Uphuser will sich nicht vor vollendete Tatsachen stellen lassen

Angst, dass seine Störche Achim-West verlassen müssen

Direkt hinter Diers’ Haus und dem Storchenmast würde das Gewerbegebiet Achim-West beginnen. Links ist die A1 mit Vitakraft. Von dort käme eine Brücke ins grüne Feld. Wo die Büsche stehen, verliefe die große Erschließungsstraße für Achim-West.

Uphusen - Von Manfred Brodt. Schon seit zehn Jahren wohnt bei dem Uphuser Rudolf Diers auf einem hohen Mast im Garten des Hauses Surhaken 16 eine zweite Familie namens Adebar.

Nun hat der 69-jährige Uphuser große Angst, dass seine geliebten Störche verschwinden müssen wegen des Jahrhundertprojekts Achim-West, einer neuen Gewerbefläche von rund 100 Hektar direkt vor seinem Haus am Bremer Kreuz mit neuen Brücken, Straßen und Autobahnanschluss.

Seit zehn Jahren bietet Rudolf Diers mit dem von der Jugendfeuerwehr Uphusen im Rahmen einer Naturschutzaktion aufgestellten Mast in seinem Garten einen Horst, hat Jahr für Jahr den stolzen Vögeln und ihren Kindern Namen gegeben und penibel aufgelistet, wann Familie Storch gekommen ist und Nachwuchs bekommen hat. Zuletzt hatten am 2, März zwei aus südlichsten Gefilden gekommene Störche bei ihm ihr Sommerquartier genommen und hatten am 6. Mai Nachwuchs bekommen. Jule und Jakob heißen die Kleinen.

Angst um seine tierischen Freunde hat der Uphuser bekommen, nachdem ihm der Storchenbetreuer des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Frank Erdmann aus Bassen, mitgeteilt hatte, er sei vom Landkreis Verden darauf hingewiesen worden, dass der Storchenhorst nöglicherweise wegen des großen Gewerbegebietes und der dazugehörigen Straßen verlegt werden müsse nach Embsen.

Rudolf Diers will klare Worte von den Verantwortlichen der Stadt. - Foto: Brodt

Den Storchenbeauftragten aus Bassen hat das auf die Palme gebracht, wie er uns bestätigt. Das widerspreche dem Naturschutzgesetz, denn ein besetzter Horst dürfe nicht umgesetzt werden. Frank Erdmann kündigt dem Kreis für diesen Fall eine einstweilige Verfügung mit Androhung einer Geldstrafe an.

Klaus Saalfeld von der Naturschutzbehörde des Landkreises sieht uns gegenüber die Angelegenheit weitaus moderater. Er habe nur darauf hingewiesen, dass durch das Gewerbegebiet Achim- West und vor allem die Brücke über die A1 sowie die neue Erschließungsstraße zum neuen Autobahnanschluss an der A27 und die Landesstraße 158 das Tötungsrisiko für die nach Norden fliegenden Störche signifikant steigen würde. Das könne er nicht einfach hinnehmen und habe deshalb Überlegungen zu einem anderen Standort für die Tiere angestellt.

Den „Storchenvater“ regt auf, dass die Stadt Achim, nachdem sie im November das Planfeststellungsverfahren für Achim-West beschlosen hatte, alles hinter seinem Rücken mache. Er fürchtet, dass er nach dem von privaten Firmen betriebenen Planfeststellungsverfahren vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

So hat er Bürgermeister Rainer Ditzfeld angerufen und wollte von ihm klipp und klar wissen, ob man ihm seine Störche nehmen wolle. Der Bürgermeister versuchte zu beruhigen, Achim-West komme doch vor 2020 sowieso nicht und die ersten Gewerbehallen stünden nicht vor 2025. Doch das ist Rudolf Diers egal: „Selbst wenn es bis 2050 dauert, ich will jetzt wissen, ob die Störche weg müssen oder nicht.“ Das will er vom Bürgermeister, seinem Stellvertreter Kettenburg und den Fraktionsvorsitzenden in Achim hören.

Vogelfreund Diers sieht einen möglichen Kompromiss darin, dass der Lärmschutzwall vor seinem Haus ein paar Meter höher geplant und gebaut wird. Dann wäre Aderbars Flugbahn viel höher und deutlich über dem gefährlichen Autoverkehr.

Wahrscheinlich sorgt er sich aber ganz umsonst, denn für das 100-Millionen-Euro-Projekt Achim-West fehlen nach wie vor etliche Millionen besonders aus Bremen, und im Bundesverkehsrwegeplan bis 2030 mit tausenden Projekten sucht man Achim- West auch vergeblich.

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