Visselhövede ist Etappenziel der Deutschlandtour historischer Nutzfahrzeuge

Oldies brauchen öfter Pausen

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Der norwegische Transportunternehmer Knut Evensen mit seinem weit gereisten Scania aus dem Jahr 1963 mit zwei Millionen Kilometer auf dem Tachometer. 

Visselhövede - Von Henning Leeske. Ein Hauch automobiler Nostalgie wehte durch Visselhövede, als am Donnerstagabend 70 überwiegend sehr betagte Nutzfahrzeuge durch die Innenstadt rollten. Die Busse und Lkw nahmen an der 1 200 Kilometer langen Deutschlandtour teil und machten Zwischenstopp auf dem Betriebsgelände der Firma Hoyer.

Morgens waren die Trucker in Münster zur Etappe gestartet und genossen die Route auf den norddeutschen Landstraßen bevor sie den Heideort erreichten. „Wir haben sofort zugesagt“, sagte Firmenchef Heinz-Wilhelm Hoyer, als er vor einem Jahr gefragt worden sei, ob er Gastgeber der von dem Spediteur Joachim Fehrenkötter organisierten historischen Deutschlandfahrt sein wolle.

Heinz-Wilhelm Hoyer wird in zwei Jahren in seinem 1955er Mercedes mitfahren.

Als Begrüßungsgeschenk überreichte Thomas Hoyer jeden Teilnehmer einen Kanister eines speziellen Oldtimermotoröls, falls die Schmuckstücke etwas Nachfüllbedarf haben sollten. Denn einige der älteren Lastwagen benötigen nach der Ankunft in jedem Etappenziel ganz besondere Pflege und Hingabe der stolzen Besitzer und in schweren Fällen sogar Hilfe vom Pannenservice. So wurde ein Exemplar eines internationalen Logistikkonzerns per Tieflader bei Hoyer angeliefert. Das ist aber auch kein Wunder, denn immerhin haben die teilnehmenden Brummis schon viel Asphalt unter den Reifen gesehen. So hat zum Beispiel der 1963er Scania von Knut Evensen aus Sandefjord (Norwegen) schon zwei Millionen Kilometer auf dem Tacho. Die Flotte der skandinavischen Transportfirma war auch auf besonders langen Touren von Oslo bis zum Persischen Golf im Iran unterwegs, um nach 8 .000 Kilometern die norwegischen Öltanker im Hafen von Bandar Abbas mit Ersatzteilen zu beliefern.

Klar, dass von den Fernfahrern und Speditionsunternehmern am Abend viele Anekdoten und Erfahrungen ausgetauscht wurden, während Gastgeber Hoyer für die Verpflegung und stilechte Truckermusik mit einer Countryband sorgte.

Auf jeder Etappe der Deutschlandtour werden Mensch und Maschine stark beansprucht, da die Lkw und Busse mindestens 30 Jahre alt sind – teilweise stammen sie noch aus Vorkriegstagen. Entsprechend müssen die Fahrer auf Annehmlichkeiten wie Bremskraftverstärker oder Servolenkung verzichten, wenn sie ihrem schweißtreibenden Hobby nachgehen. 

Lkw-Oldtimer kommen nach Visselhövede 

Sonst führen die Oldtimerfans im Alltag in ihren Transportunternehmen Regie über mehrere tausend moderne Lkw. Aber seit dem Start in Stuttgart vor zehn Tagen genießen sie wieder, Kapitäne der Landstraße sein zu dürfen – ganz wie früher. Nach der Schlussetappe mit dem Ziel in Hamburg werden die internationalen Rallyeteilnehmer wieder ihre heimatlichen Fuhrparkstützpunkte in ganz Europa ansteuern und sicher schon die 16. historische Deutschlandfahrt in zwei Jahren planen. Dann will auch Heinz-Wilhelm Hoyer mit seinem Sohn Stefan teilnehmen. Und zwar in einem Mercedes Benz-Laster von 1955, der laut Wilhelm Hoyer „unverkäuflich und für uns wie ein Familienmitglied ist“.

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