Interview: Olaf Müller startet Samstag bei der Visselhöveder Herbstrallye

„Vollgas ab der ersten Sekunde“

Letzte Checks vor dem Start: Olaf Müller prüft seinen Wagen in seiner Werkstatt in Jeddingen.

Visselhövede - Von Matthias Röhrs. Die Hände umfassen fest das Lenkrad. Äußerste Konzentration herrscht. Der starre Blick ist auf Ralf Goebel gerichtet. Der Visselhöveder Bürgermeister ist es, der am Samstag ab 13.01 Uhr die Startsignale zur diesjährigen Herbstrallye gibt und nach und nach die Fahrer vom Marktplatz aus auf die Strecke rund um die Stadt schickt. Unter ihnen ist auch Olaf Müller, der Lokalmatador. Seit Jahren schon ist er Teilnehmer dieses Rennens und Mitglied in der hiesigen Motorsportgemeinschaft, die die Rallye ausrichtet. Im Interview spricht er mit uns über zweite Plätze, seine Vorbereitung, und warum ihn ein Gesamtsieg auch in diesem Jahr überraschen würde.

Herr Müller, am Samstag ist Ihr „Heimspiel“ oder besser: Ihre „Heimfahrt“ in Visselhövede. Etwas Besonderes?

Olaf Müller: Ja, das ist natürlich immer etwas Besonderes. Es stehen dann immer recht viele Leute, die man fast jeden Tag sieht, am Fahrbahnrand, und gucken zu und jubeln.

Sie gelten als ständiger Zweiter bei diesem Rennen. Warum werden Sie in dieses Mal endlich gewinnen?

Müller: Naja, wenn, dann würden wir vermutlich nur die Klasse gewinnen können. Ein Gesamtsieg bei der Herbstrallye wäre eine ziemliche Überraschung, weil das Auto gegenüber meinem Vorjahreswagen doch schwächer ist.

Ihre bisherige Saison verlief nicht optimal. Woran liegt das?

Müller: Wir hatten zu Anfang ziemlich viele Kinderkrankheiten, weil wir jetzt mit einem anderen Auto unterwegs sind. Da ist dann schonmal der Kupplungszug gerissen, der Kabelbaum kaputtgegangen oder ein Kühlerschlauch abgerissen. Es waren am Ende eigentlich nur Kleinigkeiten, die aber eine gute Platzierung natürlich erschwert haben.

Sie fahren jetzt einen Citroën C2R2. Warum gerade dieses Auto?

Müller: Die Klasse meines vorherigen Wagens hätte ich in Deutschland nur noch dieses Jahr fahren können. Ab 2017 ist sie aber verboten. Ich habe dann beschlossen, das Auto zu verkaufen und mir ein neues zuzulegen. Der Citroën ist noch eins der moderneren Modelle, die man sich einigermaßen leisten kann.

Ist es nicht schwer, immer die Konzentration aufrecht zu halten?

Müller: Das ist in Visselhövede eigentlich immer schwierig, weil man sich doch immer hinreißen lässt und guckt, wo ein Bekannter steht. Bei so einem Rennen muss man aber schon seine Sinne beisammen haben, damit man auch dahin guckt, wo es sein muss. Man muss von der ersten Sekunde an Vollgas geben, sonst hat man bei den wenigen Kilometern, die es bei der Herbstrallye vergleichsweise sind, schon verloren. Dann ist man gleich hinten an.

Welche Rolle spielt ihr Beifahrer, Christian Lemke, bei der Rallye?

Müller: Der spielt sogar eine recht große Rolle. Er muss mir zum Beispiel ansagen, wann welche Kurve kommt und wie scharf sie ist. Er muss es vor allem auch rechtzeitig tun. Nicht zu spät und nicht zu früh, das muss genau passen. Da arbeiten wir allerdings viel mit Abkürzungen, damit er am Ende keinen Knoten in der Zunge hat. Insgesamt kann man sich den Beifahrer als eine Art Navigator vorstellen.

Wer gehört noch zu Ihrem Team?

Müller: Bei der Rallye jetzt in Visselhövede ist es tatsächlich übersichtlich. Wir müssen hauptsächlich alles selbst machen – wie zum Beispiel tanken. Bei den anderen Rennen, die wir fahren, sind in der Regel noch drei Schrauber mit dabei.

Haben Sie Rituale, die Sie immer wieder bei Rennen durchführen?

Müller: Nein, habe ich nicht. Ich stehe auch immer auf, wie es kommt. Ob es der rechte oder linke Fuß ist, ist dann egal.

Sind Sie trotzdem immer unfallfrei ans Ziel gekommen?

Müller: Nein, ich habe schon mal ein Auto zu Schrott gefahren, sogar auch mal so richtig. Das ist aber ganz lange her. Unfälle bleiben nicht aus, verletzt habe ich mich allerdings nie.

Wie wirkt sich das Rallye-Fahren eigentlich auf Ihr Fahrverhalten im normalen Straßenverkehr aus?

Müller: Da ich ja auch schon zum eher gesetzten Alter gehöre, ist das eigentlich normal. In den jüngeren Jahren hat man da vielleicht noch Vorteile gehabt gegenüber Gleichaltrigen, wenn man da irgendwelchen Blödsinn gemacht hat. Aber jetzt fährt man im normalen Straßenverkehr auch ganz normal. Es gibt da wirklich keinen Unterschied.

Nutzen Sie Ihren Citroën, die „Ente“, wie Sie Ihn ja nennen, privat?

Müller: Nein. Das ist ein reines Rennauto für mich.

Wie trainieren Sie eigentlich für eine Rallye? Dürfen Sie da über irgendwelche Felder fahren oder wie kann sich das der Außenstehende vorstellen?

Müller: In dem Punkt habe ich einen kleinen Vorteil, dass ich, wenn ich etwas probieren muss, das auf einem ehemaligen Militärgelände, einer alten Kaserne, machen darf. Da kann ich fahren, da stört mich keiner und da störe ich auch keinen anderen. Das ist ein riesen Gelände, das abgeschlossen wird und dann kann ich da fahren.

Woher kommt eigentlich Ihre Leidenschaft für den Motorsport?

Müller: Von meinem Vater. Der ist früher auch schon Rallye-Cross gefahren. Er hat auch immer bei Bekannten am Auto geschraubt und hat mir das sozusagen vererbt. Das erste Mal an einer Rennstrecke war ich mit sechs oder sieben Jahren.

Jetzt leistet sich ja nicht jeder einen Rennwagen. Wie kostenintensiv ist dieses Hobby eigentlich?

Müller: Die Kosten für einen Wagen wie meinen liegen pro Kilometer bei einer Wertungsprüfung zwischen 25 und 30 Euro – damit muss man zumindest kalkulieren, wenn man einen Wagen mietet. Das ist darauf bezogen, dass sich jemand ins Auto setzt und bei der nächsten Rallye wieder eines fahrbereit vorfindet. Ich mache allerdings alles selbst. Deshalb ist es bei mir wesentlich günstiger.

Dennoch ist es eine Menge Geld. Wie finanzieren Sie das Rallye-Fahren?

Müller: Wie schon gesagt, ich mache alles selbst und habe dadurch nicht so einen hohen Materialeinsatz. Außerdem habe ich ein paar kleinere Sponsoren.

Mehr zum Thema:

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Meistgelesene Artikel

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Mehrheitsgruppe bringt die Jagdsteuer zur Strecke

Mehrheitsgruppe bringt die Jagdsteuer zur Strecke

Kommentare