Die Geschichte hinter dem Bild: Erich Schwinge recherchiert über Notlandung 1937

Hubschrauberpilotin macht Zwischenstopp in Schafwinkel

Das Bild, dessen Fotograf bisher noch nicht ausfindig gemacht werden konnte, zeigt, wie Kinder der Schule Bendingbostel den Hubschrauber in Augenschein nehmen. Zwei Frauen und zwei Männer, die damals dabei waren, hat Erich Schwinge mittlerweile gefunden und sie zu der Landung befragt. Die damaligen Kinder sind jetzt 86 bis 91 Jahre alt und konnten sich alle an das Ereignis erinnern.

Schafwinkel - Es gibt noch Bewohner der Gemeinde Kirchlinteln, die sich an dieses Ereignis erinnern: Im Oktober 1937 landete die bekannte Fliegerin Hanna Reitsch unfreiwillig mit einem der ersten richtigen Hubschrauber bei einem Flug nach Berlin in der Nähe der ehemaligen Molkerei Schafwinkel. „Es reizte mich sehr, darüber Genaueres zu erfahren“, erzählt Erich Schwinge, der bei seiner Recherche zu seinem Buch „Bilderchronik Holtum (Geest)“ auf ein entsprechendes Foto gestoßen ist. Es zeigt ein Gefährt auf einem Acker, das weniger wie ein Hubschrauber als wie ein kleines Flugzeug aussieht. Drumherum sind viele Kinder zu sehen, die es bestaunen.

„Das Bild befand sich im Archiv der Digitalisierungs-AG Kirchlinteln bei Hermann Meisloh“, berichtet Schwinge. „Das Hubschraubermuseum in Bückeburg hat mir bei meiner Recherche sehr geholfen. Von dort habe ich unter anderem einen Bericht über den Hubschrauber Focke-Wulf F 61w und einen Bericht über den Flug von Hanna Reitsch bekommen.“

Als die Fliegerin mit dem neuartigen, einsitzigen Fluggerät unterwegs war, sei laut Bericht des Hubschraubermuseums der Motor zu heiß geworden, und sie habe sich zur Landung bei Schafwinkel entschlossen. „Das Bild, dessen Fotograf ich noch nicht kenne, zeigt, wie Kinder der Schule Bendingbostel das seltsame Flugzeug bestaunen. Inzwischen habe ich zwei Frauen und zwei Männer, die damals dabei waren, gefunden und über die Landung befragt. Die damaligen Kinder sind jetzt 86 bis 91 Jahre alt und konnten sich alle an das Ereignis erinnern und mir die Stelle bei der Molkerei Schafwinkel zeigen.“

In dem Bericht aus dem Hubschraubermuseum steht über die Notlandung von Hanna Reitsch folgendes:

„Sie suchte sich einen geeigneten Fleck und schwebte über dem Garten eines Bauernhofs. Als der erstaunte Besitzer sie hörte, rannte er in den Garten und nickte, als Reitsch ihn mit Gesten um Landeerlaubnis bat. Als sie aus dem Hubschrauber stieg, ergriff der alte Mann ihre Hand, schüttelte sie heftig und sagte: ‘So’n Ding! Ich war Luftschiffkapitän in Berlin, hätte aber nie gedacht, dass eines Tages ein hübsches junges Mädchen in meinem Garten landen würde.’“ Diesen Teil der Geschichte konnte Schwinge bisher nicht verifizieren beziehungsweise herausfinden, wer dieser Bauernhofbesitzer und Luftschiffkapitän gewesen sein soll. Wenn jemand dazu Hinweise geben kann: Erich Schwinge würde sich über Informationen diesbezüglich freuen.

Nachdem der Motor abgekühlt war und nach Rücksprache mit dem Konstrukteur, startete die Pilotin wieder, musste aber ihren Flug nach Berlin noch zweimal bei Munster und in Fassberg unterbrechen. Der Flug von Fassberg nach Berlin war mit 108 Kilometer damals ein Streckenrekord für Hubschrauber. In Berlin wurde das Fluggerät auseinande- und in der Deutschlandhalle wieder aufgebaut. In der Halle führte Reitsch ihn bei mehreren Starts dem staunenden Publikum in fünf bis zehn Metern Höhe vor. Eine Weiterentwicklung fand nicht statt, weil das Militär dies zugunsten anderer Projekte ablehnte. Im Bückeburger Museum befindet sich ein Nachbau des Hubschraubers.

Mehr zum Thema:

Klaus Allofs' Karriere in Bildern

Klaus Allofs' Karriere in Bildern

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Mehr Wohnungslose in Deutschland

Mehr Wohnungslose in Deutschland

Neddener Advent

Neddener Advent

Meistgelesene Artikel

Nikolausmarkt in Dörverden - wohltuend und wärmend

Nikolausmarkt in Dörverden - wohltuend und wärmend

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Erneut Vollsperrung an der L 158

Erneut Vollsperrung an der L 158

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Feuerwehr kann Mercedes nicht mehr retten

Kommentare