Experte für die „heile Welt“

Ausstellung mit Werken des verstorbenen Hülsener Künstlers Erwin Kubitza

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Viele interessierte Besucher waren zur Vernissage gekommen. Sie erfuhren viel über das Leben und Wirken Kubitzas.

Dörverden - Der Verein Ehmken Hoff richtet erneut eine Ausstellung mit Werken eines bereits verstorbenen Künstlers aus der Gemeinde Dörverden aus. Nach Waldemar Hiller, Horst Jänisch, Walter Alm und Herrmann Mühlenkamp steht diesmal Erwin Kubitza aus Hülsen im Fokus der Schau, die in enger Kooperation mit der Rathaus-Galerie Hülsen gezeigt wird.

Die bis zum 18. Dezember im Ausstellungsraum des Kulturguts vorgestellten Arbeiten sind über mehrere Jahrzehnte hinweg entstanden und sämtlich Leihgaben aus privatem Besitz.

Erwin Kubitza, so war zu erfahren, war gelernter Kaufmann, hatte aber schon als Jugendlicher eine Leidenschaft für die Malerei, die er unter Mühen erst auf Umwegen ausleben konnte. Er war ein fleißiger Maler, der in seiner aktiven Zeit weit über 1 000 Bilder gefertigt haben soll. So jedenfalls der Kenntnisstand von Gerhard Meyer, Vorsitzender im Verein Ehmken Hoff, und Uwe Kaiser, der in Hülsen die Rathaus-Galerie betreibt.

Vom Können, künstlerischen Potenzial und Schaffensdrang des 2008 im Alter von 86 Jahren verstorbenen Künstlers zeugen die in der Ausstellung gezeigten Ölbilder, die Kubitza mit routiniertem, sicheren Pinselstrich überwiegend als Auftragsarbeiten auf die Leinwände brachte. Die bevorzugten Motive des Künstlers waren Landschaften und Stillleben. Die naturrealistischen Bilder bestechen durch leuchtend warme Farben und harmonische Komposition. Kubitza zeigte die Natur so, wie seine Kunden sie sehen wollte: als heile Welt.

Auftragsarbeiten und Schützenscheiben

Einen Großteil seiner Arbeiten, so Kaiser, habe der Maler für ein Hamburger Versandhaus angefertigt. „Er musste schließlich von seiner Malerei leben.“ In der Ausstellung sind gleich mehrere Dubletten zu sehen: Gemälde, deren Motivgebung sich kaum voneinander unterscheidet.

Die Ausstellungsbesucher bekamen Informationen über die Vita des 1922 in Breslau geborenen Künstlers. So hat Kaiser recherchiert, dass Kubitza seinen künstlerischen Ambitionen zum Trotz zunächst einen Brotberuf ergriffen und Kaufmann gelernt habe. Seine ersten Bilder habe er auf Bierdeckel gemalt, bis ihm sein Vater, der das Talent des Sohnes erkannte, Keilrahmen, Leinwand und Farben geschenkt habe.

Eine künstlerische Ausbildung hatte der Maler jedoch nie. Er war reiner Autodidakt und doch waren seine Bilder nachgefragt. Er malte in seiner Freizeit und an Wochenenden, während sein Bruder Kurt den Verkauf der Bilder regelte. Nach Kriegsende malte Kubitza zunächst für einen niederländischen Kunstgroßhandel und später für einen Gemäldegroßhandel in Hamburg, der auch viele Bilder nach Übersee exportierte, sodass auch Arbeiten von Kubitza nach Amerika und ins übrige Ausland gelangten. 

Der Druck, Bilder produzieren zu müssen, sei für den Hülsener sehr groß gewesen, erzählt Kaiser, der den Maler auch persönlich kennengelernt hat. Deshalb sei Kubitza zu einem Bilder- und Rahmengroßhandel in Bremen gewechselt, habe außerdem ein Angebot der „Westdeutschen Luftfoto“ in Bremen angenommen und nach Luftaufnahmen farbige Ölbilder hergestellt.

Kaiser: „Der Maler hatte nach eigener Aussage ein fotografisches Gedächtnis.“ Die letzten zehn Jahre seines Erwerbslebens war Kubitza bei der Firma Schwabe-Glas in Rethem angestellt und hat unzählige Malereien auf Glas für Türen, Fenster oder andere Glasteile angefertigt. Darüber hinaus hat er über Jahrzehnte sein künstlerisches Potenzial in den Dienst von Hülsener Vereinen gestellt und von 1954 bis 1992 auch sämtliche Schützenscheiben bemalt. 

Auch haben über Jahrzehnte hinweg alle Hülsener Schützenkönige ein von Kubitza angefertigtes Ölgemälde als Geschenk erhalten. Die Ausstellung, die gut ins Kulturgut passt, ist sonntags, von 14 bis 17 Uhr, im Rahmen des Kulturcafés geöffnet.

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