Reinbeks Bürgermeister und Rowohlt-Chef zur Bewältigung der Flüchtlingskrise

Unbürokratisch, hilfsbereit und norddeutsch cool

Rowohlt-Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff, Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer und Buchhändler Veit Hoffmann beim Gespräch über die Bewältigung der Flüchtlingskrise.
+
Rowohlt-Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff, Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer und Buchhändler Veit Hoffmann beim Gespräch über die Bewältigung der Flüchtlingskrise.

Achim - Von Bernd Hägermann. Das Buch der NDR-Journalistin Anja Reschke bietet eine Zustandsbeschreibung der gegenwärtigen Flüchtlingssituation und einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Beim Titel „Und das ist erst der Anfang - Deutschland und die Flüchtlinge“ mögen manche besorgte Gemüter einen bedrohlichen Unterton erkennen. Der Buchtitel war am Donnerstagabend Anlass und Grundlage für eine Diskussion in der Achimer Buchhandlung Hoffmann.

Als Diskutanten eingeladen waren der Bürgermeister der Stadt Reinbek, Björn Warmer, sowie der kaufmännische Geschäftsführer des Rowohlt-Verlages, Peter Kraus vom Cleff. Der Rowohlt-Verlag hat seinen Unternehmenssitz in Reinbek, nahe Hamburg. Moderiert wurde die Veranstaltung, die mit rund 25 Zuhörern nur mäßig besucht war, von Veit Hoffmann.

Die Städte Reinbek und Achim sind vergleichbar. Beide liegen am Rande von Großstädten, beide haben ähnlich viele Einwohner. Beide Bürgermeister, Achims Rainer Ditzfeld saß im Publikum, sind erst seit Ende 2014 im Amt und werden 2015 gewiss als außergewöhnlich ereignisreich in Erinnerung behalten.

Björn Warmer sagte: „Uns hat die Entwicklung der Flüchtlingssituation überrascht.“ Aber auch zu pragmatischen Lösungen veranlasst.

Im schleswig-holsteinischen Reinbek beispielsweise wurde kurzerhand das Zimmer einer Stadtratsfraktion umfunktioniert, um dort Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen waren, einzuquartieren. In diesem Zusammenhang sprach Warmer von „schnellen und konkreten Initiativen“, von Richtungsvorgaben für Helfer („Wir vom Rathaus steuern nur so viel, wie notwendig ist“), und von der norddeutsch-coolen Art, Normalität zu suggerieren, selbst dann noch, als „uns der Hintern auf Grundeis ging“.

Veit Hoffmann wandte ein: „Klingt nach: Die Bürger schaffen das schon.“ Björn Warmer relativierte: „Es ist eine Gemeinschaftsleistung mit sehr viel Eigeninitiative.“ Er lobte die vielen freiwilligen Helfer, aber auch die Flexibilität seiner Verwaltung, die diese in den letzten Monaten in einem ganz neuen Licht habe erscheinen lassen. Und er fügte hinzu: „Wir haben seitens der Stadt von Beginn an über alles absolut offen informiert.“

Von den rund 400 Flüchtlingen in Reinbek ist fast die Hälfte in Mietwohnungen untergebracht. Der soziale Wohnungsbau, lange vernachlässigt, und die Stadtentwicklung, so Warmer, seien plötzlich zu dringlichen Themen geworden. Natürlich gebe es auch in Reinbek Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen. Deswegen sei eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit umso wichtiger: „Flüchtlinge werden nicht bevorzugt behandelt.“

Der Abend in der Buchhandlung war nicht nur Diskussion, sondern deutliche Werbung für das Buch von Anja Reschke. Rowohlt-Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff („Das Gros der Menschen kommt aus nackter Not hierher“) sagte: „Das Buch ist für uns ein nachbarschaftliches Projekt.“ Von jedem verkauften Exemplar erhält die Reinbeker Flüchtlingshilfe einen Euro.

Mehr zum Thema:

Bassum jubelt titelverdächtig

Bassum jubelt titelverdächtig

Kleine Autos für die großen Metropolen

Kleine Autos für die großen Metropolen

Wie werde ich..? Veranstaltungstechniker/in

Wie werde ich..? Veranstaltungstechniker/in

Grüne Möbel im Trend: Die Farbe der Natur fürs Wohnzimmer

Grüne Möbel im Trend: Die Farbe der Natur fürs Wohnzimmer

Meistgelesene Artikel

Die Kreissparkasse am Kreisel

Die Kreissparkasse am Kreisel

Auf die Gegenfahrbahn

Auf die Gegenfahrbahn

13.000 Tonnen Bauschutt fallen bei Abriss an

13.000 Tonnen Bauschutt fallen bei Abriss an

Kommentare