Rotenburger Werke weihen Wohn- und Tagesförderstätte an der Visselhöveder Worthstraße ein

„Werden Teil der Gesellschaft“

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Jutta Wendland-Park, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke, überreicht den Schlüssel für das neue Wohn- und Förderprojekt symbolisch an Carsten Sievers (mit Vater Harald Sievers), der am Freitag von Rotenburg nach Visselhövede ziehen wird. 

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Dass sie jetzt hier sind, ist super für Visselhövede!“ Bürgermeister Ralf Goebel bezeichnete die Ansiedlung der Rotenburger Werke mit einem Wohngebäude mit angrenzender Tagesförderstätte als einen „Glücksfall“ für die Stadt. Und nicht nur er fand bei der Einweihungsfeier am Dienstag lobende Worte für das Projekt, das die bereits vor Jahren gereifte Idee der Werke, aus der Kreisstadt in die Region zu gehen, vorbildlich realisiert.

„Wir wollen uns hier nicht verstecken, sondern ein Teil der Gesellschaft Visselhövedes werden“, betonte Werke- Finanzchef Thorsten Tillner, der für den Bau rund drei Millionen Euro in die Hand nehmen musste.

Jutta Wendland-Park, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke, dankte für die vielen „offenen Arme“ mit denen die Mitarbeiter und Bewohner des neuen Gebäudeensembles in Visselhövede aufgenommen worden seien: „Da war echte Freundlichkeit und Herzlichkeit zu spüren.“

Der stellvertretende Landrat Lothar Cordts (SPD) erinnerte an die in Deutschland „immer noch vorherrschenden Defizite, was die Teilhabe von mehrfachbehinderten Menschen am öffentlichen Leben“ betreffe. „Diese Wohn- und Förderstätte ist hingegen ein echtes Stück gelebte Inklusion.“

Barrierefreies Bauen ist Herausforderung

Norbert Behrens hatte mit einem Team von der Rotenburger Planungsgemeinschaft Nord (PGN) hingegen auch mit Problemen während der Bauphase zu kämpfen, wie er Rüdiger Wollschläger, dem Moderator der Feier, verriet: „Barrierefrei zu bauen, wenn der Höhenunterschied von einer Grundstücksecke zur anderen drei Meter beträgt, ist schon eine kleine Herausforderung.“

Mit der Fertigstellung der Gebäude wagen Menschen mit Behinderung, die in den kommenden Wochen von Rotenburg oder ihren Elternhäusern im Landkreis an die Worthstraße nach Visselhövede umziehen, etwas ganz Neues. Sie werden in dem zentrumsnah und doch ruhig gelegenen Wohnhaus auf einem rund 5 000 Quadratmeter großen Grundstück der Rotenburger Werke leben und die ebenfalls neu errichtete Tagesförderstätte besuchen.

Mit der Eröffnung beider Häuser sind die Rotenburger Werke ihrem Ziel, Menschen mit Behinderung durch mehr dezentrale Angebote die Chance zu eröffnen, inmitten der Gesellschaft zu leben, einen großen Schritt nähergekommen.

Damit Menschen mit schweren Behinderungen nicht aus der inklusiven Entwicklung herausfallen, sind das Wohnhaus und die Tagesförderstätte mit Grundrissen speziell auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe ausgerichtet. „Gute Teilhabemöglichkeiten wurden seitens der Stadt durch einen Fußweg geschaffen, der das Grundstück an das Wohngebiet anschließt und es gefahrlos möglich macht, die Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten zu erreichen“, so Wendland-Park erfreut.

Das zweigeschossige und mit einem Aufzug ausgestattete Wohnhaus ist in fünf Wohneinheiten gegliedert. Im Zentrum gehen jeweils Wohn- und Essbereich nahtlos ineinander über und ermöglichen Begegnungen der Bewohner – ob am Esstisch oder in den Sitzecken. Jeweils fünf bis sechs Einzelzimmer schließen sich an die Wohnbereiche an und bieten mit einer Größe zwischen 15 und 18 Quadratmeter privaten Rückzugsraum.

Warme Holz- und Erdtöne schaffen eine ruhige Wohnatmosphäre, während erfrischendes Blau mit roten Akzenten die Besucher der Tagesförderstätte empfängt. „Dort werden Menschen mit Behinderung in drei Förderräumen und einem Ruhezimmer kreative, musikalische oder motorische Förderangebote wahrnehmen“, erläuterte Hendrik Wachowski, der neue Regionalleiter für das Angebot der Werke in Visselhövede, während der anschließenden Führungen.

Geplant wurden die dezenten Neubauten von dem Architekten Andreas Martin von der PGN. „Darum fällt auch ein Schatten auf die ansonsten doch eher fröhliche Feier. Denn Andreas Martin erlag in der vergangenen Woche seiner schweren Krankheit“, bedauerte Wendland-Park, dass der Architekt die Fertigstellung nicht mehr erleben durfte.

Auf moderne Technik setzte der Bauherr sowohl bei der Ausstattung, der Energieversorgung als auch bei einem innovativen Lichtkonzept, das von der in den Niederlanden ansässigen Firma Emmlight installiert wurde. Die bio-dynamische Beleuchtung simuliert den Verlauf des Sonnenlichtes und schafft so eine natürliche Atmosphäre. „Hierdurch tritt eine Verbesserung des Wohlbefindens des Menschen ein“, so die Fachleute. Durch das Angebot sind in der Stadt 22 neue Arbeitsplätze entstanden. Gefördert wurden das Wohnhaus und die Tagesförderstätte mit 220 .000 Euro durch die Aktion Mensch.

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