„Das Sommermärchen 2006 wurde nicht gekauft“

DFB-Präsident spricht in Achim über die Bedeutung des Fußballs

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Im Beisein von Bürgermeister Rainer Ditzfeld trug sich DFB-Präsident Reinhard Grindel zunächst ins goldene Buch der Stadt ein.

Achim - „Ich wäre heute Abend eigentlich schon in San Marino bei der Nationalmannschaft“, begann Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Mittwochabend in der Hünenburg seinen Vortrag. Doch den Termin in Achim habe er nicht platzen lassen wollen, nun fliege er der Löw-Truppe eben hinterher. Zwischen den Länderspielen gegen den Zwergstaat und Italien genieße die DFB-Delegation am Montag noch die besondere Ehre, vom Papst empfangen zu werden, berichtete Grindel.

Aufmerksam verfolgten die Mitglieder des Vereins Haus Hünenburg im proppevollen Saal, was der prominente Gast zu sagen hatte. Würde er sich auch die eine oder andere Aussage zur skandalumwitterten Vergabe der WM 2006 an Deutschland entlocken lassen? „Die Bedeutung des Fußballs für unsere Gesellschaft“ lautete das Thema des hohen Funktionärs für diesen besonderen Clubabend des Vereins, dem vor allem Führungskräfte aus der Wirtschaft, Bankchefs und Anwälte angehören.

Der frühere Fernsehjournalist Grindel bot ihnen einen gekonnten Mix aus Information und Unterhaltung. Rhetorisch perfekt und eloquent legte er dar, warum die Kickerzunft hierzulande den Olymp bestiegen hat.

Fußball schweißt Nation zusammen 

Fußball sei Teil der nationalen Identität, sagte Grindel. Der WM-Triumph 1954 gelte für viele als eigentliches Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland. Denn der Sieg der Herberger-Elf gegen den hohen Favoriten Ungarn habe das Kriegstrauma einer ganzen Generation beiseite geschoben und der Bevölkerung zu Selbstbewusstsein verholfen.

Inzwischen hat sich vieles geändert. Längst sei Fußball in Deutschland auch zu einem Wirtschaftsfaktor, Jobmotor und bedeutenden Steuerzahler geworden.

Reinhard Grindel beim Vortrag in der Hünenburg. - Foto: Mix

Spitzensport funktioniere allerdings nicht ohne Betreuer, die Talente in den Amateurvereinen entdecken und fördern, betonte der frühere Vorsitzende des Rotenburger SV. Aktuell gelte es, auch und gerade Kinder mit Migrationshintergrund zu integrieren. Der Fußball, verkündete Grindel vollmundig, setze der Individualisierung in der Gesellschaft das Miteinander entgegen – „sind die eigentlichen sozialen Netzwerke nicht unsere Vereine?“

Dem Mittelstand komme dabei eine wichtige Rolle zu. „Es würde mich sehr freuen, wenn Sie das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen unterstützen würden“, appellierte der Präsident an die Wirtschaftsführer, Mitarbeitern den nötigen Freiraum dafür zu geben.

Der Fußball sei wie kaum ein anderer Bereich in der Gesellschaft geeignet, über soziale Grenzen hinweg Lagerfeuer-Charakter zu entfachen, lautete ein weiteres Credo von Grindel. „Vor diesem Hintergrund relativieren sich vielleicht die vielfach kritisierten hohen Ablösesummen und Gehälter.“ Ein Mesut Özil zum Beispiel verdiene nicht nur deshalb eine Menge Geld, weil er ein hervorragender Spieler sei, sondern auch, weil er 37 Millionen Fans bei Facebook habe.

Wie gelang Karriere?

Günter Treichel, Vorsitzender des Vereins Haus Hünenburg, eröffnete dann die Fragerunde. „Wie haben Sie den Sprung nach ganz oben geschafft?“, wollte er von Grindel wissen. Sein Jura-Studium, die Karriere als ZDF-Korrespondent in Berlin und Brüssel sowie die Tätigkeit als CDU-Bundestagsabgeordneter bezeichnete der überraschend zum DFB-Präsidenten aufgestiegene 55-Jährige aus Rotenburg/Wümme als „eine gute Basis, komplizierte Sachverhalte schnell auf das Wesentliche zu reduzieren“.

Schließlich fragte jemand nach der „WM-Affäre 2006“. „Ich nehme für den DFB in Anspruch, dass das, was aufzuklären war, aufgeklärt wurde“, antwortete Grindel. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das Sommermärchen nicht gekauft wurde.“ Diesem Statement ließ der DFB-Präsident noch einige Begründungen folgen. Aus dem Saal gab es darauf eine unerwartete Antwort, eine Computerstimme tönte: „Das habe ich leider nicht verstanden.“ Worauf Riesengelächter im Raum ausbrach. - mm

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