Schwierige Verkehrssituation für Radfahrer an der Hauptstraße in Kirchlinteln / Ein Ortstermin

„Die jetzige Regelung ist vollkommen bescheuert“

„Bis zur Alten Dorfstraße sollen die Radfahrer den rechten Radweg benutzen“, erläuterte die BI L171 in Kirchlinteln.

Kirchlinteln - Hat man als Kirchlintelner Radfahrer endlich sein Bergfest an der anspruchsvollen Steigung bei der alten Ziegelei gefeiert, erreicht der Drahtesel nach entspannenden Metern durch den Lindhoop sogleich eine Gefahrenstelle in der Ortseinfahrt Kirchlinteln – und alle Freude des Heimkehrers ist dahin. Denn seit Anfang des Jahres hat der Landkreis als zuständige Straßenbehörde das Rechtsfahrgebot für Fahrradfahrer an dieser Stelle umgesetzt (wir berichteten). So sollen alle motorlosen Zweiräder hier die Hauptstraße queren und auf dem rechten Geh- und Radweg fahren. Ganz Mutige dürfen auch auf der Fahrbahn fahren, neben Autos und LKWs, Hauptsache, auf der rechten Seite. Dagegen machen jetzt einige Kirchlintler mobil.

Zu der neuen Regelung kam es, weil eine Bundesbehörde eine Verordnung erließ, die das Rechtsfahrgebot für Fahrradfahrer durchsetzen soll. Natürlich konnte in einer Bundesverordnung auf die Kirchlintelner Gegebenheiten nicht eingegangen werden. Bei einem Ortstermin forderte jetzt die „Bürgerinitiative Verkehrsberuhigung L171“ eine Änderung der neuen Verkehrsregelung.

In der Praxis würden die allermeisten Radler weiterhin verkehrswidrig den linken Radweg nutzen, war vor Ort zu hören. Dieser schmale Weg zwischen Hecke und Landesstraße könne bei Gegenverkehr auch zu brenzligen Situationen führen, spätestens, wenn das Velo mit seinem Steuermann den Autos an der Kreuzung Schulstraße, Hauptstraße und Weitzmühlener Straße begegnet. Diese Kreuzung sei allein schon für die Kraftfahrzeuge ein Unfallschwerpunkt und daher für die Fahrräder sehr gefährlich.

Um über die eventuelle Teilschuld des Radfahrers bei einem Unfall an dieser Stelle aufzuklären, hatte die Bürgerinitiative (BI) den Versicherungsexperten Volker Kopka hinzugezogen. Laut Kopka sei die Rechtsprechung in derartigen Fällen nicht eindeutig, aber ein wichtiges Kriterium sei, dass der Radfahrer sein Vorfahrtsrecht beibehalte, obwohl verkehrswidrig die linke Spur genutzt werde. Trotzdem betrage die Haftungsverteilung je nach Konstellation zwischen 30 und 100 Prozent für den Radfahrer, falls er einen Unfall verursacht und dabei unzulässig den linken Radweg nutzt.

„Die jetzige Regelung ist vollkommen bescheuert“, zeigte sich die Sprecherin der BI Renate Meyer verärgert. Sie hoffe auf eine baldige sinnvolle Lösung, da viele Fahrer zurzeit verunsichert seien. Wenn der Radfahrer gesetzeskonform den rechten Weg befahre, sei die Querung der unfallträchtigen Kreuzung sehr gefährlich, da wegen einer Böschung das Fahrrad erst im letzten Moment vom Autofahrer zu sehen sei. „Dann lande ich aber wenigstens ohne Teilschuld auf dem Kühlergrill“, entfuhr es einem Radfahrer.

Die zweite Sprecherin der BI, Gerda Köster, forderte daher „die Freigabe der linken Spur und zumindest eine rote Farbmarkierung bei der Überquerung der Schulstraße, vergleichbar mit dem Fahrbahnanstrich auf der Kreepener Straße“. Eine Vollampelanlage sei wohl die beste Lösung, sei aber von der Bereitschaft des Verkehrsträgers abhängig. In den fahrradfreundlichen Niederlanden gebe es auch Lösungen mit Lichtschranken und Warnleuchten für die Autos, wenn sich ein Zweirad der Kreuzung nähere.

Dass die Radfahrer brav die rechte Spur benutzen werden und vier zusätzliche Anliegerstraßen queren, ehe sie wieder bei der Alten Dorfstraße über den Zebrastreifen auf die linke Seite wechseln, sei illusorisch, meinten die Mitglieder der BI einhellig. Dringend seien die Behörden zum Handeln aufgefordert, denn wenn erst ein Unfall passiert ist, sei es zu spät. - lee

Mehr zum Thema:

Ex-Grüner Van der Bellen wird neuer Präsident in Österreich

Ex-Grüner Van der Bellen wird neuer Präsident in Österreich

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtsmarkt in Levern

Weihnachtsmarkt in Levern

Meistgelesene Artikel

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Erneut Vollsperrung an der L 158

Erneut Vollsperrung an der L 158

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Atemberaubende Aufnahmen

Atemberaubende Aufnahmen

Kommentare