Opfer hat Erinnerungslücken

Prozess vor dem Schöffengericht: Axthiebe treffen Kopf und Bein

Achim - Schlug der Angeklagte tatsächlich, wie von der Staatsanwaltschaft angegeben, mit einer Axt zweimal mit voller Wucht auf sein Opfer ein? Der 41-jährige Beschuldigte aus Oyten äußerte sich am Montag vor dem Schöffengericht in Achim nicht zu dem Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung.

Das Opfer, ein ebenfalls 41 Jahre alter Mann aus Polen, der als Zeuge gehört und dabei von einer Dolmetscherin unterstützt wurde, erinnerte sich nur lückenhaft an das Geschehen am 29. Juli 2014. Er war damals ziemlich betrunken.

Der Pole, der zusammen mit einer Frau in Oyten ein Kind hat, gab vor Gericht an, früher als Fliesenleger gearbeitet zu haben. Von dem Angeklagten, ein Deutsch-Türke, der ebenfalls eine Dolmetscherin zur Verfügung hatte, habe er in jenem Sommer den Auftrag erhalten, dessen Wohnzimmer und Küche zu renovieren. Er habe dort die alten Tapeten ab- und die Fußböden rausgerissen sowie die Decken und Wände verputzt.

„Und was sollten Sie dafür als Lohn bekommen?“, fragte ihn Andreas Minge, Vorsitzender Richter. „Über 1000 Euro“, sagte der Pole nach einigem Zögern. „Oder auch 2000 Euro. Ich erinnere mich nicht so genau.“ Eine Antwort, die noch mehrfach zu hören sein sollte. „250 Euro oder so“ habe er als Anzahlung bekommen.

Als er nach „vielen Telefongesprächen“ den vereinbarten Lohn immer noch nicht erhalten habe, sei er am 29. Juli 2014 bei seinem Auftraggeber vorstellig geworden, um endlich an den ausstehenden großen Restbetrag zu kommen. Nachdem er an diesem Tag nach eigenen Angaben sechs Halbe-Liter-Flaschen Bier getrunken hatte, habe ihn ein Bekannter zu der Wohnung des Oyteners gefahren. Nach einer kurzen Begrüßung auf der Straße sei die Situation dann eskaliert.

„Der Typ verschwand in der Garage und kam bald wieder heraus, wobei er etwas unter seiner Kleidung verbarg“, schilderte der Zeuge. Plötzlich sei eine Axt zum Vorschein gekommen, womit der Angeklagte unvermittelt auf ihn eingeschlagen habe. „Er verletzte mich am Kopf, fügte mir eine Platzwunde im Gesicht zu, wodurch mir übel wurde, und dann noch mit dem stumpfen Teil am Bein, das dadurch gebrochen wurde“, gab die Dolmetscherin wieder. Die Extremität tue ihm heute noch weh. Er könne deshalb auch nicht mehr arbeiten. „Der Täter hat einen Invaliden aus mir gemacht.“

Die laut der Anklageschrift ärztlich diagnostizierte Gehirnerschütterung stellte der Pole, der in dem Verfahren auch als Nebenkläger auftritt, allerdings in Abrede. Nein, die habe er nicht erlitten, sagte er auf Nachfrage von Richter Minge. Daher rührten keine Erinnerungslücken oder gar falsche Wahrnehmungen.

Die beiden Verteidiger des Angeklagten führten in diesem Zusammenhang die mehrfachen Vorstrafen des Zeugen wegen Trunkenheitsfahrten an. Und legten nach: Aufgrund seiner Alkoholkrankheit gebe es Zweifel an der Glaubwürdigkeit.

Der Fahrer, der laut dem Polen Schlimmeres verhindert hat, indem er dazwischen gegangen sei und die Polizei alarmiert habe, sprang ihm gestern nicht beiseite. Denn ausgerechnet dieser wichtige Zeuge erschien nicht zu dem Strafverfahren. „Der ist für drei Wochen in die Türkei geflogen“, erfuhr Minge nach mehreren Telefonaten. Dieses Schwänzen des Gerichtstermins werde den Mann teuer zu stehen kommen, schäumte der Richter, und setzte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit aus. 

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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