Polizei schließt Manipulation aus

Kinderpornos stammen nicht vom Kollegen

Achim - Von Lisa DuncanEr will nicht gewusst haben, woher die 1087 Kinderpornos auf seinem PC stammen. Darum hatte ein 40-Jähriger Lkw-Fahrer, der wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials bereits Anfang Mai vor dem Achimer Amtsgericht gestanden hatte, darum gebeten, seinen Rechner noch einmal polizeilich untersuchen zu lassen. Doch die Analyse ist eindeutig: Dritte waren am Herunterladen der Dateien offenbar nicht beteiligt. Zur dritten Hauptverhandlung des Prozesses kam es gestern nicht, weil der Angeklagte nicht erschien.

Die Achimer Polizei hatte bereits im Mai 2011 einen anonymen Hinweis erhalten, dass der Lkw-Fahrer Dateien mit Kinderpornografie auf seinem Rechner hätte. Ein Verdacht, der sich beim Durchsuchen von Lastwagen und Wohnung des Angeklagten bestätigte. Auf dem Laptop und zwei externen Festplatten befanden sich Bilder, auf denen sexuelle Handlungen von Erwachsenen vor Minderjährigen, mit Kindern und zwischen Minderjährigen dargestellt wurden. Die Bilder aus Chatrooms, Tauschbörsen und anderen Quellen soll sich der Achimer in den Jahren 2004, 2009 und 2011 auf seinen Rechner geladen haben.

Der Angeklagte dagegen versicherte schon am ersten Verhandlungstag, er könne sich nicht erklären, wie dieses Material auf seinen Laptop beziehungsweise die externen Festplatten gekommen sei. Er argumentierte, dass Dritte ihm die Dateien während seines Aufenthalts in einer Wohnung der Firma in Frankreich auf den Rechner gespielt hätten. Während seines Frankreich-Aufenthalts hatte das Gerät im für mehrere Personen zugänglichen Schlafzimmer gelegen. Konkret äußerte er die Vermutung, dass ein Kollege ihn aus Schikane gezielt belasten wollte.

Ein Polizei-Experte sollte nun untersuchen, zu welchem Zeitpunkt die demütigenden Abbildungen tatsächlich auf dem Laptop des Lkw-Fahrer gelandet waren. Das stellte sich angesichts der schieren Menge der Dateien zunächst als schwierig heraus. Bereits die vorherige Verhandlung musste vertagt werden, weil der zuständige Beamte die Analyse im vorgegebenen Zeitpunkt nicht schaffte (wir berichteten).

Jetzt steht fest, dass zum Zeitpunkt, als der Angeklagte sich in der firmeneigenen Wohnung in Frankreich befand, nichts verändert oder manipuliert wurde. Das macht die Einlassung des Angeklagten nichtig. Wäre er gestern vor Gericht erschienen, hätte er sich also voll für sein Handeln rechtfertigen müssen.

Statt die Verhandlung noch weiter zu vertagen, setzte Richter Heiko Halbfas nun einen Strafbefehl von 6 800 Euro (zu zahlen in 170 Tagessätzen à 40 Euro) fest. Einen solchen Strafbefehl kann das Gericht dann verhängen, wenn ein Angeklagter nicht erscheint – vorausgesetzt er ist noch nicht vorbestraft. Der Angeklagte hat nun die Möglichkeit, Einspruch gegen den Strafbefehl einzulegen. Tut er dies nicht, wird das Urteil rechtskräftig.

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