Fast alles läuft nach Plan

Landwirtschaftsmeister Henning Müller fährt Ernte ein

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Landwirtschaftsmeister Henning Müller erntete mit seinem Mähdrescher das Getreide Triticale auf einem Feld in Kirchlinteln-Deelsen. 

Kirchlinteln-Deelsen - Die Ernte ist, trotz meteorologischer Widrigkeiten, (fast) unter Dach und Fach. Landwirtschaftsmeister Henning Müller aus Deelsen ist im Großen und Ganzen zufrieden. „Bis auf den Raps ist alles gut gelaufen“, so sein Fazit.

In der ersten Schönwetterperiode des Sommers hat Müller die Wintergerste, den Raps und das Getreide Triticale gedroschen. Triticale ist eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen. Diese konventionell gezüchteten Hybride verbinden die Qualität des Weizens mit der Anspruchslosigkeit des Roggens und dienen als kostengünstiges Futtermittel, beispielsweise in der Schweinemast. So auch im landwirtschaftlichen Betrieb von Henning Müller in Deelsen, wo die eigene Ernte der Triticale von den Flächen in Kirchlinteln vollständig an die Tiere verfüttert wird. „Dadurch wird der Zukauf von anderen Futtermitteln auf ein Mindestmaß reduziert“, erklärt der Landwirt. Auch Roggen und Weizen konnten nach der Wetterstabilisierung zügig abgeerntet werden.

Standortleiter Jan-Arnd Thölke nimmt eine Rückstellprobe aus der Roggenlieferung von Werner Carstens aus Kirchlinteln.

Nimmt man den Raps raus, dessen Ernte unter dem schlechten Wetter zu leiden hatte, notierte Landwirtschaftsmeister Müller für das Jahr 2016 gute Erträge. Und nennt einen Grund dafür: In seinem Betrieb komme ein neues, sensorgesteuertes Düngungsverfahren zum Einsatz. „Gedüngt wird nur, wo es nötig ist“, so Müller. Mit einem optischen System auf dem Traktor werde auf jedem Quadratmeter genau gemessen, wie stark schon im frühen Entwicklungsstadium der Wuchs der Pflanzen sei. Folglich werde auf nährstoffreichen Teilen des Ackers gar nicht mehr gedüngt. Das spart nicht nur Kosten. „So wird auch die Einbringung von Stickstoff in den Boden auf ein notwendiges Minimum reduziert“, erklärt Müller. Direkt nach der Aberntung werde der Boden sowieso im Zuge der Wasserschutzberatung von einem Ingenieurbüro auf die Stickstoffbelastung untersucht, um die Grundwasserbelastung schon frühzeitig erkennen zu können. Es würden Proben in 30, 60 und 90 Zentimeter Bodentiefe genommen. Von der Modernisierung der Landwirtschaft profitiere damit auch der Umweltschutz.

Und alles geht natürlich viel schneller: „Verglichen mit früher, als dutzende Erntehelfer Wochen für unsere Flächen gebraucht haben, sind wir heute mit vier Mitarbeitern und einem Auszubildenden viel schneller durch“, weiß Müller, dessen Hof schon seit 1794 im Familienbesitz ist. Wo es gut läuft, bleibt Zeit für andere Arbeit. So könne er als Lohnunternehmer für Landwirte tätig sein, die Investitionen in den kostenintensiven Maschinenpark nicht selber tragen. Insgesamt sei das Risiko der Landwirte größer geworden. Die Investitionen pro Hektar sei auf 600 Euro oder mehr gestiegen, während der Ertrag mit Blick auf die Märkte mit immer größeren Unsicherheit verbunden sei.

Ein Großteil der Zeit verbringt der Landwirt heutzutage im Büro. Hier verhandelt Henning Müller gerade mit einem Lieferanten.

Seine nicht selbst genutzten Getreide- und Rapserzeugnisse liefert Müller im zwei Kilometer entfernten Landhandel Hansa in Kirchlinteln ab. Von jeder Anlieferung nehmen Standortleiter Jan-Arnd Thölke und seine Mitarbeitern eine Rückstellprobe. „So könen Verunreinigungen noch bis zu einem Jahr später nachgeweisen werden“, so Thölke. Außerdem werde jedes Mal die Qualität des Getreides überprüft und der Wassergehalt gemessen. „Bei Werten über 9 Prozent beim Raps und über 15 Prozent beim Getreide gibt es leider Abzüge für die Lieferanten“, sagte Thölke.

Die Ernte bleibt überwiegend in der Region. Alles aus dem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern wird hier vermarktet“, erklärt der Leiter des Standorts. Nur der Raps werde nach Hamburg zur Ölmühle geliefert und dort zu Öl und Schrot weiterverarbeitet. Das Schrot kehre allerdings wieder als Proteinträger und Futtermittel der Milchviehwirtschaft beziehungsweise Schweinemast in die Region zurück.

Auf den Feldern wird es derweil etwas ruhiger. Als letztes Getreide kommt der Mais in den Häcksler, der als vielseitiger Energielieferant traditionell die Erntesaison abschließt. 

lee

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