Für die Anwohner am Achimer Oertel war gestern ein Feiertag

Krähenklappe knallt nun und vertreibt die Vögel

Klaus Barfuß, der Erfinder und Vorkämpfer der Krähenklappe, schlägt schwungvoll die Bretter zusammen und erzeugt den gewünschten Knalleffekt, der die Vögel verjagt.
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Klaus Barfuß, der Erfinder und Vorkämpfer der Krähenklappe, schlägt schwungvoll die Bretter zusammen und erzeugt den gewünschten Knalleffekt, der die Vögel verjagt.

Achim - Von Manfred Brodt. Für Klaus Barfuß und seine Nachbarn im Oertel war gestern ein Feiertag. Erstmals in diesem Jahr nahmen sie ihre hölzerne Krähenklappe wieder in Betrieb nach jahrelanger Prozessiererei mit dem Kreis und mit dem rechtlichen Segen des hohen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg. Sie wollen mit der an einer Eiche befestigten laut knallenden Klatsche verhindern, dass sich wieder ihre ungebetenen Nachbarn hier einnisten, die krächzenden und kotenden Saatkrähen.

Elektroingenieur i.R. Klaus Barfuß hatte vor Jahren aus zwei mit Drehgewinden verbundenen Holzbrettern von jeweils einem dreiviertel Quadratmeter, die schwungvoll gegeneinander geklatscht werden können, dieses patentverdächtige Instrument gegen die schwarzen Vögel entwickelt. Die Klappe und vom Tonband abgespielte Schreie des Jagdfalken vertrieben die Krähen. Die Naturschutzbehörde des Landkreises Verden fand es gar nicht lustig, und verbot es. Das von Barfuß angerufene Verwaltungsgericht Stade, das zunächst die Krähenklappe als Kompromiss gebilligt hatte, verwarf dann 2014 aber nach einer Gerichtsverhandlung im Achimer Rathaus alle derartigen Vergrämungsmaßnahmen in Bausch und Bogen. Wer am Waldrand wohne, müsse die auf 1000 angewachsene Vogelschar mit ihren Belästigungen rund um die Uhr hinnehmen, lautete der Tenor.

Die Berufungsinstanz, das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, kassierte dann jedoch 2015 das Stader Urteil fast komplett und erlaubte den geplagten Anwohnern am Oertel die akustische Vergrämung der Saatkrähen bis zu einem Bestand von 60 bevölkerten Nestern. Die akustische Vertreibung der Vögel sei mit dem Naturschutzgesetz und dem Europarecht vereinbar, da die Vögel nicht verletzt, die Population nicht gefährdet und die Nester nicht zerstört würden, schrieben die Lüneburger Richter ihren Stader Kollegen ins Stammbuch. Das Sprichwort, dass eine Krähe der anderen kein Auge auskratze, wurde so zumindest in den Reihen der Justiz widerlegt.

So feierten gestern Barfuß & Co. bei Bockwürsten, Bierchen und Sekt ihren juristischen Erfolg, an den sie nach Jahren nicht mehr geglaubt hatten, und schritten zur Tat.

Der beachtliche Lärm der zusammen knallenden Bretter machte auch eine Nachbarin von der Verdener Straße aufmerksam, der die Krähen „alles vollkacken“, und Hundebesitzer auf der Hundewiese am Oertel. Sie und alle anderen dürfen jetzt auch die Krähenklappe betätigen. Die Initiative am Oertel hat mit der Stadtverwaltung vereinbart, dass sie sich an die Zeiten der Rasenmäherverordnung plus Sonntag hält.

Damit soll dann vor der Brutzeit bis Anfang April besonders morgens und abends den Hunderten anfliegenden Krähen verdeutlicht werden, dass sie sich hier erst gar nicht niederlassen sollen.

Vergrämungsmaßnahmen in anderen Achimer Wohngebieten durch das frühzeitige Entfernen der Nester, wie es die CDU gefordert hatte, wird es übrigens nicht geben, da die Naturschutzbehörde des Landkreises das nur für besondere Orte wie Kindergärten, Spielplätze oder Schulen zulassen will.

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