Nord-Zentrum der St. Laurentius-Kirchengemeinde feiert Abschiedsgottesdienst

Neue Gemeinde – Gott bleibt

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Marina Kortjohann hatte alle Gottesdienstteilnehmer aufgefordert, auf einer vergrößerten Zeichnung des GZN-Gebäudes von Klaus Willenbrock Zettel mit bedeutsamen Erinnerungen zu beschriften und anzuheften.Abschied GZN 1

Achim - Von Ingo Schmidt. Die evangelische St. Laurentius-Kirchengemeinde Achim übergibt ihre Räume im Gemeindezentrum Nord an der Magdeburger Straße an die Antiochenische orthodoxe Gemeinde des heiligen Ignatius von Antiochien. Pastorin Marina Kortjohann hatte daher am gestrigen Sonntag zu einem Abschiedsgottesdienst mit anschließendem Festprogramm, Suppenbuffet und Kaffeetafel am Nachmittag geladen.

Die Räume waren fast zu klein für die vielen Gemeindeglieder und Gäste. Sie feierten die Messe, verfolgten Festreden und Danksagungen. Danach folgten Steh-Café und ein buntes Programm mit Konzert der Turmbläser sowie Chorgesang. Für die Kleinsten hatten Konfirmanden eine Kinderbetreuung eingerichtet. Zum Mittag erwartete Besucher ein Suppenbuffet. Am Nachmittag gab es Kaffee und Kuchen. Auf der Großbildleinwand lief eine Dia-Show mit über 100 Fotos über Ereignisse der vergangenen 37 Jahre im Gemeindezentrum Nord (GZN).

Marina Kortjohann nutzte die Messe für einen Rückblick auf die Geschichte des GZN seit der Grundsteinlegung 1978. In Anekdoten erinnerte sie an all die Menschen, welche die Räume mit Leben erfüllten. Sie berichtete von Übernachtungen, Kirchenasyl und übergangsweiser Nutzung als Kindergarten. Mit Improvisation sei vieles möglich geworden. „Das Leben hat uns gelehrt, dass es nach Traurigkeit wieder schön werden kann und die Freude überwiegt“.

Anschließend dankte sie Organistin Inge Hess sowie Klaus Mindermann, Friedrich Martin, Helmut Willenbrock, Sabine Busch und Helga Mindermann für Dienste im und am Gemeindezentrum. Helga Mindermann erinnerte an die Nutzung durch die Senioren- und Frauenkreise, den Brotverkauf für Bedürftige und Kirchenvorstandssitzungen oft bis Mitternacht. An den „Kreis junger Frauen“, die heute ganz schön gealtert sind. An Feste, Hochzeiten, Kaffee-Tafeln, Mutter-Kind-Gruppen, Kinder-Spielkreis und Beerdigungsfeiern.

Es folgten Reden von Kirchenvorstand Gerd Lepczynski, Superintendentin Elke Schölpe, Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Diakon Ilias Schlepegrell.

Gerd Lepczynski blickt auf stolze 3 700 Sitzungen des Kirchenvorstandes im Hause zurück und zeigte sich glücklich darüber, dass das Gemeindezentrum als Gotteshaus erhalten bleibt. Elke Schölpe lobte die Entscheidung, die Gemeinde auf einen Standort zu konzentrieren, wo man mit weniger Aufwand effizienter arbeiten könne und Energie für neue Impulse freisetze.

„Dieser Ort war ein Schatz, der nun an einen anderen Ort wandert“, so Schölpe. „Das Haus ist nicht wichtig, die Menschen darin sind Gottes Tempel.“ Bürgermeister Rainer Ditzfeld bedauerte, ein lieb gewonnenes Gemeindezentrum aufgeben zu müssen. „Aber auch Kirche muss sich neuen Herausforderungen stellen, investieren, sich entwickeln“. Er freue sich auf ein Wiedersehen in den neuen Räumen an der Pfarrstraße.

Ilias Schlepegrell erklärte das Entstehen seiner Gemeinde: Als Minderheiten im Südosten der Türkei verfolgt oder als Gastarbeiter zugereist, fanden orthodoxe Christen eine Heimat in den deutschen Gemeinden. Aber sie fühlten sich nicht wohl; ihnen fehlte die arabische Sprache in den Gottesdiensten, der Weihrauch, die vielen Bilder. Im orthodoxen Glauben erhalten sie ihre Identität. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde größer.

„Heute sprechen wir im Gottesdienst auch deutsch, die Sprache unserer Kinder“, bemerkte Schlepegrell. Die Türen stünden offen für alle, die sich für Orthodoxie interessieren.

Die christlich-orthodoxe Gemeinde Achim übernimmt das Gebäude des evangelische Gemeindzentrum Nord für einen symbolischen Euro und kauft das Grundstück zum aktuellen Verkehrswert. Bis zur Fertigstellung des Neubaus an der Pfarrstraße darf das Gebäude noch für Gottesdienste genutzt werden.

Zur Entstehung: Vor etwa 40 Jahren war die St. Laurentius-Gemeinde in Achim stark gewachsen und zählte ungefähr 14 000 Gemeindeglieder. Die Einnahmen sprudelten, und in der Folge entstanden Gemeindezentren in Achim-Mitte, Achim-Nord, Uesen und Bierden. Seit einigen Jahren nun beklagt die Gemeinde sinkende Mitgliedszahlen. Die Zahl der Gemeindeglieder liegt bei etwas über 9 000. Einnahmen und notwendige Kubatur-Zuweisungen der Landeskirche für die Gebäude fehlen und zwingen den Kirchenvorstand zum Handeln. Die Gebäude von 1979 sind renovierungsbedürftig und können langfristig unter Berücksichtigung sinkender Einkünfte nicht unterhalten werden. In Zukunft wird lediglich das Zentrum an der Pfarrstraße erhalten bleiben. Dort soll ein Neubau entstehen. Anschließend wird der Altbau saniert.

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