Kunde strengt Rechtsstreit gegen polizeilich zertifizierten Handwerksbetrieb an

Wunsch nach Sicherheit kann zu Verlustgeschäft werden

Schlösser lassen sich oft mit einfachsten Mitteln und Werkzeugen knacken. Die Polizei empfiehlt, Türen und Fenster einbruchssicher aufzurüsten.
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Schlösser lassen sich oft mit einfachsten Mitteln und Werkzeugen knacken. Die Polizei empfiehlt, Türen und Fenster einbruchssicher aufzurüsten.

Baden - Von Lisa Duncan. Oft bedarf es nur eines Hebelwerkzeugs oder eines beherzten Steinwurfs – und schon haben sich Einbrecher Zugang zu einem Haus verschafft. Darum empfiehlt die Polizeiinspektion Osterholz/Verden Hauseigentümern mechanische Sicherungseinrichtungen. Ein Mann aus Achim-Baden folgte der Empfehlung – und erlebte beim Einbau der Fenstersicherungen Überraschungen.

Zunächst ließ er sich von Jürgen Moje, Beauftragter für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, beraten. Dann beauftragte er Ende 2012 ein örtliches Unternehmen mit dem Einbau von Fenstersicherungen. Die Firma war in einem offiziellen Adressenverzeichnis des Landeskriminalamtes (LKA) als Spezialist für solche Arbeiten gelistet. Aber der Kunde war nicht zufrieden mit der Art, wie die Arbeiten ausgeführt wurden, und zog vor Gericht.

„An einer Terrassentür hatte ich 51 Bohrungen, dabei wären nur 20 nötig gewesen“, sagt der Rentner. Die Folge: Neun Handwerkerbesuche zum Nachbessern, drei Jahre Rechtsstreit und ein dicker Aktenordner. Zwei Gutachter, ein vom Gericht bestellter und ein privat beauftragter, befassten sich mit dem Fall. Im Dezember 2015 kam es im Amtsgericht Verden via Mediation zu einem Vergleich. Mit 6500 Euro Entschädigung hat sich der Badener zufrieden gegeben – auch wenn der Schaden seiner Meinung nach deutlich darüber liegt. Er will sich nun trotzdem neue Fenster einbauen lassen und ist sich sicher: „Die Empfehlung der Polizei stimmt in den meisten Fällen, aber man sollte die Handwerksbetriebe noch besser prüfen.“

Laut Helge Cassens, Pressesprecher bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, ein Einzelfall. Es handle sich bei dem so genannten „Errichternachweis ‚Mechanische Sicherungseinrichtungen‘“ auch nicht um eine Empfehlung der Polizei, sondern um eine unverbindliche Liste. „Wir gehen nicht hin und sagen den Bürgern, welche Handwerker sie engagieren sollen“, so Cassens.

Wer in die Errichterliste aufgenommen werden will, muss aber Auflagen erfüllen. Das LKA folgt einem bundeseinheitlichen Pflichtenkatalog. Dazu gehört, dass die Firma in der Handwerkskammer eingetragen ist, mindestens ein Jahr Erfahrung mit der Technik hat, eine fachgerechte Kundenberatung anbietet und als zuverlässig erkannt wird. Auch Nachschulungen alle paar Jahre sind verpflichtend.

„Prävention ist

schwer messbar“

In Niedersachsen umfasst die Errichterliste etwa 250 Firmen. Cassens: „Da kann im Einzelfall ein Unternehmen mal einen Fehler machen.“ Inzwischen hat sich besagte Firma auf eigenen Wunsch aus der Liste der vom LKA zertifizierten Handwerker löschen lassen, so Cassens.

„Ich hatte schon vorher überlegt, mich aus der Liste rausnehmen zu lassen“, erklärt der Tischlermeister auf Nachfrage. Der Einbau von Fenster- und Türsicherungen bedeute für Handwerksbetriebe einen immensen Beratungsaufwand – und viele Kunden überlegten es sich wegen der hohen Kosten dann doch anders. Er könne sich jedoch jederzeit wieder in die LKA-Liste eintragen lassen, erfülle dafür weiter die Voraussetzungen. Den dreijährigen Rechtsstreit mit dem Kunden möchte er nicht kommentieren.

Wegen ihrer geographischen Lage zählt die Stadt Achim zu den Hochburgen für Einbruchsdiebstähle. „Achim liegt im Speckgürtel von Bremen und beim Bremer Kreuz“, führt Helge Cassens aus. In der dunklen Jahreszeit machten sich die Täter die frühe Dämmerung zunutze.

251 Einbruchsdiebstähle gab es 2014 im Landkreis Verden (Achim: 163, Oyten: 64, Ottersberg: 46, Thedinghausen: 34 und Kirchlinteln: 4), dazu 206 versuchte Einbrüche. Deutlich darüber lagen die Fallzahlen 2013 mit 339 Einbrüchen und fast gleich mit 207 versuchten Einbrüchen.

„Man könnte vermuten, die Täter werden unfähiger“, so Cassens. Aber vielleicht seien die Anwohner auch aufmerksamer oder die Fenster und Türen besser gesichert. „Prävention ist schwer messbar“, sagt der Polizeisprecher. 47 Prozent der Taten, die im Landkreis im Jahr 2014 passiert sind, wurden aufgeklärt.

Der Chef des Tischlereibetriebs würde sein eigenes Haus übrigens nicht mit mechanischen Sicherungen ausstatten. „Meine Frau und ich überlegen eher, ob wir uns einen Hund kaufen“, sagt er und lacht.

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