BMW zu klein für Warenberg

Im Kaufrausch – ohne das Geld dafür

Achim / Posthausen - Der Inhalt von den drei großen Einkaufswagen passte gar nicht mehr in den BMW der jetzt wegen Betrugs angeklagten Frau. Und so wurde der heute 19-jährige Sohn per Handy samt Auto herbeibeordert, um den gesamten „Warenberg“ unterzubringen.

Anschließend ging er zusammen mit Schwester, Mutter und deren damaligen Lebensgefährten erneut auf Kaufrunde ins Posthausener Einkaufszentrum. Einen Tag nach jenem 14. August 2015 folgte noch Teil Zwei einer rauschhaften Shoppingtour.

Waren im Gesamtwert von fast 3000 Euro wurden ausgewählt –  vor allem Lebensmittel aus dem „Genießermarkt“. Doch auch Bettwäsche, Schuhe, Parfüms und anderes.

Das Bezahlen war schon schwieriger. Nur mit Hilfe der Lastschrift-Methode und ohne PIN-Nummer-Angabe gelang es, erfolgreich an der Kasse zu bestehen.

Er habe von seiner Pflegemutter genug Geld erhalten, soll der heute 41-jährige Mann, mit dem die Angeklagte damals zusammenwohnte, erzählt und auch die Kinder aufgefordert haben, ordentlich mit einzupacken.

„Eigentlich gab es keine finanziellen Engpässe bei uns“, behauptete die Angeklagte jedoch vor dem Achimer Amtsgericht. Von der Lage ihres Partners, der später Privatinsolvenz anmeldete und es mit einem eigenen Betrugs-Strafverfahren zu tun bekam, habe sie „definitiv nichts gewusst“.

Die Geschichte vom Geld der Mutter habe sie geglaubt, daher keinen Betrug begangen und im Übrigen in jenen Monaten nach Todesfällen im Freundeskreis an Depressionen gelitten, die auch psychologisch behandelt worden seien.

Ganz anders die Darstellung des 41-Jährigen Lageristen. Seine Ex-Lebensgefährtin habe ihn zum Einkauf per Lastschriftverfahren „angestiftet“. Auch die Anregung, es „mal in Posthausen zu probieren“, stamme von ihr.

Nach seinen Aussagen war sie zudem oft betrunken und dann sehr aggressiv. Als sie in diesem Zustand gedroht habe, ihm „eine Flasche über den Kopf zu ziehen“, habe er sofort das Haus verlassen und die Beziehung beendet.

Richter macht Kindern der Angeklagten Druck

Tatsächlich gebe es das Geld der Stiefmutter. Seiner Erinnerung nach erhielt er es aber bereits Mitte 2015. Vor der großen Kauftour sei klar gewesen, „dass alle Beteiligten kein Geld haben“.

Sohn und Tochter bestätigten hingegen als Zeugen, dass der Freund ihrer Mutter versichert habe, es sei genug Geld vorhanden. Also hätten sie kräftig Sachen für sich mit ausgesucht.

Richter Matthias Hahn und die Staatsanwältin bezweifelten die Ahnungslosigkeit der beiden erheblich. Der Richter machte besonders dem Sohn Druck, entdeckte Widersprüche in Aussagen und drohte beiden jugendlichen Zeugen sogar mit einer Anzeige wegen Beteiligung an dem Betrug.

Das Verfahren wurde nach Befragen von Sohn und Tochter unterbrochen und wird am 1. Dezember um 9 Uhr fortgesetzt. - la

Rubriklistenbild: © dpa

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