N.N.-Theater spielt „Metropolis“ / Sozialkritische Inszenierung mit einer Prise Humor

Liebe besiegt Gesellschaft ohne Herz

Noch lebt die Oberschicht in Saus und Braus, aber schon bald steht „Metropolis“ am Rande der Katastrophe. - Foto: Kirchfeld

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. „Metropolis“ – manch einer hat den Film noch gut in Erinnerung. Doch als Bühnenstück umgesetzt – eigentlich eine „Mission impossible“, um im Filmgenre, dem Motto des Visselhöveder Kultursommers Leuchtfeuer, zu bleiben.

Doch dem N.N.-Theater aus Köln ist eine einmalige schauspielerische Umsetzung des 90 Jahre alten Films von Fritz Lang gelungen, die sowohl sozialkritisch, emotional aber dennoch leicht und humorvoll im nicht ganz ausverkauften Theaterzelt auf die Bühne gebracht wurde.

„Das Weltall, unendliche Weiten!“, so beginnt das Weltraum-Drama. Die Flüchtlinge landen per Wasserrutsche auf Metropolis und nach einer Gehirnwäsche an den Maschinen in der Unterwelt. Dort schuften sie für die Herrscherklasse, die sie überwacht und bespitzelt bis zum Umfallen. Die hält sich nur in der Oberstadt auf, dort, wo die „Götter“ in Dekadenz leben und schon mal mit Schmetterlingen Federball gespielt wird. Eine verbotene Zone für die Unterschicht. Einzig Arbeiterin Maria wagt sich an die Erdoberfläche. Freder, Sohn des „Herrschers“ Joh Fredersen, verliebt sich in sie, folgt ihr in die Unterwelt und erkennt: „Das sind alles meine Brüder!“

Aber: „Jeder ist da, wo er sein muss!“, lautet die Antwort seines Vaters, als er ihn nach dem Tod eines Arbeiters zur Rede stellt. Mangelhaftigkeit wird nicht geduldet. Das gilt auch für die Oberschicht. Wer dort nicht spurt, wird zurück in die Produktion gesteckt. Überhaupt steckt der Mensch voller Fehler und Mängel. Selbst die Flüchtlingsströme können die Arbeitsausfälle nicht auffangen. Daher bestellt Joh Fredersen bei Tüftler Rotwang den perfekten Menschen: Ein Werkzeug, eine Maschine, die Fleisch und Blut ersetzen soll. Als Vorbild soll Maria dienen, da sie die Arbeiter zum Aufstand aufgerufen hat. 

Kurzerhand wird sie entführt. Dem Klon von Maria fehlen allerdings die Emotionen. Da werden Witze erzählt, um Maria zum Lachen zu bringen. Als die nicht helfen, wird die Chemiekeule eingesetzt. Maria zum Weinen zu bringen, ist da schon leichter. „Die Wut und den Hass kannst du behalten“, zeigt sich Rotwang großzügig. „Ab morgen gibt es keine Arbeiter mehr. Die Zukunft gehört den Maschinen!“

„Future“ ist erschaffen und spricht zu den Arbeitern, übermittelt aber die falsche Botschaft, stellt Freder als Verräter dar und kokettiert selbst mit dem Herrscher, um Freder und Maria zu entzweien. Doch die Oberen haben vergessen, dass „Liebende heilig sind“. Die Geister, in diesem Fall das Monster, das sie schufen, werden sie nicht mehr los. Die Arbeiter geraten außer Kontrolle – und Metropolis droht unterzugehen. 

Also: „Schotten dicht!“ Joh Fredersen flutet die Unterstadt, bis er erfährt, dass sich sein Sohn dort noch aufhält. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, bei der am Ende Maria ihren Liebsten rettet. Ihr Klon wird verbrannt. Was übrig bleibt, ist die Technik und die Erkenntnis Fredersens „Hab Verstand und Mitleid, zwischen Hirn und Hand!“ Die Liebenden sollen einen anderen Planeten besiedeln, in dem Freder der neue Herrscher wird. „Das Weltall, unendliche Weiten!“, so endet das Flüchtlingsdrama – aktueller als je zuvor.

Theater „Metropolis“ in Visselhövede

Ein faszinierendes Bühnenbild, das einzig aus einem hochstellbaren Podest besteht, an dem Rutschen und Leitern angebracht sind, stand neben der schauspielerischen Leistung im Mittelpunkt. Sound, Spezialeffekte und originelle Regiestreiche – es stimmte einfach alles an dem Abend und erhielt den wohlverdienten langanhaltenden Applaus.

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