Achimer Kanzlei lässt Vermittler verurteilen

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Achim - Die Achimer Kanzlei Teichmann & Trotzki hat in einem bundesweiten Skandal Recht für Mandanten erstritten, wie sie berichtet.

Der Hintergrund: Seit 2011 hatten tausende Anleger durch Vermittler die vermeintlich sicherheitsorientierten Anlagen „Gold Standard“ oder „Gold Plus“ der Berliner BWF Stiftung gezeichnet. Insgesamt hat die Stiftung so rund 54 Millionen Euro eingesammelt. Den Anlegern wurde versprochen, in jedem Fall das eingesetzte Kapital und den Zins nach Vertragsablauf zurückzuerhalten. Es ging dabei um Renditen von 150 bis 180 Prozent bei Laufzeiten von acht bis zehn Jahren. Die Anleger sollten physisches Gold in Form von Anlagebarren zum jeweiligen Stiftungspreis „erwerben“. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beurteilte dieses Geschäftsmodell als Einlagengeschäft, für die die Stiftung eine Erlaubnis benötige. Da diese Erlaubnis nicht vorhanden war, verbot die BaFin das Geschäftsmodell und ordnete die Rückabwicklung aller Verträge an.

Der eigentliche Skandal: Es war Falschgold

Der eigentliche Skandal kam dann erst ans Licht: Es stellte sich dabei heraus, dass es sich bei einem Großteil des bei der Stiftung gelagerten Goldes zu 95% um Falschgold handelte. Mittlerweile wurde die Anklage gegen die Verantwortlichen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet und seit Juni 2016 vor dem Landgericht Berlin verhandelt.

Der Schaden für die Anleger ist jedenfalls immens, und es ist nicht ersichtlich, ob sie von ihrem angelegten Geld überhaupt noch etwas wiederbekommen werden.

Im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des BWF-Skandals hat die Achimer Kanzlei Teichmann & Trotzki, die als einzige in Achim die Fachanwaltschaft für Bank- und Kapitalmarktrecht durch Rechtsanwalt Bastian Trotzki inne hat, bereits im letzten Jahr Klage gegen einen Vermittler eingereicht und das erste Verfahren vor dem Landgericht Verden gewinnen können.

In vielen Fällen sei es nämlich so, dass die Anlagevermittler ihren Informations- und Aufklärungspflichten aus dem Beratungsverhältnis nicht nachgekommen seien, was im Einzelfall geprüft werden muss. Insbesondere die Pflicht zur Prüfung der Plausibilität der besagten Anlage dürfte in vielen Fällen verletzt worden sein, erklärt Rechtsanwalt Jan-Sören Grundmann. Anlegern seien oftmals sehr hohe Gewinne von zehn Prozent und mehr pro Jahr über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren in Aussicht gestellt worden, so Rechtsanwalt Grundmann weiter, was nicht realistisch gewesen sei und von den Vermittlern hätte erkannt werden müssen. Zudem sei die Anlage oftmals von den Vermittlern als sicher dargestellt worden, was jedoch in keiner Weise der Realität entsprochen habe.

Das Landgericht Verden stellte in dem von der Kanzlei erstrittenem Urteil fest, dass der Vermittler offensichtlich falsche Angaben zu bestehenden Risiken gemacht und die Angaben der BWF-Stiftung in den zur Verfügung stehenden Unterlagen keiner eigenen kritischen Prüfung unterzogen habe. Kernargument des Gerichts war, dass ein gravierender Mangel der Beratung darin zu sehen war, dass ein Rückkaufswert von 150 beziehungsweise 180 Prozent verbindlich zugesagt wurde, ohne klar darauf hinzuweisen, dass ein solcher Gewinn nicht zwingend realisiert werden könne und dann nicht die Ansprüche aller Anleger bedient werden könnten. Der Vermittler konnte nicht darlegen, wie Schwankungen beim Goldpreis ausgeglichen werden würden, um solch einen Rückkaufswert zu garantieren.

Der Vermittler wurde zur Rückzahlung des angelegten Betrages, Zug um Zug gegen Übertragung eines vermeintlichen Anspruchs auf physisches Gold in zertifizierten Barren der BWF-Stiftung, verurteilt.

Bei Insolvenz ist nichts mehr zu holen

Da die BWF Stiftung insolvent ist, ist es sehr zweifelhaft, ob im Insolvenzverfahren eine nennenswerte Insolvenzquote erreicht werden kann, so dass es in vielen Fällen empfehlenswert ist, den jeweiligen Vermittler der Kapitalanlage auf Schadenersatz in Anspruch zu nehmen, empfiehlt die achimer Kanzlei. Oftmals sei hier jedoch Eile geboten, denn sobald ein Haftungsgegner kein Geld mehr habe, seien eventuelle Schadenersatzansprüche nicht durchsetzbar und auch die Haftpflichtversicherer bedienten eventuelle Schadenersatzansprüche oftmals nur bis zu einem Höchstbetrag.

Rubriklistenbild: © dpa

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