Karatelehrer Dennis Albrecht gibt Unterricht an der Grundschule am Paulsberg

Wer sich was traut, braucht keine Mutproben

Dennis Albrecht zeigt den Kindern der „Gelben Gruppe“ Bewegungsabläufe des Karate. Links mit dem gelben Gurt reckt seine Tochter Lilien die Faust nach vorne. Auch Klassenlehrerin Anne Eckermann freut sich über den Gast im Sportunterricht.
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Dennis Albrecht zeigt den Kindern der „Gelben Gruppe“ Bewegungsabläufe des Karate. Links mit dem gelben Gurt reckt seine Tochter Lilien die Faust nach vorne. Auch Klassenlehrerin Anne Eckermann freut sich über den Gast im Sportunterricht.

Achim - Mit sicheren und kontrollierten Schritten bewegt sich die siebenjährige Lilien auf ihren Klassenkameraden zu. Die Faust nach vorne gereckt, bringt sie ihn Stück für Stück dazu, vor ihr zurückzuweichen. Karate stand gestern an der Grundschule am Paulsberg auf dem Stundenplan. Unter Anleitung von Schwarzgurt Dennis Albrecht von der Karateschule „Kumadera“ übten die Schüler dabei nicht nur die typischen Bewegungsabläufe dieser fernöstlichen Kampfkunst ein, sondern sprachen auch über Werte wie Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Durchhaltevermögen. „Karate ist nicht nur Bretter durchhauen“, betont Albrecht.

Bereits vergangenes Jahr war Dennis Albrecht in der Schule, um an drei Terminen mit allen Klassen der Schule am Paulsberg Karate zu üben. Etwas ähnliches hatte er auch schon an der Grundschule Uphusen angeboten.

Gestern startete das Programm mit der Gelben Gruppe (erste und zweite Klasse), in den darauf folgenden Wochen sind die Rote und die Blaue Gruppe (dritte und vierte Klasse) dran. „Wir sind sehr glücklich über die Kooperation. Neben Selbstverteidigungstechniken vermittelt Dennis Albrecht auch die Botschaft von Karate“, sagt Klassenlehrerin Anne Eckermann. „Dojokun“, was im Japanischen soviel heißt wie das Vermitteln von Werten, sei ein elementarer Baustein in der Lehre des Karate, erklärt Albrecht. Das komme auch bei Eltern gut an, bemerkt der Kampfsportlehrer und lacht.

Für die Kinder leicht verständlich, erklärt der Karateka Begriffe wie Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und Mut. „Wisst ihr denn was Mutproben sind?“, fragt Dennis Albrecht. „Nein!“, rufen einige der Sechs- bis Achtjährigen. „Wenn ihr einen Diebstahl begeht oder auf Gleise rennt, nur weil Freunde das sagen und ihr zu den Freunden gehören wollt, dann ist das eher blöd als mutig.“ Ein Junge hebt die Hand zum Sprechen: „Ja, und dann wird man vielleicht von einem Zug überfahren.“ Die Botschaft ist deutlich: Wer sich wirklich was traut, braucht keine Mutproben.

Zur praktischen Seite von Karate gehören die Grundtechniken („Kihon“) Schlagen, Treten, Blockieren. Im „kata“ übt man den Kampf gegen einen imaginären Gegner. Einem echten Gegner müssen sich die Kinder beim Partnerkampf („Kumite“) stellen. „Dabei ist es ganz wichtig, die Bewegungen kontrolliert auszuführen“, sagt der 39-Jährige. Denn die japanische Kampfkunst sei bei falscher Anwendung nicht ganz ungefährlich.

Daneben gab es für die Schüler gestern auch ein Sicherheitstraining. „Bei den jüngsten geht das in Richtung Selbstbehauptung. Dass sie sich zum Beispiel trauen, zu sagen, wenn sie ein Spiel nicht mitspielen möchten.“ Wirklich relevant werden diese Fähigkeiten im Umgang mit fremden Personen. So erklärt Albrecht, was ein Kind tun kann, wenn es im Supermarkt seine Eltern verliert. Wer die Kasse etwa nicht selbstständig finde, könne alternativ eine Mutter mit Kindern um Hilfe bitten.

In Rollenspielen stellt Albrecht mit den Kindern konkrete Situationen nach: „Angenommen, ein fremder Mann setzt sich auf eine Parkbank neben euch.“ Anfangs wehrten sich noch viele gegen die Ansprache durch den Fremden. Doch die wenigsten hielten auch hartnäckigen Überredungskünsten stand. Im geschützten Raum könnten die Kinder sich beim Karate gegen solche Situationen wappnen, erklärt der Karatelehrer.

Am Ende der Stunde setzen sich alle im Kreis mit angewinkelten Knien auf ihre Fersen und Albrecht verabschiedet sich mit dem japanischen Ausdruck „us“, der auch als Begrüßungsformel dient.

ldu

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