Stadt zu Investitionszuschuss bereit / Steigende Fallzahlen und Erlöse

Achims Hoffnungen ruhen auf neuer Geriatrie-Station

Kranke, alte Menschen brauchen besondere Zuwendung und Behandlung. Das soll die geplante Geriatrie-Station im Achimer Krankenhaus bieten.
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Kranke, alte Menschen brauchen besondere Zuwendung und Behandlung. Das soll die geplante Geriatrie-Station im Achimer Krankenhaus bieten.

Achim - Von Manfred Brodt. Eine neue Geriatrie-Station soll die Zukunft des Achimer Krankenhauses sichern, zumindest bis ins nächste Jahrzehnt hinein. Die Stadt Achim wird bereit sein, die Hälfte der Investitionskosten dafür von 3,25 Millionen Euro zu tragen. Das empfiehlt der Achimer Ratsausschuss für Organisation, Finanzen und Personal nach langer Erörterung am Montag einstimmig.

Klinik-Geschäftsführerin Marianne Baehr und Ebba Ziegler, Chefärztin der Internen und Geriatrie, hatten umfassend in das Thema eingeführt.

Die Klinik-Geschäftsführerin berichtete, als 2011/12 Heerscharen von Beratern sich mit der drohenden Insolvenz der Klinik beschäftigt hätten, sei die Geriatrie, also die Prävention, Akutbehandlung und Rehabilitation alter Menschen und alterstypischer Erkrankungen, als Ausweg gesehen worden. Krankenhäuser in Achim und in Verden nur mit den regulären Stationen – wie zum Beispiel Chirurgie und Interne – seien als nicht wettbewerbsfähig erachtet worden.

So hat die Aller-Weser-Klinik darauf geachtet, dass diese Stationen nicht zweimal im Kreis vorgehalten werden und dass jede der Kliniken Alleinstellungsmerkmale besitzt. Ein solches Alleinstellungsmerkmal für Achim soll die Geriatrie werden.

Schon 2013 Start

mit „Geriatrie light“

So begann man in Achim schon 2013, indem man Zimmer und Betten von der Internen abzwackte, mit einer „Geriatrie light“. Sie hat zwölf Betten und bis zu 30 Patienten im Monat.

Marianne Baehr zeigte Erfolge dieses Kurses auf. So sind in Achim von 2013 bis 2015 die Fallzahlen um 1000 auf 6334 gestiegen, gegenüber einem Anstieg von knapp 100 auf 7522 in Verden. In der Inneren Medizin sind die behandelten Fälle in diesem Zeitraum um fast 700 auf 2964 und die Erlöse um 50 Prozent auf 7,58 Millionen Euro angestiegen. Die Geriatrie mit zwei Millionen Euro hat daran einen Anteil von zwei Millionen Euro.

Die Zahl de ambulanten Behandlungen ist in Achim um mehr als 1000 auf 15 704 gestiegen und liegt damit um mehr als 3000 Fällen über Verden. Folge der auch betriebenen Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung durch die Ansiedlung von Fachärzten an der Klinik.

Aber auch die Notfallambulanz schlägt sich da nieder, die die Behandlungsfälle um 1240 auf 5453 anwachsen ließ.

Nachdem die Krankenkassen auf Landesebene ihre Forderung fallen ließen, für ein neues Bettenhaus in Verden von 30 Millionen Euro das Achimer Krankenhaus zu schließen, geht man nun in Achim an den Ausbau der Geriatrie mit 42 Betten in großen Einzel- und Doppelzimmern mit Dusche und WC, die Platz auch für Rollstuhl und Rollator bieten, mit Therapie- und Mobilisierungsangeboten.

Chefärztin Ebba Ziegler stellte klar, dass es sich nicht um eine Altenpflegeeinrichtung mit medizinischer Betreuung handele. Voraussetzung ist, dass der alte Mensch akut erkrankt ist und einer Krankenhausbehandlung bedarf. Sie unterteilt die Patienten in die Gruppen Akutfälle, Kurzlieger und Palliativpatienten. Behandlung von Demenz und Depression, individuelle menschliche Zuwendung und Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld gehören zu dem Aufgabenfeld.,

Medizinisch gesehen liegen die alten Menschen im Krankenhaus, weil je ein Viertel einen Schlaganfall, eine Schenkelhalsfraktur, Erkrankungen der Lunge und anderer Atmungsorgane hat beziehungsweise an einem Infarkt oder Rhythmusstörungen des Herzens leidet.

Der Bedarf für eine solche Station sei vorhanden, auch wenn die Klinik Bremen-Ost den gleichen Schwerpunkt wählt. Schließlich wird die Zahl der alten und behandlungsbedürftigen Menschen noch steigen.

Den Ausschuss überzeugten die Vorträge restlos, so dass er auch nach einem flammenden Appell von Bürgermeister Rainer Ditzfeld dem 50-prozentigen Investitionszuschuss von 1,62 Millionen Euro zustimmte. Von der Stadt Verden wird gleiches für den auf vier bis fünf Millionen Euro geschätzten Eigenanteil am neuen Bettenhaus erwartet.

Die Stadt Achim stellt allerdings klar, dass das eine einmalige Beteiligung an Investitionen und kein „Freifahrtschein“ für künftige Fälle sei, wie 1. Stadtrat Bernd Kettenburg es ausdrückte.

Andererseits hat der Aufsichtsrat der Aller- Weser-Klinik beschlossen, dass bei künftigen Investitionen der Kreis sowie die Städte Achim oder Verden jeweils die Hälfte nach Abzug der Zuschüsse tragen sollen.

1. Stadtrat Bernd Kettenburg, selbst Mitglied im Aufsichtsrat wie auch der Ratsvorsitzende Hans-Jürgen Wächter, hatte sich dabei im Klinik-Aufsichtsrat enthalten und stellte jetzt klar: „Der Aufsichtsrat kann ja viel beschließen. Ob wir bezahlen, entscheiden wir selbst.“

Nach der öffentlichen Sitzung nahm der Ausschuss den detaillierten Geschäftsbericht der Klinik-Geschäftsführerin zur Kenntnis. Das machte er lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. An den jährlichen dicken Millionenverlusten der Klinik hat sich trotz aller Bemühungen noch nichts geändert.

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