Flüchtlinge und Helfer in Embsen feiern Sommerfest

Sie schaffen das

Für alle ein Büfett im Embser Dorfgemeinschaftshaus mit Köstlichkeiten aus Herkunftsländern der Flüchtlinge. - Fotos: Hemmen

Embsen - 2016 wurden im Dorfgemeinschaftshaus in Embsen Flüchtlinge betreut, die überwiegend in der benachbarten Sporthalle einquartiert waren. Erzieherin Susanne Hügen, Briefträgerin Imke Hess und Nicole Hesse („unsere Gutsortierte Kleiderkammer“ so Susanne Hügen) waren in dieser Zeit Ansprechpartner und Begleiter für die Flüchtlinge. Jeden Donnerstag von 16 bis 17.30 Uhr trafen sie sich, redeten und spielten gemeinsam, hörten zu, gaben Tipps und hatten Spaß zusammen. So lernten sie sich kennen und wurden Freunde.

Natürlich gab es am Anfang Schwierigkeiten. „Aber wir haben versucht, den Menschen deutlich zu machen, dass sie jetzt in und mit der Dorfgemeinschaft Embsen leben und dort willkommen sind. Das ist uns“, und damit meint Susanne Hügen sowohl die Flüchtlinge als auch die Dorfgemeinschaft, „ziemlich gut gelungen“.

Als das Trio kürzlich eine Einladung zum Sommerfest im Dorfsgemeinschaftshaus an die betreuten Flüchtlinge verschickte, war die Resonanz groß. Mit leckeren Speisen aus den unterschiedlichsten Regionen kamen sie nach Embsen und bauten ein buntes Büfett auf. Mit Musik aus dem Iran und Afghanistan, vielen Gesprächen und gemeinsam spielenden Kindern fand das erste Sommerfestan diesem Samstag im Dorfgemeinschaftshaus statt.

Aber nicht nur zum Feiern kommen die Flüchtlinge nach Embsen, kann Imke Hess berichten. „Regelmäßig werden wir auch heute noch angesprochen wenn es Probleme gibt. Meistens sind es die Formalitäten die Sorge bereiten, aber auch für eine Einladung zu einem Familienfest kommen sie persönlich vorbei.“ Ein sehr persönliches Verhältnis, dassnach dem Prinzip Geben und Nehmen hier praktisch gelebt werde, ergänzt Susanne Hügen.

Auch von einer Familie mit neun Kindern,die in türkischer Gefangenschaft übelste Behandelung erfahren hatte und traumatisiert in Embsen ankam berichtet Susanne Hügen. Die Kinder haben überhaupt nicht gesprochen. Erst durch das Handballspielen beim TV Baden begannen die Kinder nach und nach zu sprechen. Heute sind diese Kinder offen, pflegen soziale Kontakte und sind auch in der Schule gut, so Hügen weiter.

Alle betreuten Flüchtlinge haben einen Praktikumsplatz oder besuchen eine Schule und haben eine Duldung für ein Jahr. Danach muss in einem neuen Verfahren anhand der dann vorhandenen Situation, erneut entschieden werden.

Malike, Yosuf, Zeinab und Morad Kare aus Afghanistan. Der gelernte Tischler wünscht sich einen Arbeitsplatz, wo er seine beruflichen Fähigkeiten einbringen kann.

Samaneh Mohammadi und Mohammed Haschime erzählen wie sie am Anfang Deutsch im Dorfgemeinschaftshaus mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern gelernt haben. Später haben sie im Bürgerzentrum in der Magdeburger Straße weiter Deutsch gelernt. Samaneh ist stolz darauf, im Achimer Krankenhaus in der Essensausgabe zu arbeiten. Wegen ihrer im Iran gemachten Sanitätsausbildung darf sie auch Blutzucker messen und Insulin den Patienten spritzen. Sie besucht wieder die Schule und möchte gerne studieren und in einem medizinischen Beruf arbeiten. Ihr Mann Mohammed ist gelernter Maler mit Berufserfahrung und wünscht sich, dass er in seinem Beruf einen Arbeitsplatz bekommt. Gemeinsam mit dem dreijährigen Merschad fühlen sie sich in Achim, aber vor allem in Embsen, gut aufgehoben und betonen immer wieder die Hilfe die sie auch heute noch bekommen.

Golagha Mirzaie, Sahar, Masumeh und Fatemeh GHaforie kamen aus dem Iran. Der Tischler und Zimmermann wünscht sich einen Arbeitsplatz, um die Familie versorgen zu können. Sie träumt von den Berufen Lehrerin und Ärztin.

Auch für Fatemeh GHaforie und Golagha Mirzaie mit ihren drei Kinder Sahar (11), Masumeh (7) und Amirali (2), die in Uesen eine Bleibe gefunden haben, ist das Dorfgemeinschaftshaus in Embsen ein Anlaufpunkt, wo sie gerne hinkommen. Fatemeh macht zurzeit ein Praktikum an der Grundschule am Paulsberg. Sie hat im Iran ihr Abitur gemacht und möchte in Deutschland gerne das Studium für das Lehramt aufnehmen. Ihr Traum ist es, später vielleicht Ärztin zu werden. Ihr Mann Golagha, der in Afghanistan eine Ausbildung als Zimmermann abgeschlossen und auch Berufserfahrung gesammelt hat, macht ein Praktikum als Tischler. Seinen Wunsch ist, als Zimmermann oder Tischler einen Arbeitsplatz zu finden, um die Familie versorgen zu können. Ebenfalls ein Praktikum als Tischler macht Morad Kare, der mit Ehefrau Malike und den beiden Kindern Yosuf (4) und Zeinab (2) in Achim wohnt. Seinen Beruf hat er in Afghanistan erlernt und wünscht sich ebenfalls einen Arbeitsplatz, wo er seine beruflichen Fähigkeiten einbringen kann. Die Situation ist schwierig und eine Zukunftsperspektive hat sich bis jetzt nicht ergeben, so Morad Kare.

Aber, um einen bekannten Spruch abzuwandeln: Flüchtlinge und Helfer haben schon viel geschafft.

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