„Min Vadder sien Unnerbüx wör speziell“ 

Plattdeutsche Lesung von Matthias Stührwoldt

Volles Haus bei der plattdeutschen Lesung von Matthias Stührwohldt in der Schule am Lindhoop: Die Gäste hatten viel zu lachen. - Fotos: Leeske

Kirchlinteln - Die plattdeutsche Lesung von Matthias Stührwoldt am Mittwochabend war ein voller Erfolg. Der Holsteiner unterhielt das zahlreich erschienene Publikum mit Geschichten von düt und dat auf Niederdeutsch. Die Organisatorin und Leiterin der Gemeinde- und Schulbücherei Kirchlinteln, Heilwig Dyck, begrüßte mehr als 100 Gäste in der Schule am Lindhoop und war sehr erfreut über die große Resonanz.

Der Autor Stührwoldt las aber gar nicht vor, wie es der Titel der Veranstaltung vermuten ließ, sondern er trug aus einem schier unendlichen Fundus an Anekdoten eine Geschichte nach der anderen frei vor.

Selbstverständlich geschah dies alles up Platt. Lediglich bei wenigen Fremdwörtern musste der weitgereiste Plattsnacker auf das Hochdeutsche zurückgreifen. Nur gelegentlich schaute er dabei in eines seiner Bücher, um sich zu erinnern, wie die nächste Story hieß. Daher präsentierte er das „Leven op’n Land“ sehr erfrischend und lebendig.

Das Repertoire seiner Geschichten reichte von dem im Moor versunkenen Bagger auf der Autobahnbaustelle in der Nähe seines Heimatdorfes Stolpe bis zu den Kurerlebnissen seines Vadders im Süddeutschen. Außerdem wurden die nächtelangen Geburtstagsfeiern seiner Jugendzeit auf dem elterlichen Bauernhof ausführlich geschildert. Dabei kam auch die spezielle Unterwäsche des Vaters zur Sprache, die dem Besucher in der Bauernküche sicherlich ungewollte tiefergehende Einblicke erlaubte. Spätestens bei dieser Geschichte hielt es keinen der Zuhörer mehr auf den Plätzen und alles krümmte sich vor Lachen. „Dat is halt us Stolper Humor“, erklärte Stührwoldt seine manchmal etwas derben Witze.

Seine Späße macht der ökologische Landwirt allerdings nicht nur auf fremde Kosten, sondern „vertellt“ auch von seinem unstillbaren Milchdurst in der frühesten Kindheit und darüber hinaus. Denn nur ein Krankenhausaufenthalt des kleinen Matthias bewahrte dessen Mutter davor, ihn sogar noch in der Grundschulzeit mit der nahrhaften Muttermilch zu versorgen. Passenderweise ist dies eine Geschichte aus seinem Buch „Melkbuern Geschichten“, aber auch einige Anekdoten aus der Weihnachtsanalogie „Steerns an’n Heven“ wurden zum Besten gegeben. Weiter hörten die Gäste Geschichten von den Geschehnissen auf dem Bauernhof des Vortragenden, die von der Tierwelt, den Katzen, „de Bull un sien Kooh“ und den fruchtbaren Kaninchen handelten.

Die ganze Veranstaltung über wurden die Lachmuskeln der Besucher stark beansprucht. Erst nach zweieinhalb Stunden entließ der Plattkabarettist seine Gäste, die die Schule mit einem zufriedenen Schmunzeln im Gesicht verließen.

Mit seinem Programm ist Stührwoldt in ganz „Norddütschland unnerwegs“. „Eben dor wo de Lüt mich ok verstaan kaan.“

lee

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