Betriebserweiterung in Kreepen scheitert an Geruchsimmissions-Richtlinie

Hermann Heitmann stinkt’s

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Hermann Heitmann hat kein Problem mit Landluft. Seinen Gastronomiebetrieb in Kreepen darf er trotzdem nicht erweitern.

Kreepen - Dem Kreepener Gastwirt Hermann Heitmann stinkt es gewaltig, dass er seinen Gastronomiebetrieb aufgrund der Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) nicht erweitern darf. Diese mache bei Emissionen durch landwirtschaftliche Betriebe im Dorf eine Baugenehmigung nahezu unmöglich. „Selbst bei einem stillgelegten Stall nur mit Bestandsschutz ist das so“, erklärt Heitmann, der sich zwangsläufig intensiv in die Materie eingearbeitet hat.

Auch die Expertise des Professors Dr. Jörg Oldenburg sollte zur Lösung des Problems beitragen, da dieser laut Heitmann ein renommierter Fachmann für Immissionsprognosen sei. So wurde geplant, gemeinsam mit dem benachbarten landwirtschaftlichen Betrieb eine Filteranlage für 40 000 Euro zu installieren. Aber die Modellberechnungen ergaben, dass der GIRL-Grenzwert trotzdem überschritten werden würde.

Die Kreepener zögen alle an einem Strang und wollten auf keinen Fall einen Konflikt zwischen Landwirtschaft und Tourismus, betont Heitmann. „Ich bin hier aufgewachsen und baue ganz bewusst hier, weil mich der Geruch gesunder Landluft auch nicht stört.“ Der Gastronom befürchtet, dass die Dörfer wegen dieser Richtlinie immer weiter verwaisen werden. Sein Sohn könne den Betrieb ohne Erweiterung nicht übernahmen. Seit 1674 ist seine Familie auf dieser Hofstelle in Kreepen ansässig. Die Gaststätte mit Poststation wurde 1904 eröffnet und vor 22 Jahren modernisiert.

„Wir wollten unseren Betrieb erweitern und wertvolle Arbeitsplätze für den ländlichen Raum schaffen“, schildert er. Es sei geplant gewesen, ein altes Stallgebäude auf seinem Betriebsgelände zu entfernen, um für sich und seine Familie ein Einfamilienhaus zu errichten. Die dann freie Wohnung im Hauptgebäude würde Platz für Personalräume und weitere Hotelzimmer schaffen. Denn bei Topevents in der Region sei er schon jetzt regelmäßig ausgebucht und wolle weiter wachsen. Nach dem Ausbau sollten zwei Ausbildungsstellen und mindestens eine volle Stelle für einen Koch geschaffen werden.

Allerdings sei Heitmann jetzt bereits mit der Bauvoranfrage bei der zuständigen Behörde, dem Landkreis Verden, gescheitert.

Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald hat sich bereits für die Schaffung von Ausnahmeregelungen ausgesprochen, da viele Dörfer im ländlichen Raum betroffen seien.

Landtagsabgeordneter Adrian Mohr stellte eine Weiterentwicklung in Aussicht, da noch im August erneut eine interministerielle Arbeitsgruppe in Hannover tagen würde. Er fände es gut, wenn man in Niedersachsen für den ländlichen Raum zu flexibleren Lösungen kommen würde. „Ich hoffe auf einen Fortschritt durch die Arbeitsgruppe der zuständigen Landesministerien, damit wir besondere Problemlagen entkrampfen können“, hieß es weiter vom Abgeordneten.

Heitmanns Vorschlag zur Entkrampfung der Situation wäre ein Eintrag ins Grundbuch, wodurch die Geruchsbelästigung dokumentiert würde und eine Klage gegen den Verursacher unmöglich werden würde.

Der Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt des Landkreises Verden, Volker Lück, forderte eine klar nachvollziehbare Regelung für Ausnahmen oder Änderungen der GIRL, da auch besonders im Zuge der Innenverdichtung zahlreiche andere Ortschaften im Landkreis Verden von der Richtlinie betroffen seien. - lee

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