Kollegium der Kastanienschule empört über Verwaltung

„Spannendstes“ Hofstück ist verkauft

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In jeder Pause tummeln sich Kinder der Kastaninenschule in dem sogenannten Schulgarten. Das ist bald vorbei, denn das Grundstück wurde verkauft. „Und das alles, ohne mit uns nochmal zu sprechen“, kritisieren die Lehrer. 

Visselhövede - Von Jens Wieters. Es sind zwar nur 550 Quadratmeter, aber die bergen Sprengstoff – im politischen Sinne. Denn Lehrer, Schüler und Eltern sind „enttäuscht, fassungslos und verärgert“, dass der „spannendste Teil des Schulhofs der Kastaniengrundschule“ von der Visselhöveder Stadtverwaltung hinter verschlossenen Türen an einen Privatmann verkauft wurde. 

Außerdem geht es noch um einen ominösen Beschluss, der der Stadtverwaltung laut Aussage von Bürgermeister Ralf Goebel vorliegt, während die Schulleitung vehement dementiert, dass dieser Beschluss überhaupt gefasst worden sei.

Die Rede ist vom sogenannten Schulgarten an der Wedekindstraße. Der liegt zwischen zwei privaten Grundstücken und wird von den Kindern nicht nur während der Pausen, sondern auch während der Nachmittagsbetreuung intensiv genutzt. Die Fläche ist in den Schulhof integriert und wurde von der Stadt in grauer Vorzeit als Erweiterungsfläche gekauft, als der Babyboom auch Visselhövede erreicht hatte.

Formaler Verwaltungsakt

Jetzt gibt es immer weniger Kinder und so mancher Politiker hat sich in den vergangenen Monaten sicher Gedanken gemacht, wie man das Grundstück prima verkaufen kann. Das geht natürlich einfacher, wenn es einen Interessenten gibt. „So haben wir den Grundstückskauf zu Beginn der Sommerferien abgewickelt, nachdem wir eine konkrete Anfrage auf dem Tisch liegen hatten“, sagt Bürgermeister Goebel.

Für ihn sei es es ein rein formaler Verwaltungsakt gewesen, denn man sei sich im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss einig gewesen, dass für den Schulhof noch genügend Platz vorhanden sei und die unglückliche Grundstückssituation so problemlos gelöst werden könne. „Schließlich lag uns ein Beschluss der Gesamtkonferenz der Schule vor, der noch vor meiner Amtszeit gefasst worden ist. Der besagt, dass sich die Schule mit der Grundstückbereinigung einverstanden erklärt“, so Goebel auf Nachfrage unserer Zeitung.

Kritik an Stadtverwaltung

„Diesen Beschluss gibt es definitiv nicht“, widerspricht Schulleiterin Bärbel Lattemann, die wie ihr gesamtes Kollegium völlig von den Socken war, als nach den Sommerferien die Nachricht vom Verkauf des Schulgartens so langsam durchsickerte. Sofort habe sie alle Protokolle der Gesamtkonferenzen durchgesehen und auch ihre Kollegen nach dem Beschluss gefragt. „Aber es war nichts zu finden und es konnte sich auch niemand an diese Entscheidung erinnern“, so Lattemann. Sie sei an das Rathaus herangetreten und habe um ein Fax mit dem angeblichen Beschluss gebeten, „aber bisher ist hier nichts angekommen“.

Lattemann kritisiert nicht das Interesse der Nachbarn an dem Grundstück, sondern das Verhalten der Stadtverwaltung. „Man hätte wenigstens nochmal mit uns sprechen können“, betont Lehrerin Martina Wattjes.

„Da das Ganze in den Sommerferien über die Bühne ging, war in der Schule niemand zu erreichen“, erklärt Verwaltungschef Goebel. „Kein Argument“, so Lattemann. „Ich bin ja auch in den Ferien nicht aus der Welt!“

Neben Lattemann und Wattjes sind offenbar alle anderen Lehrer der Schule mit dem Verkauf überhaupt nicht einverstanden. „Unseren 250 Kindern wurde die reizvollste und damit interessanteste Fläche ihres Schulhofes genommen“, heißt es in einer E-Mail an unsere Zeitung.

Ohne über den beabsichtigten Deal zu informieren, ohne im Gespräch die besondere Bedeutung dieses kleinen verwunschenen Stückchen Lands zu diskutieren, seien „Nägel mit Köpfen“ gemacht worden.

„Leider ohne zu bedenken, dass Kinderköpfe zum Lernen und Reifen gerade solche Orte brauchen: versteckte, unebene, bewachsene Flächen, die zum Spielen, Verstecken und Entdecken einladen“, heißt es weiter. Dafür könne keine noch so große gepflasterte oder offen an der Straße liegende Freifläche ein Ersatz sein.

Das Lehrerkollegium habe sich gewünscht, dass man offen darüber geredet hätte. „Das wäre sicherlich ehrlicher gewesen. So bleibt dieser Geschmack auf der Zunge: Die Kleinen haben keine Lobby“, schreibt das Kollegium.

„Wir reden mit unseren jüngeren Schülern immer über Offenheit und Transparenz, aber das wird in diesem Fall von der Stadtverwaltung jedenfalls nicht vorgelebt“, schimpft Wattjes.

Laut Bürgermeister Goebel sei es die kleine Fläche nicht wert, dass jetzt so viel Aufhebens um den Verkauf gemacht werde, „schließlich stehen der Schule außerdem noch 7 700 Quadratmeter zur Verfügung.

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