Zoll beschlagnahmt Sendung aus Äthiopien

Große Pakete mit Khat statt Kräutern für Haarbehandlung

Achim - Zwei große Pakete voll Khat, insgesamt 17 Kilo schwer, wollten zwei junge Männer aus Achim in Empfang nehmen. Doch die Sendung aus Äthiopien fiel dem Zoll in Verden auf und wurde ihnen nicht ausgehändigt.

Ein 23-Jähriger aus Somalia, der in einer Sammelunterkunft in Achim wohnt, musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten und erhielt eine Freiheitsstrafe zur Bewährung.

Der Angeklagte sagte mit Hilfe eines Dolmetschers aus, dass die Pakete an ihn addressiert, aber für einen Mitbewohner bestimmt gewesen seien. Der gleichaltrige Somalier, der wie er selbst seit zweieinhalb Jahren in Deutschland lebe, habe eine „kleine Geburtstagsüberraschung von einem Freund in Äthiopien“ erwartet. Weil der Mitbewohner im Gegensatz zu ihm einer Beschäftigung nachgehe, habe er sich bereit erklärt, die Post in Verden abzuholen. Als aber der Termin beim Zollamt im Dezember 2015 anstand, sei der Landsmann dann doch mitgekommen. Der Anblick der beiden großen Pakete und des Inhalts hätten ihn in einen „Schockzustand“ versetzt, sagte der Angeklagte. „Da war Khat drin, und ich weiß, dass das in Deutschland verboten ist.“

„Khat, was ist das?“, wollte Richter Matthias Hahn wissen. „Das kaut man in ganz Ostafrika“, antwortete der junge Mann.

Das dort als „Alltagsdroge“ geltende leichte Rauschmittel sei von ihnen nicht bestellt worden, beteuerte der Mitbewohner im Zeugenstand. Und der befreundete Äthiopier habe nicht gewusst, dass Khat in der Bundesrepublik illegal ist.

Die aus „unbekannten Pflanzenteilen“ bestehende Ware sei ihnen verdächtig vorgekommen und deshalb eine Probe davon zu einem Untersuchungsinstitut nach Hamburg geschickt worden, sagte ein Zollbeamter vor Gericht aus. Im Februar habe das Labor das Ergebnis mitgeteilt: Es handele sich um „getrocknetes Khat mit erhöhtem Wirkstoff“. Der Beschuldigte habe gegenüber dem Zollamt die Ware hingegen als „Kräuter für Haarbehandlung“ deklariert.

„Die Aussage des Beamten widerspricht Ihren Angaben fundamental“, hielt Richter Hahn dem Angeklagten vor. Dieser beharrte darauf, dass das Khat für den Mitbewohner gedacht gewesen sei.

Die Oberstaatsanwältin sah den arbeitslosen, nicht vorbestraften Somalier nach der Beweisaufnahme für überführt an, unerlaubt Betäubungsmittel nach Deutschland mittelbar eingeführt zu haben. Der Wirkstoffgehalt von 27,9 Gramm Khatominbase sei erheblich. Die Anklägerin beantragte eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, über einen Zeitraum von drei Jahren, zuzüglich 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Richter Hahn baute dem Angeklagten kurz vor dem Urteil noch eine Brücke: Ein Geständnis, sagte er, könne strafmildernd wirken. Daraufhin räumte der 23-Jährige die Tat ein. So kam er am Ende mit vier Monaten Bewährungsstrafe plus der Arbeitsauflage davon. - mm

Rubriklistenbild: © dpa

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