Kritik an Stadt und Land

Vollsperrung Bremer Straße: Geschäftsleute befürchten Umsatzeinbußen

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Fühlen sich von Stadt und Landesbehörde im Stich gelassen: (von links) Ralf Bernau (BMW Cloppenburg), Marc Bonar (Sportstudio Tamado), Timo Schieweck (E-Center), Schlachter Florian Warmer, Dr. Matthias Reick und Anneliese Klatt (Car-Color). 

Achim - Von Michael Mix. Die bevorstehende Vollsperrung der Bremer Straße vom Maiskamp bis zum Winterweg, wo von morgen früh bis kommenden Montag die Fahrbahnen saniert werden sollen, bringt die dortigen Geschäftsleute auf die Palme.

Sie befürchten massive Umsatzeinbrüche und sind auf die Stadt Achim sowie die für das Bauvorhaben zuständige Landesbehörde in Verden alles andere als gut zu sprechen. „Es ist eine unzumutbare Situation für die Gewerbetreibenden hier. Wir bemängeln die schlechte Kommunikation und, dass es keine Hilfe für uns gibt“, sagen die Führungskräfte von BMW-Cloppenburg bis Edeka.

Gestern versammelten sich die Firmenbetreiber im Autohaus an der Landesstraße 158, um im Gespräch mit dieser Zeitung ihrem Ärger Luft zu machen. Dabei ging es heftig zur Sache, und es gab so manche Schuldzuweisung an die beiden oben genannten Adressaten.

Vollsperrung dauert länger

Dass die Vollsperrung nun volle vier Tage dauern solle, darüber seien sie vor knapp zwei Wochen lapidar über „Zettel“ informiert worden, hieß es immer wieder in der Runde. Ursprünglich hätten die Sanierungsarbeiten an einem Sonnabend und Sonntag erledigt werden sollen.

Und warum könne nicht eine Fahrspur offen bleiben? Auch eine Beschilderung seitens der Stadt, die auf „Schleichwege“ zu den Firmen hinweise, würden die Unternehmer begrüßen.

„Der Betrieb Achim ist jetzt schon vom Tagesgeschäft so gut wie abgeschnitten“, beklagt Ralf Bernau, Geschäftsführer der Cloppenburg GmbH, die noch weitere Autohäuser in Delmenhorst, Syke und Verden betreibt, mit Blick auf die seit Mitte September laufende Erneuerung des Fuß- und Radwegs auf der gegenüberliegenden Straßenseite und der damit verbundenen halbseitigen Sperrung der L 158 samt Ampelregelung und ständigen Staus. Kunden könnten das Firmengelände notfalls auch über den rückwärtigen Eichenanger erreichen, räumt er ein, doch die 7,5-Tonner, die Ersatzteile oder Reifen anlieferten, kämen da kaum vor und zurück.

Mit 100 Millionen Euro Jahresumsatz an den vier Standorten sei das Unternehmen ein gewichtiger Gewerbesteuerzahler in Achim und sponsere zudem unter anderem das örtliche Weinfest und die SG Achim-Baden, fügt Bernau an. „Und wenn man selbst Hilfe braucht, dann kommt von der Stadt nichts.“

Florian Warmer, der an der Ecke zum Weizenkamp eine Schlachterei betreibt, hakt an diesem Punkt sofort ein. „Wir hatten den Bürgermeister um Hilfe gebeten, aber da kam nichts. Nach mehrmaliger Bitte um ein Gespräch habe Stadtoberhaupt Rainer Ditzfeld den Verkehrsplaner Stefan Schuster vorbeigeschickt, „was aber nichts gebracht hat“, sagt Warmer und giftet: „Wir brauchen keinen Bürgermeister, der nur zum Feiern kommt.“

Er könne auch nicht verstehen, legt er nach, warum die Einfahrt zum Weizenkamp „nun schon fünf Wochen dicht“ sei. Das behindere nicht nur erheblich den Kundenverkehr, sondern erschwere auch die Anlieferung von Fleisch- und Wurstwaren mit dem 40-Tonner.

