dorfplatz, um bei einem Bier die angesprochenen Themen zu vertiefen.  

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