Das Pokémon-Fieber ist auch in Achim ausgebrochen

Nicht nur junge Leute auf der Jagd nach Turtok und Rattfratz

Große Freude bei den vier Jungs, endlich konnten sie ihr Pokémon entwickeln. Von links: Yannik Jeschke, Dustin Hansen, Niklas Friedrich und Noah Büber. - Fotos: Koch

Achim - Von Celine Koch. Es regnet und der Achimer Wochenmarkt ist abgebaut. Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass die Achimer Fußgängerzone wie leergefegt ist und man sich auf die Suche nach Menschen begeben muss und nicht auf die Suche nach den kleinen japanischen Tierwesen, die die Welt derzeit beherrschen. Die Rede ist natürlich von den Phantasiewesen bei Pokémon-Go, einem Augmented-Reality-Game, welches seit nicht mal einem Monat bereits Deutschland erobert und einen regelrechten Hype auslöst.

Augmented-Reality bezeichnet in diesem Fall ein mediales Phänomen, das sich auf eine Sinneserweiterung und Realitätskonstruktion bezieht, die durch das Benutzen eines Videospieles entstehen können. Die wahre Realität, sprich das, was wir in unserer Umgebung wahrnehmen, wird mit Zusatzinformationen gefüttert, so dass in einer Echtzeit-Interaktion zwischen Realtiät und Konstruktion etwas Neues entstehen kann. Dann spricht man von einer Augmented (dt. erweitert/vergrößert) Reality.

Dies ist auch bei Pokémon Go der Fall, wo Spieler als Pokémon-Trainer in das Spiel eintauchen und in ihrer Umgebung Pokémon fangen können. Das Smartphone muss dabei eingeschaltet sein und die App geöffnet, da es keine, wie es bei vielen anderen kleinen Spielen der Fall ist, Nachrichtenaktivierung gibt.

Für Hendrik Hartmann (18) ist das allerdings nichts Neues. Der junge Mann steht am Anfang seiner Ausbildung zum Augenoptiker und ist, wie so viele, auch dem Hype verfallen. Früher als Kind hat auch er das Spiel gespielt, damals noch auf dem Nintendo, und hat sich sofort die App herunter geladen. Das Smartphone sei ohnehin ein alltäglicher Begleiter, und öfter aus dem Haus kommen würde er auf Grund der App ohnehin nicht.

Etwas anders sehen es wohl Yannik Jeschke (12), Niklas Friedrich (11), Dustin Hansen (11) und Noah Büber (11). Sie sind zwar erst seit zwei Wochen dabei, aber sie sprechen schon von einer deutlichen Beeinflussung des Alltags. Früher sind sie eher drinnen geblieben und haben dort an verschiedenen Konsolen (PS4, XBox etc.) zusammen gezockt, aber jetzt macht es ihnen viel mehr Spaß, raus zu gehen. „Neue Orte zu erkunden, das finde ich gut“, erklärt einer der vier Jungs begeistert, während er sein Handy in der Hand hält. Auf die Nachfrage, ob man bei einem so akuten Benutzen eines spezfisischen Mediums überhaupt neue Orte finden kann (schließlich konzentriert man sich ja vorallem auf die Pokémon), schüttelt er den Kopf. Schließlich würden sie ja trotzdem sehen, was um sie herum geschieht.

Dass in der App so genannte In-App-Einkäufe möglich sind, wissen auch die Jungs und erklären, dass sie sich von ihrem Taschengeld auch schon mal virtuelle Pokébälle und virtuellen Rauch kaufen. Der höchste Betrag, welcher in der Gruppe dafür ausgegeben wurde, beläuft sich auf 20 Euro.

Das Achimer Rathaus, das Zigarrenmacherdenkmal, der Rathauspark, der Post- und spielplatz in Baden oder der Etelser Schlosspark zum Beispiel sollen Anlaufpunkte für Poké-Stops sein, so dass sich dort viele Spieler und Pokémon-Begeisterte treffen.

In Poké-Stops kann der Spieler für den Verlauf des Spieles wichtige Dinge erhalten, wie zum Beispiel Pokébälle oder Tränke, die zur Steigerung der Kraft der gesammelten Pokémon dienen.

Meistens gehen die jungen Jäger, oder wie es im Spieljargon heißt: Trainer, in Gruppen aus dem Haus, macht schließlich auch mehr Spaß, wenn man Freunde dabei hat und sich mit ihnen unterhalten kann.

Dass auch hier das Thema vor allem Pokémons sind, verwundert nicht. Schließlich ist man auf der Jagd. Alexander Braasch (12), aus Morsum spricht mit seinen Freunden aber auch über alltägliche Themen.

Für den ein oder anderen mag Pokémon-Go immer noch etwas befremdlich wirken. Zu sehen, wie Gruppen von oft auch erwachsenen Menschen zusammen stehen, tag und Nacht durch Orte laufen oder fahren und gemeinsam auf ein Handy starren, mag im ersten Moment dann doch etwas verrückt wirken.

Allerdings leben wir heute in einem digitalisierten Zeitalter, in dem man als „analoger Dinosaurier“ vieles nicht versteht und sich auch wundert, dass Figuren wie Pikachu, Gumanda, Turtok oder Rattfratz, Piepi und Mauzi die Menschen beherrschen.

Eine Truppe aus Basel hat den Spieß einfach mal umgedreht. Der Jäger wird zum Gejagten: Eine Horde Pikachu, dem wohl bekanntesten Pokémon-Wesen, geht mit überdimensionalen Pokébällen auf Menschenfang. Die Reaktion der Passanten ist einfach köstlich. Doch sollte bei der ganzen Jagd mal etwas schief gehen, so kann ein Berliner Start-Up helfen. Die Firma „Knip“ hat eine Versicherung im Angebot, die Unfallschäden abdeckt, die beim Spielen von „Pokémon Go" entstanden sind, wie das Start-Up in einer Pressemitteilung schreibt. Doch nicht nur Verletzungen, auch brenzlige Unfälle und kuriose Funde werden durch die App möglich. 

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