Marc Bonar, Inhaber des Sportstudios Tamado, und Anneliese Klatt, Eigentümerin von Car-Color, hätten sich eine „Zufahrtslösung über den Winterweg“ gewünscht. Das wäre ohne großen Aufwand möglich gewesen, sagen sie. „Da hätte doch nur ein Stück Weg planiert werden müssen, was die Stadt höchstens 2000 Euro gekostet hätte.“

Dr. Matthias Reick, der nebenan zusammen mit einem Kollegen eine orthopädisch-chirurgische Praxis betreibt, sieht seine Patienten im Notfall gefährdet. „Der Rettungswagen kommt hier doch gar nicht durch.“

Infolge der derzeitigen Staus auf der Bremer Straße habe das E-Center an der Bierdener Kämpe „schon jetzt zwischen 10 und 15 Prozent weniger Kunden pro Woche“, klagt Geschäftsführer Timo Schieweck. „Die Vollsperrung ist für uns eine Katastrophe.“ Im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft sollte die geplante Sanierung eines weiteren Teilstücks der L 158 auf das nächste Frühjahr verschoben werden, fordert Schieweck.

Ob die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden sich darauf einlassen wird, ist fraglich und konnte gestern nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Zu anderen Kritikpunkten äußerte sich Amtsleiterin Gisela Schütt auf Nachfrage der Redaktion.

Bei der laufenden Sanierung des Fuß- und Radwegs sowie des Hochbords und der Rinnenanlage habe es eine „unliebsame Überraschung“ gegeben. Bauarbeiter hätten am 10. Oktober festgestellt, dass eben nicht nur die Deckschicht des Fahrbahnbelags, sondern auch die darunter liegende Binderschicht stellenweise porös sei, informiert Schütt. Deshalb müsse diese nun „punktuell“ erneuert werden.

„Wir müssen also mehr als die vier Zentimeter dicke Deckschicht abfräsen“, und und dementsprechend sei es auch notwendig, anschließend in größerem Umfang als geplant frisches Baumaterial aufzubringen, erläutert Schütt. „Das aber ist an zwei Tagen nicht zu schaffen“, dafür werde die doppelte Zeit benötigt.

Eine halbseitige Sperrung komme bei dieser Maßnahme nicht in Frage. „Bei der vorhandenen Breite der Fahrbahnen von insgesamt knapp sieben Metern wäre die Arbeitssicherheit nicht gewährleistet“, erklärt die Behördenleiterin. „Das ginge nur bei mindestens 8,70 Metern.“ Schütt verweist auf die Arbeitsschutzrichtlinie der Berufsgenossenschaft Bau.

„Wir bedauern es sehr, dass die Bremer Straße voll gesperrt werden muss“, sagte Bürgermeister Rainer Ditzfeld auf Nachfrage. Er hätte es lieber gesehen, wenn die Sanierung von Sonntag bis Mittwoch erfolgt wäre „und nicht an den umsatzstärksten Tagen von Donnerstag bis Samstag“. Aber der Asphaltfertiger und andere große Straßenbaumaschinen würden für längere Zeiträume im Voraus gebucht und stünden dann nicht zur Verfügung.

Provisorische Zufahrten auf Kosten der Stadt anzulegen oder Wege zu den Betrieben auszuschildern, lehnt Ditzfeld ab. „Dann könnten wir das bei den vielen Baumaßnahmen in Achim ja ständig machen.“ Und Ortskundige gelangten sicherlich ohne weiteres an ihr Ziel. Zusätzlich zu der von der Landesbehörde ausgewiesenen Umleitung für den überörtlichen Verkehr über die Autobahnen 1 und 27 werde die Stadt keine Schilder aufstellen.

Die Kritikerfront lässt vieles davon nicht gelten. Die Bauarbeiten hätten doch grundsätzlich anders organisiert werden können, meint Tobias Meybohm, Verkaufsmanager bei Cloppenburg. Bei gleichzeitiger Erneuerung eines Fuß- und Radwegs und der daneben liegenden Fahrbahn und später entsprechend auf der anderen Seite wäre eine komplette Sperrung ja wohl nicht nötig gewesen.

„Oder man hätte die Sanierungsabschnitte kleiner machen können“, wirft Warmer ein. „So, dass eine Vollsperrung am Samstag und Sonntag ausgereicht hätte.“

„Aber vor allem hätten die Verantwortlichen uns alle hier zu einem Gespräch einladen müssen“, sagt Meybohm. „Dann wären wir vielleicht zu einer anderen Lösung gekommen.“

Ralf Bernau fällt ein Urteil, wie es schlimmer nicht ausfallen kann: „Der ganzen Kommunikation und Planung gebe ich die Note 6.“

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