18 von 38 Ratsmitglidern verlassen den Rat

Verdiente Veteranen der Stadtpolitik verabschiedet

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Stadtrat ade!

Achim - Von Manfred Brodt. Herfried Meyer, langjähriges SPD-Ratsmitglied , hatte den Nagel auf den Kopf getroffen: „Eine solche Zäsur habe ich noch nicht erlebt. 18 von 38 Ratsmitgliedern gehen.“ Das war schon denkwürdig bei der letzten Sitzung des alten Rates am Donnerstagabend im Rathaus. Feierlich verabschiedet wurden auch -liebevoll gemeint- „Dinosaurier der Kommunalpolitik“, Menschen, die über Jahrzehnte das Stadtgeschehen mitgestaltet haben.

Von den Jahren her ist der 80-jährige Johann Ditzfeld aus Borstel der Spitzenreiter, der seit 1968, 48 Jahre lang, seine Freizeit für seine Mitbürger opferte. Der Borsteler Landwirt war über viele Jahre der personifizierte Feuerwehrausschuss und hat sich Achtung bei allen Fraktionen erworben. So hatte die SPD mit in Achim nicht selbstverständlicher Fairness einen ihr zustehenden Sitz im Verwaltungsausschuss der Stadt an die CDU, an Johann Ditzfeld, abgetreten, um die Gegenseite nicht zu majorisieren. 

Ditzfeld habe das in ihn gesetzte Vertrauen nie enttäuscht, bescheinigte ihm jetzt der SPD-Fraktionsvorsitzende Herfried Meyer. Obwohl Ditzfeld der Älteste im Rat war, benutzte er als einer der Ersten den ihm zur Verfügung gestellten Laptop.

Ehrenamtlich ist der Onkel von Bürgermeister Rainer Ditzfeld seit vielen Jahren auch als Schiedsmann tätig und hat so manche Nachbarschaftsstreitigkeit geschlichtet und nicht vor Gericht kommen lassen.

Auf stolze 44 Jahre Ratszugehörigkeit kommt der Uphuser Hans-Jürgen Wächter, der auch 42 Jahre im zweithöchsten städtischen Gremium, dem Verwaltungsausschuss saß, über 40 Jahre Ortsausschussvorsitzender in Uphusen, eine Wahlperiode Landrat des Kreises war, beim Versuch, hauptamtlicher Bürgermeister in Achim zu werden, 2006 an Uwe Kellner scheiterte, um dann statt dessen als Ratsvorsitzender zu fungieren und dieses Amt mit großer Souveranität und Fairness auszuüben. Dass er verschiedenen Ausschüssen von der Aller-Weser-Klinik bis zur Kreissparkasse angehörte, versteht sich.

Ebenfalls seit der Gebietsreform im Jahre 1972 war Christian Petritzki (CDU) dabei, der als Vertriebener nach Achim gekomen war und inzwischen „Mr. Baden“ geworden ist. Legendär der Spruch des oft pathetischen und zu leichten Übertreibungen neigenden Christian Petritzki, der Baden als die „Perle Niedersachsens“ bezeichnete. Als Ortsausschussvorsitzender in Baden, Vorsitzender des Bauunterhaltungsausschusses oder auch im Sozialbereich war er stets eine wichtige Stimme.

Das kann man auch für seinen Parteifreund Erwin Dirk aus Uesen sagen, der zumindest in jüngeren Jahren mit seiner direkten Art und unkonventionellen Zwischenrufen schon einmal für Turbulenzen gesorgt hatte. Bei allen Emotionen war er aber stets - von der Trinkwasserversorgung bis zur Stadtentwicklung - engagiert an der Sache orientiert und eine ehrliche Haut. CDU-Chef Rüdiger Dürr wusste sogar,. „Es gibt nicht nur einen Rudi Völler. Es gibt auch nur einen Erwin Dirk.“

Jeweils Silberjubiläum feierten die Fraktionsvorsitzenden der beiden großen Parteien, die auch dem neuen Rat angehören. Herfried Meyer führt unangefochten die SPD, kniet sich mit Detailbesessenheit und Kompetenz in die Stadtpolitik, ist jetzt Ortsausschussvorsitzender in Uphusen und nimmt das Ehrenamt auch als Vorsitzender und Fahrer des Bürgerbus-Vereins sehr ernst.

Karl-Heinz Lichter (CDU) versteht sich mit seinem sozialdemokratischen Gegenüber auch bei manchen Kungelkontakten gut, war lange im entsprechenden Ausschuss der Herr der Finanzen, mag es überhauot nicht, wenn es unkorrekt zugeht, und hat mit Baden und den Stadtwerken zwei von vielen Betätigungsfeldern. Über die Wählergemeinschaft Achim hatte er zur CDU gefunden.

Ulrich Mahner vom Präsidium des Deutschen Städtetages hatte die „Veteranen“ gewürdigt und unterstrichen, dass solche Feierabendpolitiker ständig im Dienst seien, nicht nur die Abende opferten, sondern auch beim Bäcker, im Supermarkt oder auf der Straße von ihren Mitbürgern als Politiker angesprochen werden könnten. Mittlerweile hätten sich leider auch Beleidigungen eingebürgert.

Diese Ehrenamtlichen in- und außerhalb des Rates verbesserten den Alltag nicht nur bei der Flüchtlingshilfe schnell und wirksam, nicht die Politik in Berlin.

Der Funktionär des Städte-tages war übrigens von den Ortsausschüssen in Achim überrascht, die ein bei der Bildung der neuen Stadt Achim 1972 eingeführtes Instrument der Bürgerbeteiligung und einzigartig in Niedersachsen sind.

Ausgeschieden aus dem Rat sind nun auch Lars Gagelmann (WGA), Isabell Gottschewsky, Klaus Mindermann, Jürgen Stiedick (alle CDU), Günther Krebs (FDP), Helmut Masemann, Esat Ünal, Uwe Tesch, Walter Rau (alle SPD), Joachim Schweers, Gabriele Sommer, Boris Bertelmann (alle Grüne) und die Unabhängige Tiina Böse.

Eigentlich sollte auch Bernd Anders (CDU) verabschiedet werden, doch da die Gewählten Gabriele und Heiko Krokowski aus Baden ihren Wohnort wechseln müssen und deshalb ihre Ratsmandate nicht annehmen können, bleibt Anders aber dem Rat erhalten. Als zweiter Nachrücker wird Hans-Michael Paulat in den neuen Rat einziehen.

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