Anfang des Zivilisationsbruchs

Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Nazi-Pogromnacht

Aktiv Eigenverantwortung gegen Fremdenhass und Antisemitismus übernehmen – dazu rief der junge Achimer SPD-Vorsitzende Michael Pahl am Mahnmal an der Anspacher Straße auf. Willy Schwarz vom „Bremer Stadtimmigranten Orchester“ begleitete musikalisch mit jiddischen Weisen die Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 und alle weiteren Opfer nationalsozialistischen Terrors.

Achim - Das sei der Anfang des unfassbaren Zivilisationsbruchs gewesen, rief der Achimer SPD-Chef Michael Pahl beim Synagogen-Denkmal an der Anspracher Straße auf der Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Nazi-Pogromnacht in Erinnerung.

Am 9. November 1938 war es auch in Achim zu gewaltsamen Ausschreitungen des braunen Mobs gegen Wohnungen jüdischer Mitbürger und diese selbst gekommen. Die Einrichtung der Synagoge wurde unter dem Jubel eines Teils der Bevölkerung öffentlich verbrannt.

Rund 400 Tote gab es bei den organisierten Übergriffen während dieser Nacht in ganz Deutschland. Abermillionen Juden und Angehörgige andere Minderheiten wurden später in Konzentrationslagern ermordet.

Pahl forderte angesichts dieses allerfinstersten Teils deutscher Geschichte „aktiv Eigenverantwortung“ gegen aktuell wieder aufkeimende Formen von Fremdenhass und Antisemitismus zu übernehmen.

Um die 40 Achimerinnen und Ac himer nicht nur von SPD und Grünen kamen zur Gedenkveranstaltung mit anschließendem Rundgang zu den „Stolpersteinen“, die an von den Nazis ermordete jüdische Achimer Bürger erinnern. - Fotos: Laue

Ganz konkret wurde es dann beim Rundgang der Gedenkveranstaltungsbesucher durch die Innenstadt zu den mit Namen versehenen „Stolpersteinen“, die als „Erinnerungshilfen“ an verfolgte und getötete Achimer Bürger oder sogar ganze Familien wirken. So ist einer dieser Steine, an denen Blumen niedergelegt wurden, dem Fleischer Albert Seligmann und seiner Frau Jenny gewidmet, die 1942 zunächst ins Ghetto Theresienstadt und dann ins Vernichtungslager Treblinka deportiert wurden.

Seligmann war von 1913 bis 1932 Obermeister der Fleischerinnung und wurde als Mitglied der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei mehrfach inhaftiert, bevor ihn die Nazis 1937 zwangen, wegen angeblicher Steuerhinterziehung den gesamten Betrieb zu schließen.

Stationen aus dem Leben der Seligmanns trug am Ort ihres einstigen Geschäfts Axel Eggers von den Achimer Grünen beim Rundgang vor.

Zum Ende der Gedenkveranstaltung legten nach weiteren Zwischenstationen Edith Bielefeld und Gudrun Wittekindt am Mahnmal ein Gesteck zur Würdigung der Opfer des Nationalsozialismus nieder, bevor Willy Schwarz den musikalischen Schlusspunkt an diesem eisigen Novemberabend setzte. 

la

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