Biologe vermutet Insektizid-Einsatz / „Nur in Gifhorn und Lüchow-Dannenberg“

Waldkalkung ohne Gift

Im Landkreisdreieck Rotenburg, Verden, Heidekreis ist laut Landwirtschaftskammer kein Insektizid eingesetzt worden. - Foto: hey

Visselhövede - Von Jens Wieters. Seit einigen Wochen herrscht reger Hubschrauberverkehr im Landkreisdreieck Rotenburg, Verden, Heidekreis. Der Wald wird gekalkt, damit der PH-Wert nicht weiter sinkt. Nun vermutet der Diplom-Biologe Andreas Kühne aus Schafwinkel, dass auch Giftstoffe auf die Bäume zwischen Egenbostel, Jeddingen und Stellichte niederrieseln. „Das stimmt nicht – hier wurde nichts dergleichen eingesetzt“, sagt Karsten Thomsen, Forstoberinspektor der Landwirtschaftskammer.

Fachmann Kühne, der vor einigen Jahren im Visselhöveder Ortsteil Dreeßel beheimatet war, hat in den vergangenen Tagen selbst ein wenig recherchiert und ist zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Insektizid mit den Namen „Karate“ per Hubschrauber verteilt worden sein könnte. „Es hat in der ganzen Region leicht nach organischen Lösemitteln oder Plastikweichmachern gerochen“, schreibt der Schafwinkeler. Das Mittel werde gegen die Kiefernbuschhornblattwespe eingesetzt und sei sehr toxisch. „Darum wundert es mich, dass diese Aktion ohne Vorankündigung und ohne Vorwarnung lief, zumal auch Siedlungen im Raum Schafwinkel, Hof Tadel, Stellichte, Jeddingen, Egenbostel überflogen wurden. Es gab auch keine Absperrungen oder Schilder, die Pilzsammler informiert hätten“, so Kühne.

„Braucht es auch nicht“, so Karsten Thomsen von der Landwirtschaftskammer. „Denn im Landkreisdreieck Rotenburg, Heidekreis und Verden wurde das Mittel nicht angewendet. Lediglich in den Bereichen Gifhorn und Lüchow-Dannenberg ist vom Landwirtschaftsministerium ein Flugeinsatz angeordnet worden, da das Insekt dort große Schäden für die Forstwirtschaft verursacht.“

Auf die in den vergangenen Wochen überflogenen Waldflächen zwischen Kirchlinteln und Scheeßel, Neuenkirchen und Stellichte sei „hundertprozentig nur kohlensaurer Magnesiumkalk“ aufgebracht worden. „Und zwar wie wir es schon seit Jahren machen: Rund 3,3 Tonnen pro Hektar, um den PH-Wert möglichst auf dem aktuellen Wert zu halten. Wenn wir ihn erhöhen wollen, müssten für zehn Tonnen pro Hektar aufbringen“, erläutert Thomsen.

Der eingesetzte Kalk sei völlig ungiftig, nur angesichts der derzeit herrschenden Trockenheit sei die Arbeit sehr staubintensiv. „Ich selber habe mich mal vom Hubschrauber einkalken lassen, nur um zu wissen, was passiert: Außer einer feinen Staubschicht nämlich nichts.“ Die Öffentlichkeit werde durch Mitteilungen in den Zeitungen auf bevorstehende Waldkalkungen aufmerksam gemacht, und Pilze würden wegen des trockenen Bodens zurzeit sowieso nicht wachsen. „Und außerdem gehe ich davon aus, dass Pilzsammler ihre Ernte vor dem Verzehr abwaschen“, so Thomsen.

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