Die Weltkriege vor 100 und 75 Jahren in Achim

Hamsterer, Helden und Hitler-Putschisten

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Schnappschuss vom Achimer Lazarett.

Achim - Am Wochenende wurde überall der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht. Die beiden Weltkriege, die auch unsere Region betrafen, liegen etwa 100 beziehungsweise 75 Jahre zurück.

Vor 100 Jahren tobte der Krieg besonders in Osteuropa und Frankreich, wo man zum Beispiel in Verdun den mörderischen Stellungskrieg mit mehr als 800.000 Toten führte. Das Achimer Kreisblatt berichtete regelmäßig von der Front und auch von einer schlechten Versorgungslage in der Heimat.

Kaffeeersatz im Krieg.

Die Inhaber von Textilwaren traf so die Ausdehnung der Bezugsscheine auf bisher bezugsscheinfreie Waren wie Webwaren und Kleider vor dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft recht hart. Eine Reichsbrotmarke sollte die Grundernährung sichern. Für Kartoffeln, die auch von einer Pilzkrankheit befallen waren, wurden Höchstpreise festgesetzt. Auch über wucherische Salzpreise wird geklagt, während in Eisenbahnzügen nach Hamsterern gefahndet wird, Schwarzhändlern, die Butter, Eier oder Futtergerste in Körben, Säcken und Paketen verschleppen, um dunkle Geschäfte zu machen.

So wurde auch eine mit allerlei Nahrhaftem bepackte Schwarzhändlerin aus dem Zug in der Nähe Verdens geholt und festgenommen.

Das Lazarett des Vaterländischen Frauenvereins in der Villa Richtering, dem späteren Achimer Rathaus, feierte sein zweijähriges Bestehen mit Liedern und Reden für den vaterländischen Krieg, und der Leitende Arzt Dr, Riekenberg, brachte ein Hoch auf den „Allerhöchsten Kriegsherrn, seine Majestät den Kaiser“, aus.

In Hemelingen sammelte man Weihnachtsgaben für die Kameraden an der Kriegsfront, die Verwundeten und die Kriegsgefangenen. Jeden Tag veröffentlichte das Achimer Kreisblatt Feldpostgrüße und die Namen von Gefallenen.

Vor 75 Jahren im Zweiten Weltkrieg, also 1941, mit dem barbarischen und letztlich gescheiterten Feldzug gegen die Sowjetunion, der Eroberung der Krim, den Schlachten in West- und Osteuropa wie Afrika, wurde die Bevölkerung mit unwahren Erfolgsmeldungen der braunen Propagandisten trotz erheblicher Verluste und Entbehrungen bei Laune gehalten.

Die Nazis hatten zum 9. November eine Art Heldengedenktag inszeniert mit Veranstaltungen in allen Orten, bei denen nicht nur der „heldenhaften Kämpfer“ des Ersten Weltkriegs gedacht wurde, sondern auch die Putschisten um Hitler, am 8./9. November 1923 im Münchener Bürgerbräukeller und beim Marsch zur Feldherrnhalle, in eine Reihe mit den „Nationalhelden“ gestellt wurden.

Überfüllt war so zum Beispiel der Achimer Schützenhof bei dieser NS-Feier. Der stellvertretende Gauleiter Weidenhöfer tönte: „Ein Volk ist immer so viel wert, wie es bereit ist, an Blut zu opfern für das Leben der Nation.“

Und der untertänige Zeitungsschreiber fomulierte zur Feierstunde: „Sie war wie überrall im Reich durchweht vom Flügelschlag des größten Kampfes, den die Weltgeschichte je gesehen und von der unbändigen Gewissheit, dass aus den Gräbern der gefallenen Kameraden das Deutsche Reich herrlicher denn je erblühen wird.“

Hohles Pathos für einen verbrecherischen und mörderischen Überfall auf andere Länder.

mb

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