Stargast in der „Grünen Stunde“ im Achimer Schützenhof

Jürgen Trittin überrascht

Prominenter Wahlkampfhelfer in Achim. - Foto Brodt

Achim - Nach Sauerkraut, Blitzkrieg und Berufsverbot gibt es ein weiteres deutsches Wort im internationalen Sprachschatz: „Energiewende“. Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin bezeichnete sie in der „Grünen Stunde“ der Achimer Grünen im Kulturhaus Alter Schützenhof als große Erfolgsgeschichte.

Aktuell würden jährlich 85 Milliarden Euro in Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen, aber 115 Milliarden Euro in die erneuerbaren Energien investiert. Ironisch räumte Trittin ein, sich geirrt zu haben, als er die Energiewende mit eingeleitet habe. Bei damals vier Prozent strebte er an 2020 20 Prozent erneuerbare Energie zu haben. Tatsächlich sei diese Marke schon vor Jahren erreicht worden und lieferten die Erneuerbaren schon heute ein Drittel des Energieaufkommens. Landwirte und Genossenschaften statt Großkonzernen seien da eingestiegen.

Am Muttertag zum Beispiel hätten die alternativen Energien 83 und an Pfingsten 110 Prozent des Stroms geliefert. Eindrucksvolle Widerlegung der Mär, dass ohne Atomstrom die Lichter ausgingen.

Natürlich müsse der massenhaft produzierte Strom auch Fernleitungen bekommen, die besonders in Niedersachsen unter Ministerpräsident Wulff versäumt worden seien.

Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) allerdings bremse die Energiewende aus, wenn er die Erneuerbaren verteuere und ihre Gewinnung auf Freiflächen unterbinde, kritisierte der Grüne.

So habe eine Solarfirma mit 400 Arbeitsplätzen deshalb Brandenburg verlassen, um nun für Apple ein riesiges Solarzentrum in Kalifornien zu bauen.

Trittin fordert, die Kohlekraftwerke sozial verträglich vom Netz zu nehmen, was auch die Konzerne wollten.

Nicht nur hier bewege sich die Politik auf falschem Kurs. Auch die Förderung der Dieselautos und die Vernachlässigung der Elektroautos führe in die Irre. Deutsche Dieselautos seien entgegen allen Hoffnungen international nicht gefragt. Die gefragte E-Mobilität sei dagegen nach Korea und Japan abgewandert. Löbliche Ausnahme die Deutsche Post, die sich eigene Elektrotransporter entwickelt habe.

Die deutsche Automobilindustrie könne wegen dieser Fehlentwicklungen die gleiche Krise wie derzeit die Ergiekonzerne erleiden, befürchtet der prominente Grüne.

Zum Fracking überraschte er mit der Aussage, dass es sich hier um das isolierte Interesse weniger Firmen handele, die Energieriesen dies aber schon abgeschrieben hätten und die Finanzmärkte dann die Kurse dieser Firmen unter Ramschniveau abstufen könnten.

Verbieten kann man Fracking nach Aussage Trittins nur, wenn man das aus der Kaiserzeit stammende Bergrecht endlich ändere.

Moderatorin Silke Thomas dankte dem prominenten Wahlhelfer mit Kasch-Sekt und selbst produziertem Gelee aus Löwenzahn und Gänseblümchen. 

mb

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