Unterbringung in anderen Lagern

Marokkanische Flüchtlinge nicht mehr im Camp Lehnsheide

Bürgermeister Ralf Goebel schraubt Hinweistafeln an die Sitzbänke im Visselquellen-Park. Bei Nichtbeachtung drohen Platzverweise. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Wilde Gerüchte machten in den vergangenen zwei Wochen in Visselhövede die Runde. Von einer Messerstecherei unter Asylbewerbern war die Rede, von Pöbeleien, Saufgelagen an der Visselquelle, von Diebstählen und Raubüberfällen. „Davon stimmt nicht mal die Hälfte“, betont die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung. „Aber Vorfälle gab es.“ Und die nimmt auch die Stadt zum Anlass, Maßnahmen zu ergreifen.

„Fakt ist nämlich, dass eine Gruppe von Marokkanern schon in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft im Camp Lehnsheide alles dafür getan hat, um negativ aufzufallen“, sagt Dörte Erber, Leiterin der Notunterkunft in der ehemaligen Kaserne. Doch das sei Geschichte, denn drei aus der Fünfergruppe seien nun im Erstaufnahmelager Bramsche untergebracht, einer in einer weit entfernten Gemeinde und nur noch einer befinde sich in Visselhövede. Der Abtransport sei auch sehr auffällig geschehen, um möglichen Nachahmern als Warnung zu dienen, so Erber.

Gerd Hachmöller und Dörte Erber stellen den Menschen im Camp trotz der jüngsten Vorfälle ein gutes Verhaltenszeugnis aus.

Die jungen Nordafrikaner seien gemeinsam mit rund 90 anderen Flüchtlingen vor gut zwei Wochen aus dem Lager Oerbke-Ost nach Visselhövede verlegt worden, „weil das Lager bei Bad Fallingbostel geschlossen wird“, so Gerd Hachmöller, Koordinator für Flüchtlingsfragen beim Landkreis Rotenburg. Die Marokkaner hätten an der Visselquelle an mehreren Tagen eine Menge Alkohol getrunken, es sei auch zu Ladendiebstählen in einem Modegeschäft und in einem Supermarkt gekommen und im Camp hätte die Gruppe andere Flüchtlinge bedroht, aber blutige Auseinandersetzungen habe es nicht gegeben, klärt Erber auf. „Einer der Marokkaner ist allerdings auf der Straße gestürzt und hat sich dabei blutende Wunden zugezogen.“

Dennoch bitten Hachmöller und Erber die Visselhöveder Bevölkerung darum, diese „natürlich unschönen Vorkommnisse“ nicht zu hoch zu hängen und vor allem nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren. „Wir hatten in den vergangenen elf Monaten rund 1.450 Ankünfte von Flüchtlingen und nur zwei Vorfälle dieser Art. Das ist bei der Masse an Menschen eine recht gute Bilanz“, betont Hachmöller.

Das liege allerdings auch darin begründet, dass sich die Flüchtlinge auf dem riesigen Gelände der ehemaligen Kaserne Lehnsheide aus dem Weg gehen könnten und auch private Rückzugsorte hätten. „Da gibt es in manchen Unterkünften im Land schon ganz andere Zustände. Da ist es hier bei uns eher heile Welt“, unterstreicht Dörte Erber, die in ihrer bisherigen Amtszeit auch noch „keinerlei sexuelle Übergriffe“ verzeichnen musste.

Zurzeit leben 124 Menschen aus 28 verschiedenen Nationen im Camp Lehnsheide, das Platz für 450 Menschen bietet. Aktuell stammen die meisten aus Bosnien (15) und Somalia (13). Aber auch die Türken und Afghanen sowie Flüchtlinge aus dem Iran und Irak stellen größere Gruppen. Dass das Zusammeleben dennoch relativ reibungslos klappt, liege natürlich auch am 20-köpfigen Team, das im Camp tätig sei, dankt Hachmöller auf diesem Weg den Betreuern, die beim DRK-Bremervörde als Betreiber des Camps angestellt sind. „Und auch der Ordnungsdienst, der am Tag mit fünf und nachts mit sechs Personen auf dem Gelände ist, leistet tolle Arbeit im Umgang mit den Flüchtligen“, loben Erber und Hachmöller.

Unterkunft schließt

Aber die Tage der Visselhöveder Notunterkunft sind gezählt, denn wie Hachmöller bestätigt, laufe der Vertrag, den der Landkreis mit der Firma JBS als Eigentümerin des 18 Hektar großen Geländes geschlossen habe, Ende des Jahres aus. „Da ist der Landkreis in der Zwickmühle, denn niemand weiß, ob die Flüchtlingszahlen mal wieder steigen werden und wir wieder Platz brauchen. Aber vorsorglich die Räumlichkeiten weiter zu mieten, geht auch nicht“, erklärt Hachmöller das Dilemma. Er persönlich rechne aber nicht damit, dass es noch einmal zu solch einem Ansturm komme wie vor einem Jahr.

Auch wenn der weitaus größte Teil der im Camp untergebrachten Menschen dankbar und bescheiden Stück für Stück die Stadt erkundet, nimmt die Verwaltung die jüngsten Vorfälle rund um die Visselquelle zum Anlass, Maßnahmen zu ergreifen. „Die Kirche hat uns das Hausrecht übertragen, so dass wir zur Not auch Verwarnungen und Platzverweise aussprechen können“, sagt Bürgermeister Ralf Goebel, der am Montag höchstpersönlich entsprechende Hinweise an die Sitzbänke in dem idyllischen Park geschraubt hat. In den vergangenen Wochen sei nämlich beobachtet worden, dass die Grünflächen immer mehr vermüllen würden und Flaschen, Dosen und andere Gegenstände auch im kleinen Visselteich landeten.

„Diese Maßnahme haben wir aber natürlich nicht nur wegen der Flüchtlinge ergriffen, sondern Gruppen von deutschstämmigen Jugendlichen haben in den vergangenen Wochen immer wieder Müllhaufen hinterlassen“, so der Bürgermeister, der bei der Arbeit auch gleich eine Jugendgruppe dabei ertappte, als sie leere Chipstüten ins Gebüsch statt in den Papierkorb warf. „Da war erstmal Aufräumen angesagt.“ Künftig würden Mitarbeiter des Ordnungsamts und auch die Polizei verstärkt ein Auge auf das Gelände werfen.

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