Rote Schönheit mit viel Temperament

Racing-Team Jeddingen bereitet sich auf Mofa-Rennen vor 

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Einige Mitglieder des Racing-Teams Jeddingen mit ihrer Renn-Zündapp (v.l.): Ingmar Winkelmann, Jan Lohmann, Peter Tomiak.

Jeddingen - Von Jens Wieters. Sie hat alles, was Männerherzen höher schlagen lässt: Ihr Hinterteil ist eher schlank, dafür ist sie vorne umso üppiger. Sie steht auf langen Beinen, hat ein zügelloses Temperament und einmal auf Betriebstemperatur, gibt es kein Halten mehr. Die Rede ist aber nicht von einer gut gebauten Frau, sondern von einem Schätzchen auf zwei Rädern, das das Racing-Team Jeddingen hütet wie die eigenen Augäpfel: eine Zündapp CS 25.

Die 1982 im Münchener Werk als schnödes Mofa vom Band gelaufene Zündapp hat aber nur noch wenig gemein mit der Originalversion. Denn in den vergangenen Jahren haben die 22 Schrauber, Fahrer, PR-Manager, Bierholer, Abschmierer, Heizer, Tankwarte und sonstige Helfer des Racing-Teams das Bike fast komplett umgebaut. Denn schließlich soll das Mofa Rennen gewinnen.

Der nächste Wettstreit steht schon am Samstag, 17. September, an, wenn auf einem abgeernteten Feld von Jörg Carstens hinter dem Grünsammelplatz in Visselhövede-Paterbusch die 50 Kubikzentimeter-Motoren angelassen werden, um beim Höllenritt über Stock und Stein den Sieger zu ermitteln.

„Bis dahin müssen wir aber noch ein bisschen an der Feinabstimmung arbeiten“, sagt Ingmar Winkelmann, der gemeinsam mit Peter Tomiak, Henrik Grünhagen und Harm Vollmer zu den Fahrern des Racing-Teams gehört. Und die müssen körperlich topfit sein, denn „eine Stunde auf dem Ding, und du bist völlig fertig“, seufzt Henrik Grünhagen. Also geben sich die Fahrer den Gasgriff förmlich in die Hand, denn die meisten Rennen dauern eben nicht nur ein paar Runden, sondern mal drei Stunden, mal fünf, mal zwölf oder gar 24 Stunden. „Bei unserer Veranstaltung Jeddingen 300 jagen die Piloten ihre Maschinen insgesamt 300 Minuten über Steilkurven, Rampen, große und kleine Steine sowie schnelle Flachstücke“, informiert Jan Lohmann.

„Mindestens einmal auf die Klappe legen.“

Dass das nicht immer so ganz ohne spektakuläre Abgänge vonstatten geht, versteht sich von selbst. „Du musst als Fahrer davon ausgehen, dass du dich während des Rennens mindestens einmal auf die Klappe legst“, verrät Pilot Peter Tomiak. Meistens passiert dank Helm, Handschuhen und Protektoren nicht viel. Aber einige Schlüsselbeine oder auch Rippen brechen schon mal.

Aber bevor das Jeddinger Rennen im Le-Mans-Stil gestartet wird, muss noch eine Menge geschraubt werden, um die Zündapp optimal auf die Rennverhältnisse einzustellen. „Jeden Dienstagabend ist bei uns Bastelstunde, bei der meistens Holger Kregel die Regie führt“, erläutert Ingmar Winkelmann. Dann wird dem Mofa nicht nur optisch ein Rennlook verpasst, sondern vor allem technisch soll das Optimum herausgeholt werden. Durch unzählige Modifikationen am Zweitakt-Mofa wie einem ölgetränkten Luftfilter, einem optimierten Drei-Gang-Getriebe, besonderen Ansaugkanälen in der Brennkammer und einer speziellen Zündung, kommt die Zündapp mittlerweile mit 14,6 PS um die Ecke.

„Je nach Abstimmung und die Größe der Zahnräder könnten wir damit etwa 120 km/h schnell sein, aber Höchstgeschwindigkeit ist nicht das Entscheidende, sondern der Anzug und der Grip der Stollenreifen in den Kurven“, erklärt Winkelmann. Wesentlichen Anteil an den vielen Erfolgen, die die Jeddinger bereits eingefahren haben, hat auch der selbstgebaute Rennauspuff, den Winkelmann in „rund 50 Arbeitsstunden“ aus verschiedenen einzelnen Segmenten aus Edelstahl zusammengeschweißt hat. „Vorher gab es eine Form aus Papier, die dann Stück für Stück aus Blech nachgebaut wurde.“

Damit die rote Schönheit sich nicht den – natürlich größtenteils selbstgebauten – Rahmen ramponiert, steht sie auf einem Spezialfahrwerk mit Stoßdämpfern, die auch härtestes Gelände schlucken.

„Wir wollen ein tolles Mofarennen veranstalten.“

Und das soll auch am 17. September beim Rennen Jeddingen 300 geschehen, denn das Racing-Team will die Veranstaltung fest etablieren, nachdem die legendären Rennen in Taaken 2010 eingestellt wurden. „Was die dort gemacht haben, können wir doch auch!“ So lautete das Motto der Jungs im Alter von Anfang 20 bis weit in die Vierziger.

„Wir wollen ein tolles Mofarennen veranstalten. 2015 wurde erstmals ein kleines Test-Rennen mit einigen befreundeten Teams und der Unterstützung der Motor-Sport-Gemeinschaft Visselhövede organisiert. Ohne dafür Werbung zu machen, kam schon eine Vielzahl von Besuchern und Interessierte“, erläutert Lohmann. Die Idee des eigenen Rennens habe sich damit bestätigt. In Gemeinschaftsarbeit mit der Motor-Sport-Gemeinschaft Visselhövede, die in diesem Jahr den 50. Geburtstag feiert, sei die Idee zum Jeddingen 300 entstanden. „Dann hoffen wir natürlich auch auf viele Gäste“, so Lohmann.

Der Zeitplan des Mofa-Rennens Jeddingen 300 im Überblick:

Freitag, 16. September: 16 Uhr Öffnung der Boxengasse. Technische Abnahme 17 bis 20 Uhr. Erstes freies Training 18 bis 20 Uhr.

Samstag, 17. September: Technische Abnahme 7 bis 10 Uhr, zweites freies Training ab 10 Uhr, Qualifying 11.30 bis 12 Uhr, Fahrerbriefing 12.30 Uhr, Start des Rennes gegen 13 Uhr. Siegerehrung etwa 19 Uhr. Die After-Race-Party beginnt um 20 Uhr.

Gestartet wird in vier Kategorien: Frauenklasse, Originalklasse, Tuningklasse und Spezialklasse. Alle Mofas starten zeitgleich. Durch eine Transpondermessung werden die Sieger der jeweiligen Klassen ermittelt.Der Eintritt für Zuschauer ist kostenlos, ausreichend Parkplätze stehen zur Verfügung. Imbiss- und Getränkebuden sind vor Ort.

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