Ein Jahr und acht Monate auf Bewährung

Mann droht mit Messer, um Geld zu erpressen

Achim/Posthausen - Von Lisa Duncan. Mit Skimaske, Sonnenbrille und einem Messer im Ärmel stieg ein zur Tatzeit 38-jähriger Mann aus Verden zu einer fremden Frau ins Fahrzeug und bedrohte sie. Sie kam gerade vom Einkaufen im Posthausener Kaufhaus Dodenhof. Montag war der heute 42-jährige Täter gemeinsam mit seiner heute 39-jährigen Ex-Frau, die damals auf dem Parkplatz dabei war, vor dem Schöffengericht in Achim angeklagt. Der Tatvorwurf: Versuchte schwere räuberische Erpressung und Diebstahl.

Das Opfer des Überfalls trat als Nebenklägerin auf. Von der Tat, die sich fast genau vor vier Jahren, am 17. August 2012, ereignet hatte, ist sie heute noch traumatisiert. Erst etwa zwei Jahre später, im Februar 2014, war das Duo entdeckt worden. Beide hatten nach ihrer Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt, das zum Verständnis der Schöffen in Auszügen im Gerichtssaal verlesen wurde.

Demnach hatte das Verdener Ehepaar, er gelernter Tischler, sie gelernte Gas- und Wasserinstallateurin, gemeinsam eine Pension betrieben und sich dabei hoch verschuldet. Der Ehemann ersann den Überfall als Ausweg aus der finanziellen Not und weihte seine Frau in die Pläne ein. So hielten sie bei Dodenhof Ausschau nach wohlhabend aussehenden Frauen. Während der Mann sie bedrohen und ausrauben würde, sollte die Frau im Wagen warten. Plötzlich sagte er: „Die nehm' ich.“ Die Situation verglich er mit dem Fallschirmspringen, man springe dann einfach.

Im Wagen zeigte der Angeklagte seinem Opfer das Messer. Bevor er äußern konnte, dass er auf Geld oder Wertsachen aus sei, fing die Überfallene lauthals zu Schreien an. Mit den Worten „Bleib ruhig, bleib ruhig“ versuchte er noch vergeblich, sie zum Schweigen zu bringen – und ergriff dann zu Fuß die Flucht. Unterdessen fuhr seine damalige Ehefrau mit dem Wagen davon. Die Sachen, die er zur Tatzeit getragen hatte, entsorgten sie hinterher gemeinsam.

Ob der Angeklagte das Messer an die Brust gehalten oder nur gezeigt hatte, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Er habe wegen der Tat ebenfalls psychische Probleme gehabt und sei deshalb zwischenzeitlich nicht verhandlungsfähig gewesen, wie ein Gutachter bestätigte.

Die Geschädigte leidet seit dem Vorfall unter solchen Angstzuständen, dass sie sich kaum allein auf die Straße traut. Die Heilpraktikerin konnte anfangs wegen ihres Traumas auch keine Männer mehr in ihrer Praxis behandeln, erzählte ihre Psychotherapeutin im Zeugenstand. Auch jetzt schien sie noch sichtlich mitgenommen und erschien nur kurz im Gerichtssaal.

Zur Anklage stand auch der Diebstahl eines Kettenhäckslers, den der heute 42-Jährige im Jahr 2009 aus einem Anhänger vom Verdener Bahnhof gestohlen hatte. Anschließend hatte er das Gerät mit einem Neuwert von rund 40.000 Euro für 10.000 Euro nach Schweden verkauft.

Unter anderem wegen der krassen Auswirkungen auf das Opfer des Überfalls folgten Richter Andreas Minge und die Schöffen in ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. „Aus Sicht des Opfers hätte es auch auf eine Entführung oder Vergewaltigung hinauslaufen können“, sagte Minge. Dass es nur um Geld ging, habe sie erst knapp zwei Jahre später erfahren. Der Angeklagte erhielt eine Gesamtstrafe von einem Jahr und sieben Monaten, seine Ex-Partnerin für Beihilfe zur Tat acht Monate Freiheitsstrafe. Minge ging von einem minderschweren Fall aus. Da beide nicht vorbestraft waren, wurden die Strafen zur Bewährung (mit zwei Jahren Bewährungszeit) ausgesetzt. Die Angeklagten müssen zudem jeweils 500 Euro an die Deutsche Opferhilfe zahlen.

Rubriklistenbild: © imago/Symbolbild

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