Besuch in der Mosterei Sehlingen

Saftsaison ist voll im Gange

Jürgen Lehmberg, sein Sohn Lennardt (r.) und dessen Kumpel Niklas beim Ausladen der Äpfel. - Foto: Raczkowski

Sehlingen - Lennardt (12) und sein Kumpel Niklas (14) schleppen die schweren Säcke aus dem Anhänger in die Scheune, einen nach dem anderen. Sie haben schon bei der Ernte der Äpfel fleißig mitgeholfen, jetzt wollen sie natürlich auch dabei sein, wenn aus den Früchten Saft wird. „Wir sind Stammkunden in der Mosterei Sehlingen“, erklärt Jürgen Lehmberg, Lennardts Vater, der einen Biolandhof bei Soltau hat. „Wir kommen jedes Jahr.“ Diesmal hat er fast 500 Kilo mitgebracht.

Kurt Hoffmann-Rietzler betreibt die Mosterei in Sehlingen seit 1995. Doch er ist schon länger im Geschäft, vorher hatte er eine Mosterei in Weißenmoor im Landkreis Rotenburg. „Als ich anfing, das war 1984, haben die Leute zu mir gesagt, dass sei eine Schnapsidee. So viele Äpfel gebe es hier in der Region doch gar nicht und so weiter.“

Doch Hoffmann-Rietzler hatte den richtigen Riecher: „Von Anfang an war die Nachfrage da.“ Jedes Jahr während der Saison, die von Anfang September bis in den November hinein dauert, kommen die Kunden mit ihren Äpfeln. Manche bringen nur einen Wäschekorb voll, andere, wie Lehmberg, kommen mit einem großen Anhänger.

„Es gibt gute und schlechte Jahre“, so Hoffmann-Rietzler. 2015 sei außergewöhnlich gut gelaufen, 2016 dagegen habe das Wetter die Ernte versaut. „Es war viel zu lange heiß und trocken, viele Früchte fielen bereits im August herab, als sie noch gar nicht wirklich reif waren.“

So oder so: Ein Riesengeschäft sei die Mosterei für Hoffmann-Rietzler nicht, mehr eine Leidenschaft. „Aber wenn es ordentlich brummt, dann bleibt am Ende des Tages etwas übrig.“

Heute brummt es. Lennard und Niklas dürfen dabei helfen, die selbstgeernteten Äpfel in die Presse zu füllen. Der gewonnene Saft wird direkt in einen Erhitzer gepumpt. Nach Temperaturen von 72,5 Grad ist das Getränk lange haltbar. Es wird in die sauberen Flaschen gefüllt, die die meisten Kunden seit vielen Jahren nutzen und jedes Jahr wieder mitbringen. So auch Jürgen Lehmberg. „Ich verkaufe den Saft im Hofladen, wir trinken ihn selbst – und sogar meine Gänse bekommen ab und zu ein Schlückchen.“ Das Federvieh liebe diesen Vitaminkick.

Sack um Sack kippen Lennardt und Niklas in die Presse, während Hoffmann-Rietzler sich um das kümmert, was nach dem Entsaften übrigbleibt, den sogenannten Trester. Er tritt ihn platt, damit mehr davon in die Container passt. „Dieser Trester geht in die Biogasanlage, er wäre aber auch gut als Tierfutter zu verwenden.“

Lehmberg hat zahlreiche Sorten mitgebracht, sie wachsen auf seiner Streuobstwiese: „Wir haben Klarapfel dabei, Finkenwerder Herbstprinz, Boskoop natürlich, Danziger Kantapfel, Kaiser Wilhelm – und das hier? Hmm, keine Ahnung, wie der heißt.“ Auch Hoffmann-Rietzler kann nicht weiterhelfen: „Ich kenne die Sorten leider längst nicht so gut, wie ich wohl eigentlich sollte. Ich weiß zwar, ob ein Apfel viel Saft gibt, ob er herb oder lieblich schmeckt. Aber die Namen...“ Lennardt will es genau wissen. Ein Poster an der Scheunenwand sorgt für Klärung: „Winterrambur“ heißt der Apfel. Und ruckzuck ist er zu den anderen in die Presse gewandert.

Die Kunden dürfen auch anderes Obst zum Mischen mitbringen. „Der Hauptteil muss Apfel sein, aber ein Drittel Birnen kann nicht schaden, Auch mit Trauben funktioniert das“, so der Mosterei-Chef. Heute ist eine Kundin da, die Quitten zu ihren Äpfeln mitgebracht hat. Das gehe auch ganz gut.

Lehmbergs wollen nur ihre Apfelsorten mischen. „Es ist wichtig, schon beim Pressen ein Auge drauf zu haben“, so der Soltauer. „Sonst hat man hinterher vielleicht eine Flasche dabei, die zu sauer ist oder zu herb.“ Lennardt hat die Ehre und darf das erste Glas probieren. Er nimmt einen Schluck und befindet: „Richtig lecker.“

rei

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