Prozess vor Amtsgericht

Schreck nach der Beerdigung und an Heiligabend

Opfern gehen Einbrüche auch zwei Jahre später noch nahe.

Achim - Der Justiz wird ja oft der Vorwurf gemacht, nur die Täter und nicht die Opfer im Blick zu haben. Bei einem Prozess vor dem Achimer Amtsgericht kann man das bis jetzt allerdings nicht sagen. Es geht um zwei Einbrüche in Wohnungen an und um Weihnachten vor zwei Jahren

Groß war der Schreck bei einem älteren Ehepaar aus Uphusen. Am frühen Nachmittag des 24. Dezember hatten sie ihre Wohnung verlassen, um mit ihren Kindern und Enkelkindern Weihnachten zu feiern. Als sie am Heiligabend wieder zurückkehrten, wunderte sich die 65-Jährige zunächst, dass Licht im Haus brannte. Kaum hatte sie ihren Mann gefragt, ob er das angemacht hätte, polterte es schon im Eigenheim. Im Flur sahen sie zwei Gestalten an sich vorbeirasen und durch das Küchenfenster türmen. Schmuck als Beute hatten sie in einem Kissenbezug.

Während der heute 68-jährige Hausbewohner schnell 11o wählte, nahm seine mutige Frau die Verfolgung auf, rief nach Nachbarn und sah, wie die Zwei in einen roten Audi sprangen und Vollgas gaben. Wäre die Uphuserin nicht in letzter Sekunde zur Seite gesprungen, wäre sie vielleicht umgefahren worden.

Die Polizei hatte schnell die Verfolgung aufgenommen und den Wagen samt Insassen an der Raststätte Grundbergsee gestellt. Auch hier versuchten die Zwei, sofort zu flüchten. Während ein Polizist die Verfolgung durch den Wald aufnahm und den Fahrer festnehmen konnte, war es dem Beifahrer gelungen, zu entwischen.

Einbrecher an Trauertagen über Terrasse eingedrungen

Das verfolgte Duo war wohl nicht nur in Uphusen eingebrochen. Als ein um seine Mutter Trauernder zwei Tage nach der Beerdigung seiner Mutter am zweiten Weihnachtsfeiertag in ihrer Achimer Wohnung sich einen Überblick verschaffen wollte, stellte er erschrocken fest, dass an den Trauertagen Einbrecher über die Terrasse eingedrungen waren und auch Familienschmuck gestohlen hatten.

In beiden Fällen haben die Versicherungen den Wert des nicht wiedergefundenen Diebesguts und die Sachschäden finanziell ersetzt, aber der seelische Schaden der Opfer ist nicht mit Geld zu begleichen und so schnell zu beseitigen..

Insbesondere die heute 65-jährige Uphuserin berichtete dem Gericht, dass sie der Vorfall von vor fast zwei Jahren noch heute beunruhige. „Man fühlt sich nicht sicher. Man mag kaum das Haus verlassen. Besonders in der dunklen Zeit guckt man erst, wenn man ins Haus kommt, ob da jemand ist. Dieses gefühl, dass so leicht was passieren kann.“

Ihr heute 68-jähriger Ehemann meint, den Vorfall besser verarbeitet zu haben. Auch für ihn ist allerdings die Weihnachtszeit nach wie vor eine schwere Zeit, weil zudem noch ein privater Schicksalsschlag zu diesem Datum hinzugekommen war.

Wer ist der zweite Mann gewesen?

Die Täter, meinen Polizei und Staatsanwaltschaft, gefunden zu haben. Der festgenommene Fahrer zeigte sich vor dem Amtsgericht auch geständig. 40 Jahre alt, aus Montenegro geflohen, weil er da alles verloren habe, Vater von zehn Kindern und mit Hartz IV lebend. Er habe aber nur Schmiere gestanden und nicht selbst zugegriffen, schränkte er ein.

Sein Beifahrer und Komplize sei aber nicht der zweite Angeklagte gewesen, der ein entfernter Verwandter von ihm ist, da ihre Väter Cousins waren. Komplize sei vielmehr ein von ihm genannter Rumäne in Hamburg gewesen, der und dessen Name in der Hansestadt aber nicht zu finden ist. In einem im Tatauto auf der Beifahrerseite gefundenen Handschuh waren allerdings DNA-Spuren des zweiten Angeklagten zu finden und Lichtbildvorlagen bestätigten auch den Tatverdacht gegen ihn. Auch der bei der Festnahme aktive Polizist erkannte relativ sicher ihn als den Beifahrer. Der zweite Angeklagte, 46 Jahre alt, vierfacher Vater und Sozialhilfeempfänger, hatte schon einmal unter anderem Namen einen Asylantrag gestellt.

Sein Verteidiger allerdings meinte, in dem Handschuh seien nur DNA-Mischspuren, auch Spuren anderer Personen gewesen. Außerdem versuchte er immer wieder, die Art und den Wert der Lichtbildvorlage, neun Gesichtsfotos von südosteuropäischen Männern eines bestimmten Alters, in Zweifel zu ziehen.

Amtsrichter Andreas Minge will nun den Verkäufer des erst kurz vorher gekauften Tatwagens hören, wer damals den Käufer begleitet hatte. War es der entfernte Verwandte aus Montenegro oder der unbekannte Rumäne? Diese Frage hatten nämlich Polizei und Staatsanwaltschaft versäumt, zu klären. 

mb

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