Vorwurf der Tierquälerei

Schweinemäster wegen Tierquälerei zu 1625 Euro Geldstrafe verurteilt

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Ein Justizbeamter muss im relativ engen Verhandlungssaal des Amtsgerichtes in Zeven die Sitzordnung von Zuhörern, Pressevertretern und Tierschützern organisieren.

Zeven - Ein Schweinemäster aus dem Kreis Rotenburg ist wegen Tierquälerei in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 1625 Euro verurteilt worden. In weiteren fünf Fällen sei der Landwirt freizusprechen, urteilte das Amtsgericht Zeven am Montag.

Mit Blick auf das Geständnis - und weil der Mann keine Vorstrafen habe - sei der Strafbefehl in dieser Höhe "Tat und Schuld angemessen", sagte der Richter. "Das System Massentierhaltung zu hinterfragen konnte dieses Gericht nicht leisten, wir konnten nur überprüfen, ob gegen Tierwohl verstoßen wurde."

Landwirt blieb der Verhandlung fern

Der angeklagte Schweinemäster ließ sich von seinem Anwalt Volkhard Kownetka vor Gericht vertreten.

Der angeklagte Landwirt blieb der Verhandlung fern und ließ sich von einem Anwalt vertreten. Die Fälle ereigneten sich im Zeitraum vom Mitte April bis in den Juli 2015. Schweine mit abgerissenen Schwänzen, mit tellergroßen Bisswunden, mit entzündeten, verdickten Gelenken, Schweine mit Darmverschluss, Schweine, die lahmten, die nicht mehr aufstehen konnten - der Staatsanwalt listete die Vorwürfe bei Verlesung der Anklage auf. "Der Angeklagte versäumte es, rechtzeitig einen Tierarzt hinzuzuziehen."

Die Kammer verständigte sich vor Beginn der Beweisaufnahme, vier Fälle von vornherein fallen zu lassen und einzustellen. Insbesondere die in der Mastanlage heimlich gemachten Filmaufnahmen des Deutschen Tierschutzbüros seien nicht im Prozess zu verwerten, sagte der Richter. Das 50-minütige Video unterliege dem Beweisverwertungsverbot. Diese Aufzeichnungen hatten die Ermittlungen gegen den Schweinemäster in Gang gesetzt.

Tiere mussten eingeschläfert werden

Auch die Amtsveterinärin hatte den Mastbetrieb mit seinen bis zu 1750 Schweinen daraufhin ab Mai 2015 mehrfach kontrolliert. Die letzte Kontrolle davor sei im Jahr 2008 erfolgt, sagte die Amtsveterinärin als Zeugin. Sie hatte bei ihrem ersten Besuch im Mai 2015 gleich acht Schweine gefunden, die aufgrund von Folgeerkrankungen des Schwanzbeißens Gelenkentzündungen hatten. Über die Wunde dringen Erreger in den Körper der Tiere ein und verursachen manchmal Gelenkentzündungen oder auch Hautabzesse. Es habe für die Tiere keine Heilungschancen mehr gegeben und sie hätten aufgrund der Erkrankung eingeschläfert werden müssen. "Die Schmerzen für die Tiere sind als stark einzuschätzen", sagte die 44-Jährige.

Geringes Einkommen bei Strafmaß berücksichtigt

In seinem Plädoyer ließ der Staatsanwalt einen fünften angeklagten Fall fallen. "Da kann ich dem Landwirt keinen Vorsatz unterstellen." So seien letztlich nur zwei Taten zu bestrafen. Beim Strafmaß berücksichtigte das Gericht das geringe Einkommen des 51 Jahre alten Landwirts. Nach Angaben seines Verteidigers hat der Vater von drei Kindern ein Nettoeinkommen von 1100 Euro monatlich. Die Strafe lautet 65 Tagessätze a 25 Euro, die in monatlichen Raten von 75 Euro bezahlt werden können.

Jens Peifer (Mitte), Sprecher der Organisation "Deutsches Tierschutzbüro", diskutiert vor dem Amtsgericht in Zeven mit dem Berliner Fleischgroßhändler Willi Hofner (rechts) über Tierschutz und Massentierhaltung.

Als Zeuge geladen war auch der Gründer des Deutschen Tierschutzbüros Berlin, Jan Peifer. Gemeinsam mit etwa 15 Aktivisten hatte er vor dem Gericht mit Großfotos von leidenden Schweinen und Plakaten "Stoppt Tierquälerei" demonstriert. "Wir sind sehr enttäuscht, dass wir nicht vor Gericht gehört wurden", sagte er am Schluss der Verhandlung. Der Richter hatte gemeinsam mit Staatsanwalt und Verteidiger auf seine Zeugenvernehmung verzichtet.

dpa

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