Uphuserinnen prangern Untätigkeit der Behörden an

G9-Wechsel: Realschüler auf dem Abstellgleis

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Manuela Helfer und Gaby Köster mit einem Schreiben der Landesregierung. 

Achim - Mit dem Wechsel vom sogenannten Turbo-Abitur zurück zum Abitur nach 13 Jahren (von G8 zu G9) wurde der Weg zur Hochschulreife entschleunigt, doch einige Schüler geraten regelrecht aufs Abstellgleis. Da 2020 ein ganzer Abiturjahrgang wegfällt, verlieren die Realschüler, die zum Sommer 2017 auf das Gymnasium wechseln möchten, ein ganzes Jahr. Trotz guter Leistungen bekommen sie ihr Abi erst nach 14 Jahren.

Im Landkreis Verden betrifft das 40 Schüler (in Niedersachsen laut Kultusministerium 2500), die bisher über keinen Schulplatz für 2017 verfügen. Auch die Söhne von Gaby Köster und Manuela Helfer aus Uphusen. Und mit ihren 15 Jahren wären sie zu jung, um die Zeit mit einer Ausbildung zu überbrücken. „Das hat die Landesschulbehörde einen kompletten Jahrgang vergessen“, beschwert sich Köster, die die Rückkehr zu G9 grundsätzlich befürwortet. Seit Januar versucht sie sich mit Mitstreiterin Helfer bei Politik und Behörden Gehör zu verschaffen, hatte aber oft das Gefühl belächelt zu werden: „Ich fühle mich wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft.“

Die derzeitige Situation widerspreche der viel beschworenen Durchlässigkeit der Schulformen, nämlich dem Recht, bei entsprechend guter Leistung einen höherwertigen Abschluss zu erwerben.

Es gibt zwar mit den Berufsbildenden Schulen (BBS) Verden eine Bildungseinrichtung, die den entsprechenden Jahrgang abietet, jedoch sei dieser bereits überlaufen. Schüler bekommen nicht automatisch einen Platz, sie müssen sich bewerben. „Außerdem hätten wir von Uphusen aus mindestens 80 Euro Fahrtkosten im Monat“, erklärt Helfer. Denn nach der 10. Klasse werden Fahrtkosten nicht mehr erstattet.

Die anderen beiden Schulformen, die die Einführungsphase für Realschüler anbieten, sind die Integrierte und die Kooperative Gesamtschule. Im Landkreis wäre das die IGS Oyten, die im Jahr 2020 aber noch kein Abitur anbietet. „Wir haben alle Möglichkeiten abgeklopft, auch Privatschulen“, so Helfer.

Auch beim Cato Bontjes van Beek-Gymnasium in Achim haben die beiden Mütter angefragt. Schulleiter Dr. Stefan Krolle, der auch gerne eine Antwort für die „Sitzenbleiber“ vom Gymnasium hätte, sei grundsätzlich offen dafür, 2017 die starken Realschüler aus dem Landkreis aufzunehmen. Räume stünden ebenfalls zur Verfügung. Doch für die zusätzlichen Lehrer braucht er das Okay der Landesschulbehörde – und das steht noch aus. Immerhin sei Ende Dezember ein Gespräch mit Landrat Peter Bohlmann geplant, habe Krolle verlauten lassen. Das geht Manuela Helfer und Gaby Köster zu langsam: „Den Kindern läuft die Zeit weg, im Januar müssen sie sich anmelden.“ 

ldu

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