Nur fünf Ratsfrauen in Visselhövede / Pommerien wünscht höhere Listenplätze

Ein Resultat des Nachwuchsproblems?

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Nur fünf von 24 Visselhöveder Stadtratsmitglieder sind weiblich. Im vorherigen Gremium waren es noch sieben.

Visselhövede - Von Matthias Röhrs. Frauen in der Visselhöveder Politik gibt es nur noch wenige. Lediglich fünf von 24 Mitgliedern des Stadtrates sind weiblich, zwei weniger als noch vor der Wahl. Ein Nachteil ist das laut drei befragten Ratsfrauen nicht. Vielmehr hänge die Situation mit einem generellen Problem zusammen.

Es ist der Nachwuchs, der fehlt, sind sich die Ratsfrauen Yva Grudinski (SPD) und Irene Becker (WiV) einig. Es fangen immer weniger junge Menschen an, sich in der Lokalpolitik zu engagieren. „Ehrenamt kann viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Grudinski. Gerade in Verbindung mit einem Vollzeitjob, Hobbies und später vielleicht Kindern hätten gerade junge Frauen keine Kapazitäten mehr. Für einen Einstieg zu einem späteren Zeitpunkt würde dann vermutlich der Mut fehlen.

Pamela Helmke (CDU) 

Grudinski, die erstmals im Rat sitzt, glaubt indes nicht, dass Frauen nun in der Visselhöveder Politik benachteiligt sind. „Unsere Themen sind in der Regel ja nicht geschlechterabhängig“, zudem setze sie auf den Rückhalt von den Frauen innerhalb der Visselhöveder SPD. Neben Grudinski sitzt für die Sozialdemokraten Dagmar Kühnast als Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, für die CDU hat neben Pamela Helmke noch Astrid Kirmeß einen Sitz inne. Von der FDP und den Grünen sitzen nur Männer im Rat.

Yva Grudinski (SPD)

Becker, die fünfte Ratsfrau in Visselhövede, stimmt Grudinski weitgehend zu, auch wenn sie das Zeit-Argument nicht gelten lassen will. „Junge Menschen haben heutzutage einfach andere Interessen oder erachten Lokalpolitik nicht als so wichtig“, sagt sie. Dass sich wenig Frauen im Rat engagieren, sei für die Vissel-Stadt nicht problematisch. Allerdings sei die niedrige Anzahl ihrer Ratskollegin auch veralteten Rollenbildern geschuldet, schließlich sei die Politik früher eine Männer-Domäne gewesen. „Das ist leider so“, bedauert die Rentnerin. Auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Rotenburg, Ute Pommerien, hat einen Verdacht in diese Richtung. „Insbesondere ältere Frauen glauben, dass die Ratsarbeit nichts für sie ist“, meint diese. Die niedrige Frauenquote im Rat erachtet sie als „traurig“, schließlich sei es kein reines Visselhöveder Problem. Auch in anderen Kommunen des Landkreises sind weibliche Ratsabgeordnete unterrepräsentiert.

„Frauen halten Politik für ,Männersache‘“

Dabei wäre eine Ausgeglichenheit wünschenswert. „Frauen haben oftmals einen anderen Blick auf Themen als Männer“, so Pommerien. Gerade in punkto Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Pflege von älteren Angehörigen, die häufig von den Frauen im Haushalt übernommen werde, könnten sich Politikerinnen gut engagieren und für ihre Interessen einsetzen.

Irene Becker (WiV)

Wie ihre Kolleginnen im Gremium sieht auch Helmke die niedrige Frauenquote im Rat nicht als problematisch an. Zwar sei es sehr schade, dass viele Frauen diese noch als „Männersache“ ansehen, doch „die, die mitmachen, sind auch sehr laut und engagiert“, erklärt sie. Sie glaubt, dass sich die meisten nicht richtig mit den Themen auseinandersetzen und einer klassischen Rollenverteilung anhängen, aber im Visselhöveder Rat werde niemand ausgegrenzt. Die Gleichstellungsbeauftragte Pommerien appelliert derweil an die Parteien: „Frauen haben oft untere Listenplätze“, sagt sie. Etwas, worauf der Wähler am Ende keinen Einfluss hat.

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