Zu wenige Schüler und Zuschüsse

Stadtwaldschule vor dem Aus

Die Privatschule am Stadtwald ist wohl bald Vergangenheit.
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Die Privatschule am Stadtwald ist wohl bald Vergangenheit.

Achim - Die Achimer Stadtwaldschule, eine Privatschule, steht offensichtlich vor dem Aus. Dass sie Insolvenz beantragt (hat), bestätigte gestern Schulleiterin Anja Keiten auf Nachfrage unserer Zeitung.

"Das geht jetzt seinen Gang wie bei Unternehmen, die in finanziellen Schwierigkeiten sind", so die 50-Jährige, die im Herbst vergangenen Jahres die Schulleitung von Oberstudienrätin Ulrike Kompch übernommen hatte. Vor wenigen Tagen hatte die Schulleitung Info-Briefe an Eltern verschickt, deren Kinder bisher die Integrierte Gesamtschule (IGS) an der Stadtwaldschule besuchten. Viele der Jugendlichen wechseln an die IGS Oyten. Andere müssen auf andere Schulen gehen. Das geschieht jetzt zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres nach den Zeugnisferien.

Mit der Stadtwaldschule in Achim stirbt ein Reformprojekt. Gestartet war sie im August 2010 mit 17 Kindern in der Grundschule und 15 Kindern in der Sekundarstufe (IGS). Im August 2011 begann die Reformschule ihren Betrieb in den Räumen an der Steuben-Allee 7, einem ehemaligen Kasernengebäude in direkter Nachbarschaft zum Achimer Stadtwald. Damals betrug die Schülerzahl 57, davon besuchten 22 Kinder die Grundschule und 35 Kinder die IGS (Klassen 5-7).

Im Mai 2013 erhielt die Bildungseinrichtung dann nach drei Jahren die staatliche Anerkennung der Landesschulbehörde. Das bedeutete, dass sie von nun an auch staatliche Zuschüsse bekam und finanziell auf sichereren Beinen stand.

Bis dahin mussten die Gründer und Eltern der Schule sie zu hundert Prozent selbst finanzieren, Gebäude, Lehrer und Unterrichtsbetrieb.

Auch nach den staatlichen Zuschüssen pro Schüler hatten die Eltern noch viel für den Schulbesuch ihrer Kinder zu bezahlen: eine Aufnahmegebühr von 500 Euro, 360 Euro Schulgeld monatlich ohne Verpflegung, und einen Schulentwicklungsbeitrag von 2500 Euro, der zum Ende der Schulzeit zinslos zurückbezahlt werden sollte.

Im letzten Schuljahr war die Schule mit Erreichen der Klasse 10 sozusagen komplett. Als dann aber zum jetzigen Schuljahr, wie wir hörten, weniger als eine Handvoll Schüler für die Grundschule neu angemeldet wurde, war klar, dass mit dieser geringen Schülerzahl, den wenigen Elternbeiträgen und niedrigen Landeszuschüssen die Schule nicht lange zu halten sein wird.

Im Dezember hatten wir berichtet, dass das Schulgebäude, das bei Errichtung der Steubenkaserne Mitte der 50er Jahre als Unterkunft- und Lehrsaalgebäude gebaut worden war, verkauft werden sollte für 520 000 Euro. Offizielle Begründung: ein früherer Gesellschafter sei ausgeschieden, aber eine Gefahr für die Schule bestehe nicht.

Wohl doch. Die Stadtwaldschule wollte wohl ihre finanzielle Schieflage überwinden. Zuletzt bemühte sie sich offensichtlich auch, Räume in Achimer Schulen des Kreises und der Stadt zu bekommen. So hätte der Verein sich die jährliche Mietzahlung von 42 000 Euro sparen können. Aber auch das misslang.

So geht wohl alles seinen juristischen Gang, wie die Schulleiterin sagt, die mit der Ankündigung eines Schulkindergartens erst vor kurzem angetreten war.

Die Reformschule am Stadtwald ist damit wohl passé. Die Lehrer galten als Lernbegleiter, die Schüler als ihre Partner, die mitentschieden, was und wie sie in der Schule lernen. In Versammlungen der Pennäler am Wochenanfang berieten sie über den Wochenplan, zum Wochenende zogen sie dann Bilanz und machten Manöverkritik. Altersübergreifende Lerngruppen mit immer mindestens zwei Jahrgängen, Projektarbeit und Nähe zur Natur gehörten zum Konzept, das auf keinen bestimmten Pädagogen zurückgeht.

Die Alternative zum staatlichen Schulwesen ist nun

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