46-Jähriger erhält 18-monatige Haftstrafe

Unvermittelt mit der Axt attackiert

Achim/Oyten - Von Lisa Duncan. Angeblich um seine Familie zu schützen, hieb ein 46-jähriger Oytener am 29. Juli 2014 mit einer Axt auf einen Mann ein und traf ihn dabei einmal mit der scharfen Seite der Klinge am Kopf und einmal mit dem stumpfen Ende am Bein. Die Axthiebe hinterließen bei dem damals ebenfalls in Oyten lebenden Opfer zunächst eine stark blutende Kopfverletzung und zwei Knochenbrüche am Schien- und Wadenbein.

Heute ist er arbeitsunfähig und fühlt an dem Bein, das mittels Draht stabilisiert ist, von Zeit zu Zeit immer noch starke Schmerzen. „Gefährliche Körperverletzung“ lautete nun die entsprechende Anklage im Schöffengerichtsprozess in Achim, bei dem der Geschädigte auch als Nebenkläger in Erscheinung trat.

Der durch den Vorfall sichtlich körperlich und seelisch gezeichnete Mann, ein Handwerker polnischer Herkunft, hatte zuvor in wochenlangem Einsatz Renovierungsarbeiten (Stuck- und Fliesenarbeiten) am Haus des Oyteners übernommen, wofür sein Auftraggeber ihn aber nicht vollständig ausgezahlt haben soll. So rief er seinen ehemaligen Chef an, um sich vor dem Haus zwecks Auszahlung zu treffen – nach Aussage des Angeklagten verbunden mit der Drohung, er werde seiner Familie etwas antun, wenn dieser nicht zahle.

Angeklagter äußert sich nicht

Der Angeklagte, der im Laufe des Prozesses immer wieder sein Gesicht in den Händen vergrub, äußerte sich nicht selbst zu den Vorwürfen. Einer der beiden Strafverteidiger, die den Mann auf der Anklagebank flankierten, sagte, der Angeklagte sei zuvor durch nächtliche Anrufe terrorisiert worden und habe von dem Nebenkläger schon Prügel eingesteckt, bevor er sich entschlossen habe, mit der Axt zurückzuschlagen.

Sowohl Stimme als auch Blick gesenkt, gab der Geschädigte im Zeugenstand nur lückenhaft wieder, woran er sich noch erinnerte. Vor dem völlig unvermittelten Axt-Angriff habe er nicht auf den Angeklagten eingeschlagen, sondern lediglich später versucht, die Attacke mit den Händen abzuwehren. Er betonte immer wieder, dass er den Vorfall lieber vergessen wolle.

Der Angeklagte hatte zu seinem Haus einen 42-jährigen Bekannten im Auto mitgenommen. Dieser sagte aus, er sei auch überrascht gewesen als der Angeklagte plötzlich mit einer Axt in den Händen aus dem Haus kam. „Ich bring’ dich um“, soll er dabei gerufen haben. Nachdem er den Handwerker mit dem zweiten Axthieb zu Boden gestreckt hatte, habe er sofort Polizei und Krankenwagen gerufen. Der 42-jährige Mann, den der Angeklagte im Auto mitgenommen hatte, gab an, so unter Schock gestanden zu haben, dass er bei der Handgreiflichkeit nicht dazwischengehen, geschweige denn die Polizei alarmieren konnte.

„Das ist keine Notwehr, das ist Selbstjustiz“

Richter Andreas Minge sah, wie auch der Staatsanwalt, den Tatworwurf bestätigt und verurteilte den Angeklagten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten – und zwar ohne Bewährung. Der Staatsanwalt hatte mit zwei Jahren und drei Monaten für deutlich mehr plädiert, der Verteidiger wollte eine Bewährungsstrafe.

„Das ist keine Notwehr, das ist Selbstjustiz“, so der vorsitzende Richter. Dies sei unabhängig davon zu sehen, ob es vorher zum Handgemenge gekommen war – was sich anhand der Zeugenaussagen „nicht feststellen, aber auch nicht ausschließen“ ließe. Doch spätestens an dem Punkt, als er noch ein zweites Mal mit der Axt zuschlug, könne man unterstellen, dass er tatsächlich beabsichtigte, sein Gegenüber zu verletzen. Um die Urteilsvollstreckung auf Bewährung auszusetzen, müssten wegen der Höhe der Strafe schon besondere Umstände vorliegen. Dass der Angeklagte bisher nicht strafrechtlich aufgefallen war, könne hier auch nicht strafmildernd gewertet werden.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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