Verteidiger fordern Gutachten

Nötigungsprozess geht in die Verlängerung

Bendingbostel - Der Landgerichtsprozess um die sexuelle Nötigung, Beleidigung und Körperverletzung einer 17-Jährigen in Bendingbostel geht in die Verlängerung. Über die Anträge der beiden Verteidiger, ein aussagepsychologisches Gutachten zur Frage der Glaubwürdigkeit des Opfers erstellen zu lassen, wurde noch nicht entschieden. Die 3. Große Strafkammer will vorher eine Jugendpsychiaterin als Sachverständige hören. Es wurden weitere Verhandlungstage zunächst bis zum 9. August vereinbart.

Bei dem Opfer besteht eine geistige Behinderung. Die mittlerweile 18-Jährige war aber in ihrer Aussage vor Gericht durchaus überzeugend. Die Glaubwürdigkeit wird auch nicht generell von den Verteidigern in Frage gestellt, es geht vielmehr um die Entstehung der Aussagen. Die Befragung bei der Polizei sei zumindest in Teilen nicht offen erfolgt, sondern in Form von Suggestivfragen, auf die das Opfer jeweils mit „Ja“ geantwortet habe, so die Kritik.

In einer zweiten Vernehmung des Opfers sei ein Geschehensablauf von der Polizeibeamtin vorgegeben worden, den die Zeugin so gar nicht geschildert habe, kritisiert Verteidiger Michael Brennecke in einem Beweisantrag. Beispielsweise geht es um den Tatvorwurf, dass der Angeklagte Dennis S. dem Opfer seinen Penis ins Gesicht gehalten habe. Dies hat der 19-Jährige auch bei der Polizei und in dem Prozess gestanden. Er behauptet aber, von dem 25-jährigen Florian F. dazu aufgefordert worden zu sein, was dieser wiederum bestreitet.

Videos der Zeugenvernehmung könnten gezeigt werden

Seine Verteidigerin Sandra Beuke hatte die Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens am vorherigen Verhandlungstag beantragt. Sollte es dazu kommen, will Brennecke, dass in dem Prozess die auf Video mitgeschnittenen polizeilichen Zeugenvernehmungen des Opfers gezeigt werden. Solche Aufzeichnungen sind längst kein Standard und schon gar nicht, dass so etwas im Prozess angesehen wird.

Zum Tatzeitpunkt teilten sich die Angeklagten eine Wohnung in Bendingbostel. Das Opfer war dort an einem Wochenende im September 2014 mit einer Freundin zu Besuch. Dabei soll es zu den angeklagten Taten gekommen sein. Danach wohnten beide Angeklagten in Etelsen. Dennis S. verbüßt mittlerweile eine Jugendstrafe in Höhe von dreieinhalb Jahren in der Jugendanstalt Hameln.

19-Jähriger legte Teilgeständnis ab

In diesem Prozess hat der 19-Jährige ein Teilgeständnis abgelegt und darin auch den Mitangeklagten Florian F. belastet. Der 25-Jährige bestreitet weitestgehend die Vorwürfe der Anklageschrift, insbesondere, dass er Dennis S. zu den weiteren Taten veranlasst habe. Das Gericht hat darauf hingewiesen, dass sich der Angeklagte F. nach vorläufiger Bewertung auch „nur“ der Beihilfe zur sexuellen Nötigung und zur Beleidigung und Sachbeschädigung schuldig gemacht haben könnte.

Der Prozess soll am Freitag, 5. August, um 10.30 Uhr, fortgesetzt werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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