Gutachter: Ortsteildenken dominiert in Achim 

„Bescheidenes Wir-Gefühl“

„Das Zukunftshaus Achim“.

Achim - Von Manfred Brodt. „Achim hat ein sehr bescheidenes Wir-Gefühl. Das ortsteilbezogene Denken dominiert.“ Die Identifikation mit dem Stadtteil sei groß, die mit der ganzen Stadt klein, ist in dem 59-seitigen Gutachten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGST) für die Stadt Achim zu lesen. Dabei sollte gerade das Gutachten der Weserstadt zu ihrer Identität und dem Leitbild verhelfen.

Das schafft das Gutachten nicht im entferntesten, wie schon einmal in seiner Kurzvorstellung von uns kritisiert worden ist. Das empfohlene „Zukunftshaus Achim“ aus Wirtschaft, Wohnen und Bürgerengagement als Leitbild ist eher eine Binsenweisheit.

Dennoch enthält das Gutachten im Analyseteil viele oft nicht neue, aber interessante und richtige Aussagen, wenn man von den nicht gerade überraschenden Feststellungen absieht, dass Achim als Mittelzentrum an der Weser und am Bremer Kreuz liege.

Zutreffend ist sicher, dass das Ortsteildenken in Achim extrem ausgeprägt ist, was nicht nur an den bundesweit seltenen Ortsschildern mit dem Ortsteil in großen und der Gesamtstadt in kleinen Buchstaben auffällt, sondern auch an zwei Feuerwehrhäusern zweier benachbarter Ortsteile Embsen/Achim und Uesen/Baden, was das Gutachten kritisiert.

Nicht neu ist, dass die Kernstadt Achim geschäftlich, kulturell und für Jugendliche, die das Kapital der Stadt seien, nicht attraktiv genug sei und zu geringe Bindung zu den Ortsteilen habe. Der Marktplatz von Achim sei Dodenhof, wird einmal provokativ in dem Gutachten zitiert.

Verantwortlich dafür machen die Gutachter aus Köln bürokratische und planerische Hürden für Geschäfte, den schlechten Zustand vieler Innenstadthäuser und das geringe Interesse von Eigentümern an einer Modernisierung und natürlich die Konkurrenz durch Dodenhof, Weserpark und Bremen.

Durch aktivere Ansiedlungspolitik, schmucke Fassaden, höhere Aufenthaltsqualität durch neue Plätze, konsumfreie Treffpunkte und neue Angebote sollte das Stadtzentrum aufgewertet werden, ohne den Geschäftsgiganten in der Nachbarschaft Konkurrenz machen zu wollen.

Das Gutachten sieht in der nördlichen Innenstadt beim Bahnhof mit dem Ankergrundstück Lieken Chancen, durch innovative Ansiedlungen die Situation der ganzen Innenstadt und der „Vogelsiedlung“ zu verbessern.

Da durch die digitale Welt die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwämmen, könnte in diesem Quartier auch Nähe zwischen Betrieb und Wohnung geschaffen werden, heißt es.

„Aneinanderreihung von Dörfern“

Achim wird von den Gutachtern als Aneinanderreihung von Dörfern, als Schlafstadt oder auch als sehr persönlich und heimatbezogen bezeichnet. Auf jeden Fall ist es mit seiner Traumlage am Rande der Großstadt, an zwei Autobahnen, an der Weser und an überregionalen Bahnstrecken mit zwei Bahnhöfen wirtschaftlich stark.

Die Bilanz der Aus- und Einpendler ist fast ausgeglichen, 14 700 Beschäftigte haben ihreb Wohnsitz in Achim. Achim hat die meisten umsatzsteuerpflichtigen Betriebe im Kreis, aber Verden trotz weniger Betriebe doppelt so hohe Umsatzsteuereinnahmen.

Achim ist eine reiche Stadt mit hoher Kaufkraft, die wie in Verden bei 106 Punkten liegt. Während Verdens Einzelhandel allerdings bei seinen Einwohnern und denen des Umlandes eine Kaufkraftabschöpfung von 125 Punkten erzielt, liegt die in Achim nur bei 67 Punkten.

Achim ist eine Stadt für Familien mit Kindern mit vielen in den letzten zehn Jahren entstandenen Wohnhäusern auf mehr als 125 Hektar und einem gerade in diesen Jahren enorm ausgebauten Kindergarten- und Schulwesen.

Allerdings sieht das Gutachten eine Schieflage: 20 Millionen Euro oder 74 Prozent des aktuellen Haushalts werden zur Zeit vorwiegend in Krippen, Kita, Schulen, Gewerbegebiete und Straßen investiert, aber nur 90 000 Euro oder 0,3 Prozent in die Entwicklung der Innenstadt.

Ein Plus Achims seien sicher die 200 Vereine, darunter 27. Sportvereine, mit 11 000 aktiven Mitgliedern.

So kommen die Experten zu der sicher nicht originellen Feststellung, dass Wohnen und Wirtschaft für Arbeitnehmer und Unternehmer, die die Stadt mit Einkommens- und Gewerbesteuer finanzieren, neben dem Engagement und Gemeinsinn der Einwohner das Fundament der Stadt bildeten. Ein Leitbild, Leitplanken, Visionen für die Stadt sind das aber auch nicht.

Auch die Idee der Gutachter, „Achim eine starke Lage.... zum Wohnen, Wirtschaften, eine starke Gemeinschaft“ ist höchstens ein Marketingslogan.

Die Werbung mit der starken Lage am Bremer Kreuz ist sicher für Unternehmensansiedlungen ein Trumpf, aber kein Leitbild. Man erinnere sich, dass der inwischen verstorbene Schriftsteller Walter Kempowski in einem Heimatbuch des Landkreises Verden über Oyten geschrieben hatte, das Schönste an Oyten sei das Bremer Kreuz, über das man schnell am Ort vorbeifahren könne.

Ein Leitbild mit Achim am Bremer Kreuz als Vorort von Bremen wäre sicher eher eine Bankrotterklärung. Im neuen Jahr wird es in den Gremien des Rates und in Einwohnerversammlungen weiter heißen: „Achim, quo vadis?“

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