Debatte über Wildtiere 

Wölfe sind in Achim in die Fotofalle getappt

Europäische Grauwölfe im Kreis, hier allerdings nur im Wolfscenter in Dörverden. - Foto: dpa

Achim - Von Celine Koch. Die Frage, ob Wölfe wirklich so böse wie zum Beispiel im Märchen sind, beschäftigt mittlerweile eine ganze Nation. Und auch Achim ist von der höchst emotionalen Wolfs-Debatte betroffen, weiß Dr. Horst Losch, Leiter des Hegerings Achim.

Hegeringleiter Dr. Horst Losch: Mobbing gegen Jäger.

Der Fischerhuder, der seit 40 Jahren in Besitz seines Jagdscheines ist, hat in Otterstedt ein Stück Wald, im Jägerjargon Jagd, gepachtet und bewirtschaftet diese.

Dass der Wolf, der im Januar dieses Jahres auf der A 1 in Uphusen, kurz vor dem Bremer Kreuz, angefahren worden ist und an der Unfallstelle verendete, ein Einzelfall in Achim war, sei so nicht zutreffend, berichtet er.

Denn das durch die europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien (FFH) streng geschützte Tier wird im Land Niedersachsen in einer engen Zusammenarbeit von Jägerschaft und Regierungsstellen über ein so genanntes Monitoring beobachtet.

Beim Monitoring werden die Wölfe mit Hilfe von Fotofallen erfasst und gezählt. Und eben diese Fotofallen haben auch schon Wölfe in Achim aufgezeichnet. Jedoch heißt das nicht, dass diese Tiere jetzt auch tatsächlich in Achim leben werden. Bis sich ein Rudel an einem Ort niederlässt, dauert es seine Zeit, und sein natürlicher Lebensraum ist groß. Größer, als es vielen bewusst sei, erklärt Frank Faß, Leiter des Wolf-Centers Dörverden, der selbst ein ausgebildeter Jäger ist.

Wolfscenter-Chef Frank Faß: Die Welt ist bunt. - Fotos: Koch

„Eine einzelne Jagd ist nur ein Mosaikstein des Lebensraumes eines Wolfsrudels“, sagt er. Mindestens 200 Quadratkilometer umfasst das Gebiet eines Wolfsrudels, was bis zu 80 Jagden ausmachen kann. Auf diesem Gebiet leben zumeist elf Wölfe.

Für Horst Losch gehören die Wölfe in der Natur dazu. Er unterstützt nicht die Meinung, dass wie früher Jagd auf die Tiere gemacht werden sollte. Trotzdem hat er die Befürchtung, dass die Tiere die hiesige Fauna zerstören könnten, sollten die Populationen weiterhin so exponentiell wachsen, wie sie es momentan tun.

Ein niederländisches Sprichwort sagt: „Barmherzigkeit gegen die Wölfe ist Unrecht gegen die Schafe.“ Wenn zum Beispiel im Zuständigkeitsbereich des Achimer Hegerings mehr und mehr Schalenwild wie Rehe oder Wildschweine gerissen würde, habe das natürlich auch Folgen für den Abchussplan in der Region, erklärt Faß. Schließlich sei es ja auch die Aufgabe der Jäger, zur Populations-Regulierung beizutragen. „Das ist aber erstmal Glas-Kugel-Guckerei“, stellt er fest.

Bei vielen Jägern ist trotz allem Verständnis für den Wolf der Ärger groß. Es beschleiche einen manchmal das Gefühl, dass durch die gesetzliche Lage und durch einige Naturschützer der Wolf mehr wert wäre als der Mensch, kritisiert Hegeringleiter Losch.

Bei Gefahr dürfe nicht geschossen werden, auch nicht, wenn das Tier angefahren wurde und leide. Dafür müsse erst einmal der Veterinär kommen, der das Tier einschläfert und es danach obduziert. Auch, um zu prüfen, ob man mehr für den Wolf hätte tun können.

Mobbing bis hin zu massiven verbalen Gewaltandrohungen gegenüber der Jägerschaft seien im Übrigen keine Seltenheit, wenn es um den Wolf gehe, berichtet der Jäger kopfschüttelnd. „Der Wolf wird zu hoch gelobt“, findet Losch, und darin sind sich sogar der Naturschutzbund (Nabu) und die Jägerschaft einig. Auch Kerstin Fröhling, Expertin für Wölfe beim Nabu Verden, stellt klar: „Wölfe sind keine Kuscheltiere.“ Allerdings sollte man sie auch nicht fürchten, denn in den 16 Jahren, in denen Wölfe nun wieder bei uns leben, sei bisher noch kein Kind, geschweige denn ein Erwachsener angefallen worden.

Viel wichtiger sei es, so Fröhling, mehr Geld in den Schutz der Bauern und Tierhalter zu investieren, denn eine Koexistenz von Mensch und Wolf sei möglich, es habe ja auch schon lange Zeit davor funktioniert. Genügend Aufklärung sei das A und O für ein künftiges und vor allem auch friedliches Zusammenleben, da ist sie sich sicher.

„ Das Leben ist bunt“, weiß der Chef des Wolfscenters. „Es gibt somit auch kein Schwarz-Weiß, wenn es um die Wölfe geht.“

Mehr zum Thema:

Uralt-Raffinerie gefährdet Curacaos Traumtourismus

Uralt-Raffinerie gefährdet Curacaos Traumtourismus

Trickdogging verbindet Hund und Halter

Trickdogging verbindet Hund und Halter

Kramermarkt kurz vor Eröffnung

Kramermarkt kurz vor Eröffnung

Tote und zahlreiche Verletzte bei Zugunglück nahe New York

Tote und zahlreiche Verletzte bei Zugunglück nahe New York

Meistgelesene Artikel

Mit ganz viel Tempo durch die Halle

Mit ganz viel Tempo durch die Halle

Brand einer Scheune in Holtum (Geest)

Brand einer Scheune in Holtum (Geest)

Eltern besuchen ihre Kita

Eltern besuchen ihre Kita

Alpenhorn rockt altehrwürdige Bühne

Alpenhorn rockt altehrwürdige Bühne

Kommentare