Nach 30 Jahren im Gemeinderat: Friedel Koch verabschiedet sich

Alter Hase tritt jetzt kürzer

Einfach mal gemütlich im Garten sitzen, sich in der VAZ darüber informieren, was in der Gemeinde so los ist – darauf freut sich Friedel Koch jetzt ganz besonders. - Foto: Raczkowski

Armsen - Friedel Koch tritt nicht mehr zur Wahl an. 30 Jahre saß er im Gemeinderat, 25 Jahre war er Ortsvorsteher in Armsen. Und auch, wenn ihm sein politisches Engagement in dieser Zeit viel Freude bereitet hat, ist er sich bei seiner Entscheidung sicher. „Auch die längste Zeit geht vorbei. Und jetzt ist einfach mal meine Familie dran.“ Das schulde er nicht zuletzt seiner Frau Gertrud, die ihn all die Jahre kräftig unterstützt habe.

Am 31. Oktober läuft die Amtszeit des 72-Jährigen als Ortsvorsteher von Armsen und als Gemeinderatsmitglied ab. 1986 war Koch erstmals in den Rat gewählt geworden, danach immer wieder, mit meistens hervorragenden Ergebnissen. „Das war schon toll. Wenn man so viel Vertrauen geschenkt bekommt, dann setzt man sich natürlich auch entsprechend ein“, so Koch. Es folgten drei Jahrzehnte Kommunalpolitik. „Vier Bürgermeister habe ich dabei überlebt.“

Angesprochen und überzeugt, zu kandidieren, hätten ihn die Sozialdemokraten Peter und Richard Eckermann. Er selbst sei damals kein Parteimitglied gewesen, sondern lediglich „politisch interessiert und sozial eingestellt“. Der gebürtige Frankenfelder war bis zu seiner Rente beim Bremer Versorgungsamt tätig und dort viele Jahre Personalratsvorsitzender gewesen.

Erst 1991 sei er in die SPD eingetreten, im gleichen Jahr wurde er zum Ortsvorsteher ernannt. In den vergangenen 30 Jahren gehörte er verschiedenen Ausschüssen an, auch als Vorsitzender, war eine Zeitlang zweiter stellvertretender Bürgermeister. Auch ein Kreistagsmandat hatte er.

In Armsen hat sich in Kochs Amtszeit viel getan. „Die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm im Jahre 2002 war ein großer Erfolg. Das hat sehr zur Entwicklung des Ortes beigetragen“, bilanziert Koch. „Mittlerweile gibt es leider keine freien Bauplätze mehr“, berichtet er. Hier müsse etwas getan werden, um es jungen Leuten zu ermöglichen, in Armsen Wurzeln zu schlagen.

„Früher ging es im Rat oft hoch her“

Es gab auch weniger schöne Entwicklungen. Sehr enttäuscht war Koch, als erst der Einkaufsladen und dann die Sparkasse in Armsen schloss. „Trotz unserer Bemühungen konnte man sie nicht halten. Das finde ich bis heute schade, vor allem, wenn man an die älteren Mitbürger denkt.“

Seit zwei Jahren leben in Armsen auch Flüchtlinge. Zurzeit seien die 25 Albaner, Eritreer und Sudanesen gut untergebracht, integriert und mobil. „Sie konnten dank der Hilfe vieler sehr engagierter Ehrenamtlicher mit Fahrrädern versorgt werden und Deutschunterricht bekommen“, so Koch. „Sie wollen gerne hier wohnen bleiben. Bisher hat es keine Probleme gegeben. Ich würde mich freuen, wenn das so bleibt.“

Außerdem würde es Koch begrüßen, wenn sich sein Nachfolger dafür einsetzen würde, wenn der Fahrradweg von der Dorfmitte zur L160 bald gebaut würde. „Wir haben mittlerweile deutlich mehr Verkehr im Ort, auch und gerade mit Lkw. Da wird die Situation für Radfahrer immer gefährlicher.“

Auch auf Gemeindeebene sei in den vergangenen 30 Jahren viel geschehen. „Besonders im Kindergarten-, Krippen- und Schulbereich.“ Hier sollte die Gemeinde, findet Koch, am Ball bleiben. Der Erhalt und die Stärkung der Schulstandorte solle auch für die nächste Politikergeneration Priorität haben. Das sei wichtig, um jungen Familien ein attraktiver Wohnort zu bleiben. „Besonders, wenn der Bahnhalt in Kirchlinteln kommt, hat die Gemeinde gute Chancen auf neue Einwohner. aber man muss sich immer weiterentwickeln. Stillstand ist Rückschritt.“ Auch wünscht sich Koch, dass die gute Zusammenarbeit im Gemeinderat erhalten bleibt. „Früher ging es im Rat oft hoch her, es gab eher mal Streit und persönliche Angriffe.“ Es sei schön, dass diese Zeiten vorbei seien und man jetzt versuche, sich zum Wohle der Bürger zusammenzureißen.

Als angenehme Pflicht eines Ortsvorstehers hat Koch die Besuche zu Ehejubiläen und hohen Geburtstagen empfunden. „Das war immer schön – und man wird ja nicht dümmer durch solche Termine. Im Gegenteil, da erzählen dir die Leute, was sie bewegt, was sie auf dem Herzen haben.“ Und man könne eben nur dann helfen, wenn man wisse, wo der Schuh drückt.

Das einzige Amt, das Koch weiterhin behalten wird, ist das des Vorsitzenden im örtlichen Sozialverband. „Man will ja nicht von heute auf morgen gar nichts mehr zu tun haben.“

Wer Friedel Koch kennt, der weiß: Wenn es Probleme gibt, ist er da zum Helfen. Und das soll so bleiben, auch wenn er sich künftig öfter mal erlauben wird, mit seiner Frau in den Urlaub zu fahren oder einen Ausflug mit seinen vier Enkelkindern zu machen, ohne vorher auf den Terminkalender zu gucken. „Da freu ich mich drauf.“ - rei

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