Kabarettist Uli Masuth im Kulturhaus

Gute Nachrichten, die einen erschaudern lassen

Mit säuselnden Pianoklängen hält Masuth der Gesellschaft ihren Spiegel vor. - Foto: Schmidt

Achim - Von Ingo Schmidt. Der Ex-Wessi und Wahl-Weimarer Uli Masuth war am Sonntagabend im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) angetreten, um dem sprichwörtlichen Pessimismus der deutschen Bevölkerung mit guten Nachrichten entgegenzutreten.

Gute Nachrichten verhalten sich zu schlechten wie das Quantitative zum Qualitativen, lehr te Masuth seine Gäste. „Von den schlechten Nachrichten gibt es mehr, aber die guten sind besser.“

Getreu diesem Motto drehte der Kabarettist die Welt auf links und zeigt: Euro-Griechenland-Krise, der Sprachverfall durch das Lesen von Hörbüchern, lebensalterszeitverlängernde Lebensmittel, Freihandelsabkommen, Fifa-Filz-Fabrik und eine familienfreundliche Armee haben bei genauer Betrachtung auch ihre guten Seiten, wenn auch in geringem Maße.

„Hirnforscher unterscheiden bei Menschen zwischen zwei Kategorien“, erklärte Masuth im ausverkauften Blauen Saal. Die einen Menschen wollten lieber gute Nachrichten hören, die anderen schlechte bevorzugen – zu den zweiten würden mutmaßlich die Deutschen zählen: Sie verlängern den Tunnel, sobald sie Licht an dessen Ende erkennen. Sie kleiden sich in fröhlichem Grau, frischem Anthrazit oder bestenfalls in einem mutigen Beige. „Ach, das wird heut‘ wieder nix“, sei hierzulande die allmorgendliche Grußformel. „Warum nur wollen so viele Flüchtlinge zu uns kommen?“, fragt der Kabarettist und Pianist Uli Masuth. Der Anblick fröhlicher und dankbarer Flüchtlingskinderaugen verstöre den Deutschen, er schüre das Angstszenario und gefährde ihre Miesepeter-Identität.

Zum Glück gebe es zahlreiche gute Nachrichten: „Merkel liebt ihr Volk“, sei eine solche. Während ihrer Afrikareise habe sie den Bewohnern nicht versprochen, die Küstengewässer weiter leerzufischen. Sie habe nicht versprochen, den Märkten eine reale Chance zu geben, indem Europa aufhöre den schwarzen Kontinent mit Billigprodukten zu überschwemmen. Sie habe nicht versprochen, dem Ausverkauf des Landes durch multinationale Konzerne Einhalt zu gebieten. Nein, all das versprach sie nicht, weil sie ihr Volk liebe. Denn die Einbußen wären sehr viel schwerwiegender als die Kosten durch den Flüchtlingszutrom, wusste der Nachrichtenüberbringer.

Mit den Waffen der Ironie und des Sarkasmus, aber immer charmant und begleitet durch säuselnde Pianoklänge, hielt Masuth der Gesellschaft ihren Spiegel vor.

Bei den ausschließlich guten Nachrichten könnten alle ohne Schadenfreude lachen, versprach er seinem Publikum – und auch nachhaltiger. Nachhaltiger seien ferner die jüngsten Entwicklungen der britischen Waffenschmiede BAE Systems. Die „grüne“ Munition enthielte künftig weniger Blei, die Granaten würden weniger rauchen und die Sprengsätze heißer detonieren bei gleichbleibend hoher Tötungsqualität. Aber keine Bange, man müsse sich als Waffenexporteur keine Sorgen machen, dies sei die gute Nachricht, denn weltweit schieße man weiterhin deutsch: „Mit unseren Waffen unterstützen die Saudis den Islamischen Staat, dem wiederum bieten die Kurden mit deutschem Kriegsgerät Paroli.“ Weil man aber alle Parteien gleichberechtigt behandeln müsse, nutzten türkische Soldaten deutsche Waffensysteme im Kampf gegen Kurden. Das sei eine unglaublich gute Nachricht für das Geschäft, so Masuth.

In dieser Weise und mit allerlei weiteren guten Nachrichten verbreitete der gebürtige Duisburger nachdenkliches Schaudern bei gleichzeitiger bester Laune auf den Rängen. „Ich danke, dass ich hier sein musste, ohne sie hätte ich das nie gemacht“, verabschiedete sich der Kabarettist. Die Zuhörer ließ er mit der Gewissheit zurück, dass die Welt gar nicht so schlecht sei –– sondern erheblich schlechter. Aber irgendwie nahm ihm das keiner übel, denn die Achimerinnen und Achimer lieben Uli Masuth, auch nach seinem fünften Auftritt im Kasch.

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