Ausstellung „Nach Strich und Pinsel“

Punkt für Punkt sehr lebendig

Gemeinsamer Gang durch die Ausstellung: Künstler Eilert Obernolte (re.) mit Bernd Schwiedrzik.

Kirchlinteln - Dreidimensional scheint die Märchenkogge im Watt zu liegen, mit unglaublicher Liebe zum Detail erschaffen. Umberto Ecos Roman ‚Die Insel des vorigen Tages‘ setzte Eilert Obernolte in seine persönliche, künstlerische Wirklichkeit um: „Mit jedem Tag, den ich das Buch las, ist die Kogge auf meinem Papier gewachsen, und am Ende wucherte der Mast über den Bildrand hinaus.“

Die Ausstellung von Obernoltes Arbeiten im Müllerhaus Brunsbrock, „Nach Strich und Pinsel“, fordert den Betrachter zum sehr genauen Hinsehen heraus. Er werde oft gefragt, was an seinen Bildern denn abstrakt sei? „Unter der Lupe erkennen Sie das“, erläuterte Eilert Obernolte den vielen Besuchern: „Die Bilder bestehen aus Punkten und Strichen, erst in meinem oder Ihrem Kopf entsteht das Bild an sich.“ Er fügte an: „Die Theorie des Strichs hat schon Paul Klee beschäftigt, nach seiner Darstellung ist ein Punkt eigentlich ein stillstehender Strich.“ Wenn der Punkt in Bewegung kommt, dann entsteht auch ein Volumen im Bild.“

Bevor Bernd Schwiedrzik die Ausstellung eröffnen konnte, hatten Obernoltes aberhunderte Punkte und Striche die Besucher schon in Bewegung gesetzt, in kleinen Gruppen standen sie dicht vor den Bildern. Kaffee und Kuchen waren schon fast aufgegessen. Bernd Schwiedrzik nahm das humorvoll, man möge sein Störfeuer entschuldigen. Er stellte kurz und knapp den Kulturkreis Linteler Geest vor, der im Müllerhaus auch diese Ausstellung organisiert hat. „Der Sinn einer Vernissage ist, dass die Besucher mit dem Künstler ins Gespräch kommen können“, aber das sei ja auch schon alles passiert, merkte er fröhlich an.

Eilert Obernolte dankte für die freundliche Aufnahme. Schnell lenkte er die Besucher auf die Entstehung seiner Bilder. In seinen Arbeiten würden bestimmte Motive immer wieder auftauchen, „zum Beispiel Bäume, Pilze, Schuhe“. Manchmal merke er gar nicht, wie sich die Motivkette bildet, manchmal sei es Absicht. Bewegung ist in allen seinen Arbeiten, so auch im „Strandgut“. Reduzieren auf das Wesentliche sei seine Passion, hier auf „Himmel, Dünen, Wasser“. Obernolte war sehr zufrieden mit dem Bild, „da wirkt das Licht!“

Der Ofen in der Kaffeestube bullerte, während Manfred und Angelika Kalisch aus Klein Heins ihren Kuchen genossen. „Wir kommen mit dem Rad und wenn eine Ausstellung läuft, entscheiden wir an den Bildern hier in der Kaffeestube: Wenn uns die gefallen, dann sehen wir uns auch die anderen Räume an!“ Angelika Kalisch kommt gerne, „weil man immer sehr interessante Leute trifft. Das Müllerhaus ist ein schönes Ambiente und man wird zu nichts verpflichtet!“

Kalischs saßen unter Bildern, die Eilert Obernolte nach Themen aufgehängt hatte, die Traktoren sind aus der Gegend, besonders aber die beiden Bilder „Überschwemmungen“ fangen den Blick der Besucher. „Motive teilen sich manchmal wie eine Zelle, ergeben ganze Serien“, bekannte er. „In meiner Schulzeit habe ich im Kunstunterricht nicht gelernt, was eine Radierung ist“, erzählte Obernolte im Gespräch. Erst in seiner Bundeswehrzeit sei er in Bielefeld auf die Bilder Horst Janssens aufmerksam geworden. Danach habe ihn die Technik der Radierung fasziniert und nicht mehr losgelassen.

Ein sehr persönliches Bild sind „die ersten Schuhe“ seiner Mutter, die 1910 geboren wurde. Schuhe habe er schon oft als Motiv verwendet, da schließe sich dann auch wieder ein Kreis. Die Arbeiten gefielen den Besuchern offensichtlich gut, denn schon am Ende der Vernissage waren viele Verkauft-Markierungen verteilt, darunter auch an die Märchenkogge.

Karin Wiedemann und Marlis Rothermel freuten sich über die vielen Besucher zur Ausstellung. Sekt, Kaffee und Kuchen fanden reichlich Zuspruch, Eilert Obernolte hatte gerade vor der Eröffnung noch gescherzt, selbst der Kuchen sei von ihm, gab aber am Ende seiner Rede zu: „Backen kann ich nicht, aber der Kuchen ist klasse!“

Karin Wiedemann kann nicht nur herrlich backen, als Schatzmeisterin ist sie auch verantwortlich für den jährlichen Dienstplan der Wochenenden. Seit 20 Jahren, von Anfang an, ist sie im Verein tätig. Die zweite Vorsitzende Marlis Rothermel ist erst seit einem Dreiviertel Jahr dabei und gleich in den Vorstand gewählt worden. „Wir sind erst aus Frankfurt wieder hierhergezogen, mir gefällt der Umgang und die Fröhlichkeit. Es macht sehr viel Spaß. Die Atmosphäre des Müllerhauses und die Umgebung mag ich sehr gerne.“ Und man müsse ja auch was zu tun haben.´ 

cm

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